Banken-Bussen: Die Amerikaner sind fein raus

Seit der Finanzkrise haben Grossbanken weltweit Hunderte Milliarden Dollar an Bussen gezahlt. Trotzdem ist die Zeche noch nicht beglichen – den Löwenanteil zahlen dabei wohl nur ganz bestimmte Institute.

Es sind Wasserstandsmeldungen, die Huw van Steenis offensichtlich einige Genugtuung bereiten: Regelmässig errechnet der Star-Analyst der amerikanischen Grossbank Morgan Stanley, wieviel Geld die Grossbanken bereits für Bussen ausgeben mussten. Und was noch auf sie zukommt.

Wie van Steenis' neuester Analyse zu entnehmen ist, die finews.ch vorliegt, haben die 25 grössten europäischen und amerikanischen Banken seit der Fianzkrise von 2008 bereits 260 Milliarden Dollar hingeblättert. Der Sünden-Katalog ist lang: Explosive Geschäfte mit Subprime-Papieren, Manipulation von Leitzinsen, Devisen- und Edelmetallkursen, die Umgehung von Embargos – und nicht zuletzt Beihilfe zu Steuervergehen.

Doch das ist noch nicht alles. So rechnet der Morgan-Stanley-Analyst damit, dass bis 2017 mehr als 50 Milliarden Dollar an Bussen und Strafzahlungen anfallen werden. Allerdings, und das lässt aufhorchen, zahlen nicht alle Banken gleich viel.

UBS und CS zur Kasse gebeten

Laut van Steenis haben nämlich die fünf grössten US-Banken schon 90 Prozent der absehbaren Bussen «abgearbeitet». Ganz anders die europäischen Häuser, darunter die Schweizer UBS und Credit Suisse. Sie müssen im schlimmsten Fall nochmals einen Drittel der Busssumme hinblättern, die seit 2008 bereits bezahlt hatten (siehe Grafik unten).

Rechtskosten US-Banken vs. europäische Banken (in Milliarden Dollar)

Grafik1 Bussen 500

Nach den Berechnungen der Bankenanalysten von Morgan Stanley werden sich dabei weder die UBS noch die CS schadlos halten können. Seit der Finanzkrise haben die Schweizer Grossbanken zwar bereits 9,9 Milliarden (UBS) und 5,9 Milliarden Dollar (CS) an Strafen für diverse Verfehlungen geleistet; bis 2017 könnten aber nochmals 2,9 bzw. 2,3 Milliarden Franken auf die beiden Institute zukommen. Prozentual gesehen hat dabei die CS den grösseren Berg zu bewältigen (siehe Grafik unten).

Ausstehende Rechtskosten europäischer Banken bis 2017 (in Prozent)

Grafik2 Bussen 500

«Ursünde» kommt Banken teuer zu stehen

Interessanterweise birgt laut van Steenis die sozusagen die «Ursünde» der Finanzkrise das grösste Buss-Potenzial auch für die Schweizer Häuser: Nämlich die Klagen rund ium um die in der Finanzkrise toxisch gewordene Subprime-Papiere (siehe Grafik unten).

Die immer neuen Finanzskandale und Bussen erwiesen sich zudem auch bei UBS und CS noch auf einer anderen Ebene als Kostentreiber. Wie ihre Konkurrenten sahen sich die Schweizer Institute gezwungen, ihren Etat an Risiko- und Compliance-Spezialisten massiv aufzustocken. So hat etwa die UBS bereits angemeldet, bis 2016 rund 400 Millionen Franken für Compliance auszugeben als noch im Jahr 2014. Derweil hat die CS ihre Sparpläne dieses Jahr um 500 Millionen Franken gekürzt, und dabei ebenfalls steigenden Compliance-Kosten angemeldet.

Bussen-Themen nach Kosten (in Milliarden Dollar)

Bildschirmfoto 2015 08 25 um 09.24.31

Krisenherd erholt sich rascher

Das alles behindert laut van Steenis die Fähigkeit der europäischen Banken, rasch ihre Gewinne und Dividenden zu steigern – nur die UBS nimmt der Analyst von diesem Szenario aus.

Die Schätzungen des Star-Analysten legen einmal mehr nahe, dass die US-Institute sich wesentlich besser von der Finanzkrise erholt haben, die bekanntlich in den USA ihren Anfang nahm. Die amerikanischen Grossbanken haben inzwischen nicht nur bezüglich Marktmacht und Bilanzstärke die Nase vorn, wie finews.ch kürzlich berichtete. Sondern eben auch bei der Bewältigung der Altlasten.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Diese Bank bezahlt am besten

Bei den Löhnen sticht eine Bank mit grossem Abstand hervor.

Selection

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Ideen aus fünf Kontinenten für die Bank der Zukunft.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News