UBS: Schlägt nun Andrea Orcels grosse Stunde?

Nach Fehlspekulationen und Bussen in Milliardenhöhe fiel das Investmentbanking weltweit in Ungnade. Doch nun trumpft die Sparte auf. Besonders die von Andrea Orcel geführte UBS-Investmentbank glänzt.

Andrea Orcel©Keystone

Seit der Finanzkrise sind die Investmentbanken tief gefallen. Die selbst ernannten «Masters of the Universe» wurden zur schweren Belastung für ihre jeweiligen Mutterhäuser. Fehlspekulationen, Klagen und Milliarden-Bussen liessen die Grossbanken weltweit umdenken. Seither stehen die Zeichen in den Investmentbanking-Sparten auf Abbau.

Die Blaupause dafür lieferte bekanntlich die UBS. Die Grossbank hatte 2012 als erste mit einer drastischen Verkleinerung ihrer Investmentbank begonnen. Und dies erfolgreich genug, so dass sich zuletzt auch die Schweizer Erzrivalin Credit Suisse (CS) und die Deutsche Bank zu einer Überprüfung ihrer mächtigen Investmentbanking-Divisionen genötigt sahen.

Doch nun zeichnet sich ab, dass die Grossbank-Strategen wieder über die Bücher gehen müssen. Denn seit Jahresbeginn sind die Investmentbanken nicht mehr so klare Verlierer, wie es bisher den Anschein machte.

Doppelt so rentabel

Im Gegenteil: Plötzlich spielen die Investmentbanken ihre Kapitalkosten wieder ein, und mehr als das (siehe Grafik unten). Bei der UBS etwa erzielte die Division zuletzt 30 Prozent Eigenkapitalrendite. Und damit mehr als doppelt soviel wie die gut 11 Prozent, die der ganze UBS-Konzern auf seinem Eigenkapital verdiente, wie eine interessante Aufstellung der britischen Zeitung «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig) zeigt.

Eigenkapitalrenditen Investmentbanken vs. Mutterhäuser

Orcel Grafik 500

Genug jedenfalls, dass Bank-Analysten bei UBS-Chef Sergio Ermotti persönlich nachfragten, ob er jetzt wieder mit dem Ausbau der Sparte beginnen wolle. Mike Mayo vom amerikanischen Broker CSLA, einer der meist beachteten Banken-Analysten, rechnet etwa damit, dass die Profitabilität der grossen Investmentbanken noch weiter zunehmen wird.

Das hat nicht nur mit dem Fokus auf die Gewinnkraft zu tun. Sondern auch mit den Chancen im Markt, urteilen Experten. So könnte der in den USA erwartete Zinsanstieg die Nachfrage nach Absicherungsgeschäften in die Höhe schnellen lassen. Das sind typischerweise Dienste, welche die Investmentbanken anbieten.

«Keiner kann sich mehr verstecken»

Das alles ist Wasser auf die Mühlen der Investmentbanker – besonders für den CEO der UBS-Investmentbank, Andrea Orcel. Der gebürtige Italiener, der seine Teams gnadenlos zu Höchstleistungen antreibt und auch schon mit dem Chefsessel der UBS liebäugelte, muss sich in seinem Kurs mehr als bestätigt fühlen.

«Es gibt eine Kenngrösse, von der sich niemand mehr verstecken kann», sagte Orcel gegenüber der «Financial Times», «und das ist die Eigenkapitalrendite». Mittlerweile drehe sich alles um deren Höhe sowie die Regelmässigkeit und das Risiko, mit der sie erzielt werde, so Orcel weiter. Mit dem massiven Vorsprung auf die Branche und auf den eigenen Konzern kann sich Orcel nun brüsten, diese Lektion begriffen zu haben.

Keine Sicherheit bei der CS

Orcels Kollegen bei der CS dürften sich hingegen ihrer Sache weit weniger sicher sein.

Laut dem Bericht ist dort die Eigenkapitalrendite der Investmentbank nicht wesentlich besser als beim Gesamtkonzern. Ein leichter Vorsprung ergäbe sich nur dann, so die «Financial Times», wenn nicht-strategische Bereiche aus der Einheit herausgerechnet würden.

Und das ist eine Rechnung, die der neue CS-Chef Tidjane Thiam wohl ebenfalls anstellt. Noch diesen Herbst will er eine neue Strategie für die Schweizer Grossbank präsentieren.

Thiams Devise dabei ist jetzt schon klar: Wer performt, hat nichts zu fürchten. Die Nachzügler hingegen dürfen sich weit weniger sicher fühlen.

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Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

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