Johan Jervøe: «Die Kunden sind weiter als die Banken»

Johan Jervøe ist ein Meister der Inszenierung – seiner selbst (Bild oben), wie es der Auftritt auf zahlreichen Social-Media-Kanälen zeigt, aber auch seiner Arbeitgeberin, der UBS. Wie finews.ch berichtete, ist der gebürtige Däne der Architekt der ersten globalen Marketing-Kampagne der Schweizer Grossbank seit 2009.

Diese Kampagne soll das nach Finanzkrise und Finanz-Skandalen arg ramponierte Image der Bank aufglänzen. «Together», wie der Slogan des Werbe-Werks lautet, zeigt laut der UBS den strategische Wandel und die neue Ausrichtung der Bank. Einer Bank insbesondere, die sich näher beim Kunden und dessen Alltagssorgen wissen will.

Mit der ganz grossen Kelle

Diese Botschaft orchestrierte Jervøe, der neben Dänisch auch Deutsch, Schwedisch und Englisch spricht und in der Schweiz wohnt, zu einem multimedialen Gesamtstück. Bild, Film, Ton und Social Media richtete der Marketing-Chef mit der ganz grossen Kelle an: 150 Millionen Franken kostet die Kampagne, zu der er unter anderem Star-Fotografin Annie Leibovitz (Bild unten) und verschiedene Nobelpreisträger verpflichtete.

Das ist es Jervøe offenbar wert, wie er der britischen Pendlerzeitung «City A.M.» gegenüber berichtete. Kunst und Verständnis, sagte der seit 2013 amtierende UBS-Manager, seien schliesslich der Schlüssel zu Wachstum an der Kundenbasis.

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Fan von Arianna Huffington

So liesse sich über die Kunst-Sammlung der UBS – laut Jervøe die grösste im Banking weltweit – das Kundengespräch in eine ganz neue Dimension rücken. Wenn Banker und Kunden über mehr als nur «Business» sprächen, könnten sie viel voneinander lernen, sagte Jervøe, der Virgin-Gründer Richard Branson und Huffington-Post-Chefin Arianna Huffington zu seinen Vorbildern zählt.

Wie auch finews.ch berichtete, startet im Januar 2016 eine UBS-Wanderausstellung mit den von Leibovitz porträtierten einflussreichen Frauen.

Lakaien und gute Väter

Der UBS-Mann stützt Tour und Kampagne auf bankinterne Untersuchungen. Gleich bei seinem Antritt für die Grossbank 2013 hat Jervøe Tausende von UBS-Mitarbeitenden und Kunden befragt. Das Resultat: Die Banker wollten sich nicht mehr als Lakaien sehen, die den superreichen Klienten an der Treppe zum Privatjet mit Verträgen ihre Aufwartung machten.

Die Kunden wiederum, so Jervøe gegenüber «City A.M.», forderten mehr Kontrolle über ihr Vermögen und verstünden den Banker-Sprech kaum. Deshalb müssten die Botschaften vereinfacht werden. So fragt die UBS-Kampagne nun: «Bin ich ein guter Vater?»

Im Dienst des goldenen M

Diese Botschaften werden zu 70 Prozent über Social-Media-Kanäle verbreitet. Denn, sagt der UBS-Top-Marketing-Mann: «Wir sehen uns derzeit mit der Situation konfrontiert, dass unsere Kundschaft in digitalen Belangen wohl weiter fortgeschritten ist als die Banken selber.» Die Antworten auf einer Test-Kampagne anfang Jahr seien zu 80 Prozent über Mobilgeräte hereingekommen.

Für diese Arbeit scheint Johan Jervøe der richtige Mann zu sein. Vor seinem Antritt bei der UBS war der Däne beim IT-Riesen Intel zuständig für die Vermarktung des PC-, Smartphone- und Tablet-Geschäfts und die Zusammenarbeit mit anderen Marken und Medienpartnern. Zuvor war er 13 Jahre für McDonald's in den USA und Europa tätig gewesen und dort Leiter des Teams, das die globale Markenkampagne «I'm loving it» entwickelte.

Keine Nerven für Schlendrian

Dennoch hat Jervøes Offenheit für digitale Kanäle offenbar Grenzen. So sorgte im vergangenen Mai eine öffentlich gewordene Mail des Marketing-Chefs für Schlagzeilen: Wie die «Schweiz am Sonntag» damals berichtete, gab der Manager der Belegschaft damals verschärfte Homeoffice-Regeln durch. Die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten, warnte Jervøe, sei ein Privileg. Das dürfe man nicht missbrauchen.

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