Glasnost bei Privatbank Lombard Odier in Zürich

Privatbanken wie Lombard Odier waren in der Vergangenheit für eine offene Kommunikationspolitik nicht unbedingt bekannt. Warum auch: die partnergeführten Institute hatten gar keinen Grund, nach aussen mehr als nur das Allernötigste mitzuteilen.

Doch das hat sich geändert, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass auch Lombard Odier seit dem vergangenen Jahr als Aktien-Kommanditgesellschaft firmiert und so erhöhten Publizitätsvorschriften unterstellt ist.

Ein neuer Eingang

Allerdings trägt auch der Paradigmenwechsel im Schweizer Banking dazu bei, dass bei Lombard Odier seit bald zwei Jahren so etwas wie eine Glasnost-Atmosphäre herrscht. Entsprechend einer offeneren Kommunikation will man nun auch neue, zukunftsträchtige Kunden ansprechen.

Und dabei spielt der Standort Zürich, den es zwar schon seit 26 Jahren gibt, eine ganz besondere Rolle – denn immerhin befindet er sich im wichtigsten Finanzzentrum der Schweiz, der auch in Sachen internationale Vermögensverwaltung der Rhonestadt mehr und mehr den Rang abläuft.

Die Öffnung bei Lombard Odier in Zürich manifestiert sich aber auch dadurch, dass die Gebäulichkeiten in den vergangenen Monaten gänzlich renoviert wurden und der Haupteingang und die daran anschliessenden Kundenzone sich nicht länger am lärmigen Utoquai befinden, sondern an der etwas zurückgelagerten und beschaulicheren Falkenstrasse.

Zwei Dutzend neue Leute an Bord

Seit 18 Monaten steht die Zürcher Niederlassungen auch unter der Führung des früheren Credit-Suisse-Bankers Dominique Wohnlich (Bild oben), wie auch finews.ch seinerzeit meldete. Er wurde damit beauftragt, dem Standort Zürich neue Impulse zu verleihen. Zu diesem Zwecke hat er knapp zwei Dutzend neue Leute an Bord geholt, wie er am Donnerstag an einer Medienkonferenz in Zürich erklärte. Insgesamt arbeiten in der Limmatstadt gut 100 Personen für die Genfer Privatbank.

Dabei handelt es sich nicht nur um Kundenberater von allen bekannten Banken auf dem Platz Zürich, wie er gegenüber finews.ch erklärte, sondern ebenso um Portfolio-Manager, Compliance-Leute und Risiko-Spezialisten. Das Ziel dahinter: Man will die hiesigen Kunden auch vollumfänglich von hier aus betreuen, wie Lombard-Odier-Teilhaber Hugo Bänziger (Bild unten) am Donnerstag zusätzlich ausführte. Das ist neu, denn früher lag das Epizentrum des Wirkens von Lombard Odier ganz klar in Genf.

Hugo Banziger 500

Offshore-Geschäft immer noch wichtig

Genaue Zahlen zur Ertragsentwicklung und zur Höhe der in Zürich verwalteten Vermögen will die immer noch etwas verschwiegene Privatbank trotzdem nicht machen. Insgesamt betreute sie per Mitte 2015 aber 209 Milliarden Franken, und dem Vernehmen nach soll ein signifikanter Teil in Zürich gebucht sein – mehrheitlich von Kunden, die in der Schweiz ansässig sind, aber auch aus Europa sowie aus den neuen Märkten wie Osteuropa oder Asien, wie Wohnlich ausführte. Und der Neugeld-Zufluss sei sehr zufriedenstellend.

Obschon man sich heute klar auf so genannte Onshore-Kunden ausrichtet, also auf Leute, die sich hierzulande niedergelassen haben, macht das Offshore-Geld immer noch einen substanziellen Anteil aus, wie Bänziger unterstrich. Gemeint sind damit Vermögen von Kunden, die ausserhalb der Schweiz wohnen.

Keine «Verkaufsbank»

Natürlich legte Bänziger als ehemaliger Risiko-Chef bei der Deutschen Bank grossen Wert darauf, dass alle Gelder bei Lombard Odier heute versteuert seien. «Wer Schwarzgeld hat, kommt bei Lombard Odier nicht hinein», betonte der vom Dienstalter her jüngste Teilhaber der Genfer Privatbank.

Im heutigen Umfeld sieht sich Lombard Odier nicht als eine «Verkaufsbank», die der Klientel möglichst viele Finanzprodukte andreht, sondern als Treuhänderin der Kunden mit grossen Vermögen. «Man kommt auch nicht zu uns, wenn man Spitzenerträge erzielen will», unterstrich Hugo Bänziger, sondern wenn man ein Vermögen erhalten und irgendwann der nächsten Generation übergeben wolle.

Die nächsten fünf Jahre entscheiden

Nicht ohne Stolz verwies Bänziger trotzdem darauf, dass die Investment-Strategie des Hauses in den vergangenen zehn Jahren eine Rendite erzielt habe, die derjenigen des Swiss-Market-Index (SMI) entspreche – «aber ohne die verschiedenen Dellen, wie etwa im Jahr 2008», wie Bänziger weiter unterstrich.

Für Zürich-Chef Wohnlich werden die nächsten fünf Jahre entscheidend sein, wie er selber einräumte. Denn in dieser Zeit sollte sich weisen, ob die nun etablierte Infrastruktur (Informatik, Risiko, Compliance, Personal, Back-Office) die anvisierten Mehrerträge generiert. Das wird nicht einfach sein, zumal viele andere Schweizer Banken ähnliche Strategien verfolgen und es auf die wohlhabenden Menschen hierzulande abgesehen haben.

Startup-Atmosphäre mit 200-jähriger Geschichte

Doch Wohnlich gibt sich zuversichtlich, weil er auf einer langen Tradition aufbaut, und in einer Firmenstruktur arbeiten kann, in der die Besitzer der Bank nur einen Telefonanruf entfernt sind und selber noch Kunden betreuen; zum anderen aber auch, weil laut Wohnlich bei Lombard Odier eine Aufbruchsstimmung um sich greift, oder wie es Dominique Wohnlich formuliert: «Es herrscht eine Atmosphäre wie bei einem Startup, ein Startup jedoch mit einer mehr als 200-jährigen Geschichte.»

Lombard Odier wurde 1796 gegründet.

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Gottex

Der Hedgefondsanbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Das Unternehmen begründet die Verschiebung mit einem Verzug in den Verhandlungen um eine zweite Finanzierungstranche nach den Rekapitalisierungs-Massnahmen vom Sommer.

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Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt. Die Zahlung erfolgte, weil die UBS ihre Broker nicht standesgemäss ausgebildet habe.

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Der Bankensoftwareentwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

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Die Deutsche Bank will den britischen Versicherer Abbey Life an die Phoenix Life, eine Gesellschaft der Phoenix Group, verkaufen. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Phoenix Life 100 Prozent von Abbey Life zum Preis von 935 Millionen Pfund erwirbt. Abbey Life ist derzeit Teil der Deutschen Asset Management.

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

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