Private Banking: Asiatische Kunden vergeben «Carte Blanche»

Asiatische Kunden haben bezüglich Anlageentscheide gerne das Zepter in der Hand. Doch der Trend kehrt: Die Nachfrage nach Mandaten in der Vermögensverwaltung steigt rasant.

Schweizer Private Banker erzählen gerne von der Risikolust ihrer asiatischen Kunden: Diese erwarten von den Beratern Anlagevorschläge mit überdurchschnittlichen Renditechancen und nehmen diese auch gerne an. Oftmals auch mit eigens für den Kunden konstruierten Hebelprodukten. Dass Kunden mit einem Optionenrechner ins Gespräch kämen, sei keine Seltenheit, sagte ein Banken-Chef zu finews.ch.

Dieses Verhalten entstammt nicht nur einer Zockermentalität, sondern auch auf Grund der Prägung aus der eigenen Unternehmergeschichte: Ein Grossteil der neueren asiatischen Kundschaft im Private Banking führt Unternehmen, wo Wachstumszahlen von 20 und mehr Prozent Normalität sind. Die Besitzer haben Risiken genommen und ihren Wohlstand damit aufgebaut.

Bezahltes Lehrgeld führt zu Umdenken

Dieselben Renditen wie im eigenen Geschäft erwarten Kunden auch von den Anlagemärkten. Doch ist das Erreichen solcher Renditen nur mit der entsprechenden Portion Risiko möglich.

Entsprechend zahlen auch manche Privatkunden in Asien für ihren Risikohunger Lehrgeld, was zu einem Umdenken führt. Waren Vermögensverwaltungsmandate in Asien vor wenigen Jahren noch sehr schwach verbreitet, können Privatbanken dieses Angebot nun immer besser verkaufen.

Steiler Anstieg bei der CS

Die jüngsten, vom chinesischen Aktienmarkt ausgehenden Marktturbulenzen haben den Trend noch verstärkt: Asiatische Kunden vergeben ihren Privatbanken immer mehr die «Carte Blanche» – ein diskretionäres Vermögensverwaltungsmandat.

Tan Wei Mei 160Tan Wei-mei (Bild), Chefin für Portfolio-Lösungen im Raum Asien-Pazifik bei der Credit Suisse (CS), sagte gegenüber der «South China Morning Post», die CS habe allein im ersten Halbjahr 2015 einen Anstieg von 200 Prozent von Vermögensverwaltungsmandaten verzeichnet.

«Vor allem die vermögenden Kunden haben zur Mandatlösung gewechselt, nachdem die Aktienmärkte schon zum Jahresbeginn viel volatiler waren», sagte Wei-mei. Es sei aufgrund der schwieriger auszurechnenden Märkte eine Veränderung im Anlageverhalten der Kunden festzustellen. Dies hat die CS antizipiert, welche ihr Anlagelösungsteam im vergangenen Jahr stark ausgebaut hat.

Mehr Mandate in Europa und in den USA

Vermögensverwaltungsmandate sind für Privatbanken die lukrativere Lösung: Sie kosten den Kunden mehr und sie lassen eine effizientere Bewirtschaftung der verschiedenen Portfolios zu. Zunehmend bieten Privatbanken ihre Kunden die sogenannte «All-in-fee» an: Eine einmalige Jahresgebühr, für welche die Bank im Gegenzug das Portfolio führt und keine Mehrkosten für Transaktionen verlangt.

In der Regel ist der Anteil an reinen Vermögensverwaltungsmandaten in einer Privatbank kleiner als jener der «normalen» Mandate, innerhalb derer Anlageentscheide mit dem Kunden jeweils noch abgesprochen werden.

Schweizer Banken propagieren Modell

Es sind nur Schätzwerte, aber in der Schweiz und in Europa liegt der Anteil wohl bei rund einem Viertel, in den USA liegt er höher bei rund 45 Prozent.
In Asien lag der Anteil gemäss einer Studie von BNY Mellon bis vor kurzem noch bei unter 5 Prozent. Schweizer Privatbanken hatten aber von Beginn weg versucht, dass Modell ihren Kunden stärker schmackhaft zu machen.

Bei Julius Bär liegt die Anteil der Vermögensverwaltungsmandate nun deutlich über der zweistelligen Prozentmarke. Vor fünf Jahren lag er noch bei rund 10 Prozent.

Risikolust eingedämmt

Der Anstieg hat auch demografische Gründe, wie die CS-Managerin weiter sagte. «Wir haben zunehmend ältere Kunden, die ihre Zeit lieber auf dem Golfplatz verbringen, als an den Finanzmärkten zu handeln.» Diese Kunden delegierten die Verwaltung ihrer Vermögen an die Bank.

Natürlich werde die Anlagestrategie zuvor mit den Kunden noch abgesprochen. Aber auch hier machen die Banken neue Erfahrungen. Wünschten sich asiatische Kunden früher vor allem aktienbasierte Portfolios, wo die Renditechancen höher sind, wollten sie heute mehr eine ausgewogene Strategie.

Trend geht zu mehr Mandaten

Den Trend zu einer strukturierten und langfristigeren Anlagestrategie unter asiatischen Kunden sieht auch Christopher Cheung Wah-fung, Mitglied des Legislative Council in Hongkong.

«Es gibt eine steigende Anzahl von Investoren, welche ihrem Broker eine diskretionäres Mandat übergeben wollen», sagte er der «South China Morning Post». Weil die Regulierungen für Broker aber sehr streng sind müssen sich diese Kunden für die Erfüllung ihrer Ansprüche eher an Banken wenden.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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