Temenos: Fintech ist eben doch nicht disruptiv

Bild: Shutterstock

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Der Bankensoftware-Hersteller Temenos tut ganz vorne in der Schweizer Fintech-Szene mit. Doch nun verweist dessen Chefstratege den Fintech-Hype in seine Schranken.

Lange stand Temenos am Schweizer Finanzplatz im Schatten von Konkurrenten wie Avaloq oder Finnova. Doch in den letzten Monaten hat sich die Westschweizer Banken-Software-Schmiede ihren festen Platz im Rampenlicht zurückerobert: Einmal mit dem Zuschlag für die Erneuerung der veralteten IT-Plattform der Zürcher Privatbank Julius Bär; zum anderen mit ihrem viel beachteten Engagement als Sponsor von Fusion in Genf, dem ersten Fintech-Inkubator der Schweiz.

Entsprechend hat man bei Temenos eine recht klare Vorstellung darüber, welche Quantensprünge digitale Innovation im Banking zu leisten vermag – aber auch, woran sie scheitert.

Grossen Würfe bleiben aus

Genau Letzteres brachte nun der Chefstratege von Temenos, Ben Robinson (Bild unten), kürzlich in einem Blog-Beitrag auf den Punkt. Dabei zeigte er sich durchaus bewusst, dass er sich auf heikles Terrain vorwagte. «Ich werde dafür wohl reichlich negative Kommentare zu hören bekommen», schreibt der Temenos-Stratege. Dennoch sei Fakt: «Fintech hat es bisher nicht geschafft, wirklich grosse Würfe zu landen», so Robinson.

Ben Robinson 500

Dies, obwohl zahlreiche Akteure an die disruptive Kraft von digitalen Finanz-Lösung glaubten, die Zahl der weltweiten Fintech-Firmen auf 12'000 angestiegen sei und der Sektor in den letzten zwölf Monaten Investitionen von 14 Milliarden Dollar angezogen habe. «Aber wenn ich mir die 25 Firmen mit dem grössten disruptiven Potenzial anschaue,» so Robinson, «dann sind das immer noch in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannte Namen».

Auf ausgetretenen Pfaden

Und Robinson, der sich auf für das Marketing von Temenons verantwortlich zeichnet, glaubt auch zu wissen, warum.

  • Fintech Startups konzentrierten sich bisher zu sehr auf traditionelle Bankdienstleistungen wie etwa die Kreditvergabe. Dort gerieten sie jedoch in direkte Konkurrenz zu den Banken, so Robinson, welche sowohl die nötigen Skaleneffekte mitbringen wie auch die strengen regulatorischen Vorgaben bewältigen können.
  •  In vielen Fällen wollten Fintech-Firmen den Status Quo gar nicht überwinden, sondern verstärkten ihn noch. Etwa, indem sie die Verbreitung von Kreditkarten-Diensten bei Händlern förderten.
  • Noch sei es für Banken relativ einfach, Innovationen von Fintech-Jungfirmen zu kopieren oder diese in Partnerschaften für sich arbeiten zu lassen, so Robinson. Der Temenos-Mann nennt dabei etwa die Übernahme von FutureAdvsior durch den Vermögensverwaltungs-Giganten Blackrock oder die eigene Lending-Plattform der US-Grossbank Goldman Sachs.

Doch Ben Robinson sieht auch Chancen zur Etablierungen eines Finanz-Ökosystems, dass weitgehend ohne Banken auskommen könnte.

  • Schiere Grösse: Danke schnellem Wachstum werde es Firmen wie etwa der amerikanischen Lending Club gelingen, über kurz oder lang zu nennenswerten Marktanteilen zu gelangen und so Umwälzungen herbeizuführen, so der Temenos-Stratege.
  • Ausweitung der Dienstleistungen: Durch zusätzliche wertsteigernde Angebote und den Eintritt in neue Märkte wie etwa Handelsfinanzierung oder Risiko-Management können Fintech-Firmen ihre Position weiter ausbauen.
  • Vorstoss in nachgelagerte Bereiche: In der vertikalen Ausdehnung ins Middle- und Backoffice des heutigen Banking sieht Robinson ebenfalls eine Möglichkeit für Fintech-Akteure, an Marktkraft zu gewinnen.

Am weitaus wichtigsten ist laut dem Temenos-Mann jedoch die Zusammenarbeit. Wenn agile Startups und etablierte Player mit ihrer Marktmacht zusammenspannen würden, dann könnten beide Seiten nur gewinnen, ist er sich sicher.

Woher die wirkliche Gefahr droht

Allerdings verlangt dieses Vorgehen beiden Seiten auch Opfer: Von den Fintech-Firmen, weil sie ihre disruptiven Pläne begraben müssen. Und von den Banken, weil sie sich auf Augenhöhe mit den viel kleineren Jungfirmen herablassen müssen.

Doch auch für die Banken sei dies am Ende das kleinere Übel – denn ihnen drohe Gefahr von einer ganz anderen Seite. «Mit der Digitalisierung der Dienstleistungen wird der Vertrieb und damit der Kontakt zum Kunden zum eigentlichen Schlachtfeld», stellt er fest. Und Robinson hält es hier für «sehr wahrscheinlich», das heutige IT-Giganten wie Apple oder Amazon einmal den Vertrieb von Bankprodukten kontrollieren werden.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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