Peter Hetherington: «Die Schweiz ist glücklicherweise nicht wie Zypern»

Die im Online-Trading tätige IG Group expandierte vor Jahresfrist in die Schweiz. Nach zwölf Monaten liege man bereits leicht über Budget, sagt Peter Hetherington, früher Marine-Offizier und heute CEO des britischen Unternehmens im Gespräch mit finews.ch.

Tatsächlich haben die jüngsten Verwerfungen an verschiedenen Börsen auf dieser Welt die Volatilität spürbar erhöht. Für Online-Banken brechen damit spannende Zeiten an. «Denn unter diesen Vorzeichen handeln die Kunden häufiger», sagt Peter Hetherington (Bild oben).

Er ist Interim-CEO der IG Group, einem Unternehmen das es seit 1974 gibt; damals allerdings noch als Goldhandelsfirma, während es heute im Online-Handel mit Devisen und Differenzkontrakten (Contracts for Difference, CFD) tätig ist. Letzteres sind Finanzderivate, bei denen der Anleger auf steigende oder fallende Kurse von Wertschriften, Indizes, Devisen und Rohstoffen setzt ohne dabei die entsprechenden Titel zu besitzen. Die IG Group beschäftigt heute rund 1’400 Leute und zählt 136’100 aktive Kunden (Stand: Mai 2015) in gut 130 Ländern dieser Welt.

Im Dienst der königlichen Marine

Hetherington, zuvor Offizier in der britischen Kriegsmarine, stiess 1994 zur IG Group, wo die Kunden damals noch via Telefon Wertschriftenaufträge platzierten, wie er sich erinnert. Über die Jahre mutierte das seit 2000 an der Londoner Börse kotierte Unternehmen (Marktkapitalisierung rund 2,9 Milliarden Pfund, Stand: Ende Mai 2015) zu einer hoch modernen Online-Trading-Plattform, die mit ihrem Angebot jährliche Erträge von mittlerweile 388 Millionen Pfund (umgerechnet rund 566 Millionen Franken) erwirtschaftet.

Peter Hetherington dürfte noch dieses Jahr vom Verwaltungsrat fest zum CEO ernannt werden und damit die Nachfolge von Tim Howkins antreten, der im vergangenen Juli seinen Rücktritt bekanntgab.

Seit einem Jahr in der Schweiz

Vor nun genau zwölf Monaten eröffnete die IG Group in der Schweiz, genauer gesagt in Genf, eine Niederlassung. Eigentlich sei die Schweiz viel zu lange Zeit ein weisser Fleck auf der IG-Landkarte geblieben, räumt Hetherington ein, zumal Zürich und Genf zwei besonders wichtige Finanzplätze seien, und wo es viele potenzielle Kunden, sowohl private wie auch institutionelle (Privatbanken, Family Offices, Versicherungen) gebe.

Umso mehr freut sich Hetherington, dass die IG Group, die in der Schweiz auf Grund der nationalen Bestimmungen als lizenzierte Bank operiert, nun in diesem Markt präsent ist – unter der Ägide von Fouad Bajjali (Bild unten), der zuvor die Niederlassung in Spanien aufgebaut hatte. Der deutsch-palästinensische Doppelbürger, der mit US-Pass im spanischen Malaga aufwuchs, sagt: «Nach einem Jahr befinden wir uns auf Kurs; in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres (per Ende Mai) erreichten wir das Budget. In den drei Monaten danach haben wir es sogar übertroffen.»

Fouad Bajjali 501

Konkrete Zahlen will er (noch) nicht nehmen, betont aber, dass man in den ersten neun Monaten nach dem Start einen Ertrag von rund 1,5 Millionen Franken generiert habe und weiter wachsen wolle. Das wird nicht ganz einfach sein, zumal die IG Bank in der Schweiz in einem streng regulierten Markt operiert – was an und für sich gut ist –, aber gleichzeitig Konkurrenten da sind, die das Metier ebenfalls verstehen.

Vom Platzhirsch zu den Miss-Wahlen

Die Swissquote Bank ist der Platzhirsch, während sich die dänische Saxo Bank tariflich profiliert und die Genfer Dukascopy Bank vor allem mit monatlichen Champagner-Events in Genf und der jährlichen Miss-Dukascopy-Wahl von sich reden macht.

Mit dem vierten Platz will sich die IG Group allerdings nicht auf ewig begnügen. Im Gegenteil: Wer sich in London einen Eindruck von der hoch modernen Handelsplattform einen Eindruck verschaffen kann, und für welche mittlerweile rund 600 Leute arbeiten, muss dem Unternehmen sehr gute Expansionschancen zubilligen. Die gesamte Plattform ist auch so konzipiert, dass ihr weder Terroranschläge noch Stromausfälle etwas anhaben könnten, zumal das gesamte System auf Ersatzgeräte anderswo in (West-)London sowie in Australien jederzeit ausweichen kann.

Geographische Expansion abgeschlossen

Die Niederlassung im australischen Melbourne garantiert zusätzlich, dass der Handel via IG Group rund um die Uhr gewährleistet und die Anbindung an den stark wachsenden Markt in Asien jederzeit gewährleistet ist. Seit 2006 unterhält die IG Group auch eine Niederlassung in Singapur. Interessanterweise sagt Hetherington, dass die geographische Expansion für die IG Group mehr oder weniger abgeschlossen sei.

«In allen Märkten, die streng reguliert werden, sind wir nun vertreten. Denn nur in solchen Märkten, mit hohen Eintrittsbarrieren, wollen wir auch präsent sein. Das gibt uns die Gewähr, dem höchsten Qualitätsstandard zu entsprechen», erklärt der IG-CEO weiter und verweist im Gegensatz dazu etwa auf Zypern, wo es einen Wildwuchs an mehr oder weniger kontrollierten Online-Trading-Instituten gebe, die bisweilen über Nacht auch wieder eingingen. Auf Grund des unzureichenden Regulierungsrahmens will die IG Group vorläufig auch nicht in Lateinamerika tätig werden.

Institutionelle Anleger im Visier

Stattdessen hat die IG Group vor, in den etablierten Märkten in die Tiefe zu wachsen, sprich ihr Angebot, das derzeit noch vorwiegend auf CFD beruht, mit anderen handelbaren Wertschriften und Finanzprodukten, namentlich Exchange Traded Funds, ETF) oder auch Binäre Optionen auszubauen. Das strebt das Unternehmen auch in der Schweiz an, um der Klientel – vorwiegend – im institutionellen Bereich (Pensionskassen, Versicherungen und andere Vorsorgeinstitutionen) mehr zu bieten.

Schweiz-CEO Bajjali räumt denn auch ein, dass die institutionelle Klientel hierzulande erst zehn Prozent ausmache. «Über die nächsten drei bis vier Jahre peilen wir einen Anteil von 30 bis 40 Prozent an», so Bajjali gegenüber finews.ch.

Ein Dorn im Auge

Unter diesen Prämissen will IG Bank in den nächsten fünf Jahren auf Erträge von ungefähr 15 Millionen Pfund respektive 24 Millionen Franken kommen, wobei man die Gewinnschwelle schon früher erreichen will, wie Bajjali betont. In der Schweizer Niederlassung arbeiten derzeit 21 Personen. «Mittelfristig könnten wir den Personalbestand auf bis zu 30 Leute ausbauen», sagt Bajjali weiter.

Ein Dorn im Auge ist den Online-Banken in der Schweiz, dass das Prozedere für eine Kontoeröffnung im Vergleich zum Ausland wesentlich langwieriger ist – auf Grund der Richtlinien der Finma. Das schränke die Geschäftsmöglichkeiten ein und schwäche letztlich den hiesigen Finanzplatz, sagt Bajjali. Die vier Schweizer Online-Banken wurden denn auch schon bei der Finma vorstellig, wie auch finews.ch berichtete. Doch blieb dieser Vorstoss bislang ohne Resultat.

Handel übers Handy nimmt zu

Beim Kundenverhalten stellt CEO Hetherington seit seinen Anfängen vor nunmehr gut 20 Jahren bei IG enorme Veränderungen fest. Entwickelte sich das Trading vom Festnetz-Telefon hin zum Desktop, würden heute bereits an die 40 Prozent der Kunden über ihr Handy handeln. «Und dieser Trend wird weiter gehen», sagt der Brite und ergänzt: «Der Kunde erwartet heutzutage auch, dass er mit jedem Gerät und System handeln kann. Das setzt unsererseits voraus, dass wir uns technologisch laufend weiterentwickeln müssen. Denn nur so können wir sämtlichen Erfordernissen genügen.»

Trotz dieser unaufhaltsamen Entwicklung in Richtung Mobilität will die IG Group ihre physische Präsenz behalten. «Unsere Kunden wollen ab und zu ein Büro sehen, sich vergewissern, dass es unser Unternehmen auch tatsächlich gibt. Sie wollen bei uns vorbeischauen, Seminare besuchen und sich mit unseren Mitarbeitern austauschen. «Daran wird sich nicht so schnell etwas ändern, selbst wenn dies in unserem virtuellen Zeitalter völlig veraltet wirkt», sagt der IG-CEO.

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