Private Banking: Eine asiatische Bank holt mit Riesenschritten auf

Es ist die wohl am meisten beachtete Rangliste im internationalen Private Banking – jene der Institute mit den höchsten Kundenvermögen in der Wachstumsregion Asien-Pazifik. Das Fachorgan «Private Banker International» (Artikel bezahlpflichtig) erstellt sie jedes Semester neu. Am Freitag war es wieder so weit – anlässlich der Veranstaltung «PBI Global Wealth Summit & Awards».

Asien Ranking

Auf den ersten Blick bietet die Rangliste nicht viel Neues im Osten: Die UBS ist nach wie vor der klar grösste Wealth Manager, gefolgt von der Citi Private Bank und der Credit Suisse.

Die Bank Julius Bär verharrt im vorderen Mittelfeld, die liechtensteinische LGT, EFG Internatonal sowie J. Safra Sarasin folgen in einigem Abstand.

Beeindruckendes Tempo

Spannend ist aber der Vergleich mit der Höhe der Kundengelder des Vorjahres, das heisst der Vergleich der jeweiligen Wachstumsraten. Hier zeigt sich ein einsamer Spitzenreiter: Die DBS Bank mit Sitz in Singapur.

Das asiatische Institut hat zwar nur einen Platz in der Rangliste gut gemacht und die US-Bank Morgan Stanley überholt. Aber das Wachstumstempo der DBS ist beeindruckend: Ihre Kundenvermögen wuchsen um 35 Prozent auf 73 Milliarden Dollar.

Vision der Bank der Zukunft

Architektin dieses Erfolgs ist Tan Su Shan (Bild oben), Chefin Consumer Banking und Wealth Management bei der DBS. Vergangenes Jahr wurde sie zum «Best Leader in Private Banking» ausgezeichnet. Der Preis wird von «The Banker» und «Private Wealth Management» vergeben, beides Publikationen der Financial-Times-Gruppe.

Einen Eindruck von Tan Su Shan und ihren Ideen für das Banking von morgen vermittelt ihr Auftritt an den TED-Talks (siehe Video).

Der Geschwindigkeit von DBS haben alle anderen Banken wenig entgegen zu setzen – selbst wenn die meisten von ihnen ebenfalls zweistellige Wachstumsraten aufweisen. Der Gesamtmarkt ist laut PBI um 12,3 Prozent auf 1,542 Billionen Dollar gewachsen.

Credit Suisse wächst wie der Markt

Der grösste Teil davon, nämlich annähernd 18 Prozent, liegt bei der UBS. Sie konnte ihre Kundengelder auf 272 Milliarden Dollar erhöhen, was im Vorjahresvergleich ein Plus von 11 Prozent darstellt.

Etwas schneller wuchs die Credit Suisse mit 12 Prozent auf 145 Milliarden Dollar. Noch mehr Tempo legten die Deutsche Asset und Wealth Management sowie die französische BNP Paribas vor – mit Zuwächsen von 14 und 15 Prozent.

Julius Bär holt Atem

In der Rangliste fällt auch Julius Bär auf: Bei der Privatbank, die Asien als ihren zweiten Heimmarkt bezeichnet, scheint nach der Integration von Merrill Lynch International die Dynamik etwas nachgelassen zu haben.

Ihre Kundenvermögen stiegen noch um 7 Prozent. Zu wenig: Denn die J.P. Morgan Private Bank hat die Zürcher Privatbank im Laufe der letzten zwölf Monate überholt.

DBS macht alles richtig

Interessant ist im Zusammenhang mit dem tieferen Wachstum bei Julius Bär möglicherweise auch der Umstand, dass es in Asien in jüngster Zeit zu einigen personellen Veränderungen gekommen ist: So kehrt der langjährige Chef, Thomas Meier, per Ende Jahr in die Schweiz zurück, wie finews.ch berichtet hat. Seinen Posten übernimmt mit Jimmy Lee ein lokal ansässiger Banker, dem ein sehr gutes Beziehungsnetz nachgesagt wird.

DBS hingegen hat nach der Übernahme des asiatischen Wealth Managements von Société Générale offenbar alles richtig gemacht. Das Institut steche in der weiteren Digitalisierung ihrer Plattform hervor, in der Anwendung von Innovationen und in der Fähigkeit, Kunden an sich zu binden, deren Vermögen stark anwachsen, beurteilte «Private Banker International» die Qualitäten der DBS.

Das Institut hat in letzter Zeit einige Anstrengungen unternommen, den chinesischen Private-Banking-Markt zu erorbern und von dem grossen Millionärspool im Land zu profitieren.

Ungewöhnliche Allianzen

Dabei möchte das Singapurer Unternehmen Allianzen und Kooperationen auch ausserhalb der Bankenbranche eingehen, zum Beispiel im Technologiebereich, bei Reiseunternehmen oder mit Luxus-Einzelhändlern. Dies seien ideale Partner, weil diese bereits mit einer vermögenden Kundschaft zu tun hätten, die möglicherweise nach einer guten Bankbeziehung suchten, sagte Tan kürzlich.

Die Asien-Rangliste wird sich in den kommenden Jahren wohl weiter verändern. DBS will die verwalteten Vermögen bis 2018 auf über 100 Milliarden Dollar steigern – das Wachstum soll vor allem aus China kommen.

Kritische Masse verschiebt sich

Ausserdem stehen weitere Konsolidierungsschritte in der Branche an: Die kritische Masse an verwalteten Vermögen ist auf Grund der massiv gestiegenen regulatorischen Anforderungen in Singapur und in Hongkong von ehemals rund 10 Milliarden Dollar auf über 30 Milliarden, je nach Einschätzung auch auf bis zu 50 Milliarden Dollar gestiegen.

Der asiatische Markt lockt zwar wegen seiner grossen Wachstumsmöglichkeiten. Eine Bank braucht aber einen langen Atem, um ein Wealth-Management-Geschäft auf eine nachhaltige Erfolgsbasis aufzubauen.

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