Tidjane Thiam bricht mit dem Fetisch seiner Vorgänger

Tidjane Thiam

Tidjane Thiam

Es sei zwar eine «ungodly hour», also unchristlich früh, räumte Tidjane Thiam zu Beginn der Pressekonferenz am Mittwochmorgen um 7.30 Uhr in Zürich ein. Dennoch präsentierte der CEO der Credit Suisse (CS) hellwach und sichtlich relaxt die mit Spannung erwartete neue Strategie der Schweizer Grossbank.

Nur bei einem Thema verlor der gebürtige Afrikaner kurz die Beherrschung: Nämlich als eine Journalistenfrage darauf zielte, welche Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) denn die komplett «umgekrempelte» CS künftig ihren Eignern abliefern könne.

Reihum verfehlte Ziele

Er habe den verschiedenen Anspruchsgruppen Ziele zum Gewinn, zum Kosten-Ertrags-Verhältnis, zu den Cash-Beständen und vielem mehr geliefert, kam die sichtlich geharnischte Antwort des Grossbanken-CEO. Keinesfalls werde er sich aber zu einem Ziel der Eigenkapialrendite hinreissen lassen, murrte er.

Denn: Wo man auch hinschaue im Banking, seien solche Ziele von Managern wieder und wieder verfehlt worden. Was ganz einfach daran liege, sagte Thiam mit Nachdruck, dass diese Kennzahl von allzu vielen Unwägbarkeiten abhänge und sich damit kaum kontrollieren lasse.

Ein rotes Tuch

Für den ehemaligen McKinsey-Berater ist dieser Mangel an Vorhersehbarkeit offensichtlich ein rotes Tuch. «Ich wäre ein Narr, würde ich mich auf etwas festlegen, das ich nicht kontrollieren kann», enervierte sich Thiam weiter.

Seine harten Worte überraschen. Denn obwohl sie in ihrer Logik nachvollziehbar sind, bedeuten sie einen Bruch mit jener Kennzahl, die auch im Swiss Banking über Jahrzehnte hochgehalten wurde, ja gar zum Fetisch zahlreicher Bankmanager avancierte.

Absolution für Boni-Kultur

Denn ein hoher RoE rechtfertigte nicht nur das mit hohem Fremdkapital-Hebel «getunte» Geschäft, sondern diente ihnen auch als Treuebeweis an dem «Shareholder Value» und letztlich als Absolution für oftmals exorbitant hohe Löhne.

Bekannteste Schweizer Anhänger des «RoE-Fetischs» waren Ex-UBS-Präsident Marcel Ospel, der Werte über 20 Prozent anpeilte – und Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef «Joe» Ackermann, der solche Niveaus noch mitten in der Finanzkrise hochhielt.

Brady Dougans 15 Prozent

Auch die CS unter Ex-CEO Brady Dougan stellte die Eigenkapitalrendite noch lange ins Zentrum. Im Jahr 2012 sagte Dougan in einem Kommentar: «Wir sind überzeugt, dass wir unsere angestrebte Eigenkapitalrendite von 15 Prozent erreichen werden.»

Seither erodierte der Wert unaufhaltsam; die Bank wurde deswegen bald zur Zeilscheibe harscher Investoren-Kritik. Und der Druck wird nicht weniger: Gegenüber dem Vorquartal lag die den Aktionären zurechenbare Rendite nun im dritten Jahresviertel nochmal um 3 Prozentpunkte tiefer bei rund 7 Prozent.

Zwingender Abschied?

Das nährt den Verdacht, dass sich der CS-CEO von einer Kennzahl lossagt, mit der im Moment wirklich kein Staat zu machen ist. Anderseits erkennen auch Experten, dass die RoE-Werte im Banking nicht so schnell vom Fleck kommen werden.

Vielleicht wird Thiams Abschied vom einstigen Fetisch bald auch bei anderen Banken-Chefs Schule machen.

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