Credit Suisse: 1'000 Kundenberater mehr – aber woher denn?

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam will wachsen und das vor allem in Asien, wo er mehrere Hundert zusätzliche Kundenberater engagieren möchte. Das ist – gelinde gesagt – etwas sportlich.

In dem Schwall an Informationen, welche die Credit Suisse (CS) am vergangenen Mittwoch präsentierte (Video ab 39. Minute), ging diese Botschaft etwas unter. Tidjane Thiam erklärte auf die Frage einer Journalistin, er wolle im Bereich Private Banking und Wealth Management in den nächsten Jahren noch mindestens 1'000 Leute, namentlich Kundenberater (Relationship Manager, RM), engagieren.

Diese Aussage dürfte sich vor allem auf die Schweiz und den wichtigsten Wachstumsmarkt Asien beziehen. In diesen beiden Regionen will die Bank in den nächsten Jahren am stärksten zulegen, wie auch die am Mittwoch erwähnten Leistungsziele dokumentieren.

Eine einfache Rechnung

Dass man in Asien zulegen will, mag durchaus seine Berechtigung haben. Doch sollte man dabei die Realität nicht ausser Acht lassen. Tatsächlich hat denn auch Thiams Personal-Offensive einige Verwunderung in Singapur und Hongkong ausgelöst, wie finews.ch seit Mittwoch feststellen konnte.

Der Grund dafür ist simpel und beruht auf einer so genannten Milchmädchen-Rechnung. Und die geht so: Die Marktregion Asien-Pazifik zählt rund sieben Millionen Millionäre, die in irgendeiner Form Dienstleistungen in der Vermögensverwaltung, also im Wealth Management, benötigen oder dies in absehbarer Zeit tun werden.

Horrende Lohnforderungen

Diesem Geschäftspotenzial stehen derzeit insgesamt etwa 12'000 aktive Kundenberater in den diversen Finanzhäusern gegenüber. Geht man davon aus, dass ein so genannter Relationship Manager 35 bis 40 Kunden betreuen kann, dann bräuchte es in der Region 180'000 bis 200'000 fähige und ausgebildete Wealth Manager, die es derzeit jedoch nicht gibt.

Mit anderen Worten: Hier klafft eine riesige Personallücke, was seit Jahren eine regelrechte Jagd auf Kundenberater und deren Teams auslöst – mit dem Resultat, dass die guten Leute, die überhaupt wechselwillig sind, horrende Lohnforderungen stellen können, während schlechte RM ihr Geld gar nicht wert sind. Das hat allerdings zur Folge, dass die Löhne in der Branche laufend steigen.

Es kommt allerdings hinzu, dass die grossen Banken ihre Massnahmen rigoros verschärft haben, um bei einem allfälligen Verlust von Beratern die Kunden und deren Geld selber möglichst halten zu können.

Keine Tradition

Der Grund für den Mangel an talentierten Leuten liegt im Umstand, dass die Vermögensverwaltung für vermögende Personen (Private Banking) in Asien ein realtiv junges Gewerbe ist. Erst in den vergangenen zwanzig Jahren, vor allem nachdem Singapur beschlossen hatte, sich als internationaler Wealth-Management-Hub in Südostasien zu positionieren, gibt es solche Banker auch in der Region.

Zunächst waren dies vor allem Europäer, namentlich Schweizer. Erst seit einigen Jahren nimmt die Zahl der lokalen Kundenberater signifikant zu. Doch der Bedarf ist nach wie vor viel, viel höher.

Woher all die Leute nehmen?

Gerade vor diesem Hintergrund fragt man sich in Singapur und Hongkong, wie und wo CS-Chef Thiam all die Leute finden soll, die er auf seine Payroll setzen will. Immerhin führt die Bank seit Jahren weitreichende Ausbildungsprogramme durch und hat mit dem Wealth Institute in Singapur eine Art Brutstätte für gut ausgebildete Kundenberater von morgen.

Dem weiteren Vernehmen nach hat das Wealth Institute auch dazu verholfen, das die CS nunmehr eigenes junges Personal an den Job des Kundenberaters heranführen kann. So konnte die Ausbildungsstätte seit gut einem Jahr die Zahl der Kundenberater um mehr als 50 auf derzeit 510 erhöhen. In den drei Jahren von 2011 bis Ende 2014 waren es insgesamt 90 gewesen.

Zertifizierung erforderlich

Dass die Banken nicht jeden potenziellen Kundenberater gleich von der Strasse her engagieren können, dafür sorgt die Finanzaufsicht von Singapur, die Monetary Authority of Singapore (MAS). Nach dem Schock des Zusammenbruchs der Investmentbank Lehman Brothers in den USA 2008 führte sie ein striktes Zertifizierungsprogramm ein, dem sich alle Banker – und dies sogar periodisch – unterziehen müssen.

Dabei müssen sie Prüfungen ablegen, um den «Financial Industry Competency Standards» sowie im Wealth Management den «Client Advisor Competency Standards» zu genügen. Dies trennt endgültig die Spreu vom Weizen.

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