Jeder fünfte Parlamentarier steht hinter den Inlandbanken

Die Lobby der Inlandbanken in Bundesbern gewinnt immer mehr an Gewicht. Die nächsten finanzpolitischen Debatten sind programmiert.

Seit Anfang Oktober ist das Schweizer Bundesparlament neu bestellt. Doch es gibt Bastionen der Macht, die den Wechsel überdauern: Die Kantonal- und Raiffeisenbanken etwa können sich ihres Einflusses in den Eidgenössischen Räten auch nach den Wahlen gewiss sein.

Mehr noch: Ihr Gewicht nimmt sogar noch zu. Wie der Verband Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB) Recherchen von finews.ch bestätigte, ist die Parlamentarische Gruppe Inlandbanken (PGI) mittlerweile auf rund 50 Mitglieder angewachsen. Das bedeutet, dass jeder fünfte Bundesparlamentarier Sympathien für die Sache der vorab in der Schweiz tätigen Banken hegt.

Gegenpol zu UBS und Credit Suisse

«Die Gruppe hat über alle Parteien und Fraktionen eine gute Resonanz und erlaubt uns, eine sehr breite Gruppe an Parlamentarierinnen und Parlamentarier zu erreichen», heisst es dazu beim VSKB.

Die Inlandbanken-Lobby wurde Anfang 2014 unter Federführung des VSKB und der Raiffeisen-Gruppe ins Leben gerufen. Von Anfang an verstand sie sich als Gegenpol zu den übermächtigen Interessen der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse in der Bundespolitik, wie PGI-Co-Präsident und CVP-Ständerat Pirmin Bischof damals gegenüber den Medien präzisierte.

Klare Kampfansage

In der Branche wurde der politische Sololauf der Inlandbanken zudem als klare Kampfansage an die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) gedeutet. Diese versteht sich traditionell als Stimme der Banken in Bundesbern.

Das nochmals grössere Gewicht der Inlandbanken verheisst eine weitere Polarisierung in der Finanzpolitik. Das gilt insbesondere für das legislative Grossprojekt der so genannten «Kleeblattreform». Nebst dem bestehenden Finanzmarktaufsichtsgesetz (Finmag) umfasst diese drei weitere Gesetze: Das Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg), das im Parlament bereits behandelte Finanzmarktinfrastrukturgesetz (Finfrag) sowie das Finanzinstitutsgesetz (Finig).

Die Grossbanken sowie die SBVg unterstützen die Reformen mit einzelnen Einschränkungen, weil der Schweizer Finanzplatz auf diese Weise mit ausländischen Normen vergleichbare Regeln erhält. Die so geschaffene «Äquivalenz» erlaubt der hiesigen Finanzbranche einen besseren Zugang zu ausländischen Märkten erlauben, so die Hoffnung.

Heisser Frühling

Bei den Regionalbanken, die sich mehrheitlich auf den Inlandmarkt konzentrieren, stossen die umfangreichen Regelwerke zumeist auf Ablehnung. Sie fürchten um ihre Existenz. «Die vorwiegend international getriebene Regulierung trifft die Inlandbanken umso heftiger, je kleiner sie sind und je stärker sie auf ihre lokalen und regionalen Kernmärkte in der Schweiz konzentriert sind», wird in diesem Lager argumentiert.

Bereits Anfang nächstes Jahr werden die Inlandbanken deshalb ihr nochmals grösseres Gewicht in Bundesbern in die Waagschale werfen. Dann nämlich berät das Parlament sowohl zum Finig wie zum Fidleg. «Die Regulierungsprojekte dürften im kommenden Frühjahr sicherlich ein Thema werden», verspricht der VSKB.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
mehr

SELECTION

Selection

So ruinieren Sie Ihre Karriere

Schon ein zu fester Händedruck könnte Ihrer Karriere abträglich sein.

Selection

Wie Sie eine Kündigung richtig verarbeiten

Wie Sie eine Kündigung richtig verarbeiten

So reagiert man perfekt, wenn man plötzlich den blauen Brief kriegt.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

weitere News