Krisen-Lektion mit der mächtigsten Hedgefonds-Managerin

Als einzelne Frau in einer 3'000-Milliarden-Dollar-Industrie mit mehr als 10'000 konkurrierenden Firmen herauszustechen, ist nicht leicht. Noch mehr, wenn die Branche bisweilen als Bastion des Machotums gilt. Der 48-jährige Leda Braga (Bild), hat es geschafft: 2013 und nun ein zweites Mal in diesem Jahr wurde sie vom «Hedge Fund Journal» als eine der «mächtigsten Hedge-Managerinnen» der Welt gefeiert.

Die Superlative kommen bei Braga nicht von ungefähr. Blendende Ausbildung, blendende Karriere und blendendes Aussehen – all das fällt bei der aus Brasilien stammenden Finanzfrau zusammen. Aussergewöhnlich auch: Als Heimat hat sich die Star-Investorin ausgerechnet die in Sachen Asset Management als eher unterentwickelt geltende Schweiz ausgesucht.

Schroders mit im Boot

Letzten Januar gründete sie hier gar ihre eigene Firma Systematica Investments. Vom Hauptquartier in Genf aus und mit 100 Angestellten in New Jersey, Genf, New York, London und Singapur führt Braga ‹Bluetrend›: Ein Trendfolge-Hedgefonds, der auf Algorithmen-gestützten Quant-Strategien basiert und mittlerweile 8,7 Milliarden Dollar an Kundengeldern verwaltet.

Um Aufmerksamkeit muss sich Braga, die im Jahr 2001 von Hedge-Milliardär Michael Platt in die Rhonestadt geschickt wurde, auch hierzulande nicht beklagen. So bemühte sich das in der Schweiz prominent aufgestellte britische Fondshaus Schroders um eine Partnerschaft mit Systematica – und stellte kürzlich an einer «Roadshow» ein erstes gemeinsames Produkt vor.

Bloss kein Starrummel

Am Anlass, beim dem auch finews.ch zugegen war, machte die hochgewachsene Blondine ihrem Ruf alle Ehre: Nämlich, dass ihr jeder Starrummel peinlich ist. Engagiert diskutierte sie mit dem Finanz-Publikum in Zürich, ging auf jede Frage geduldig ein, und stellte ihr eigenes Licht wiederholt unter den Scheffel.

Ihr Team, scherzte Braga etwa, wisse meist viel besser Bescheid als sie. «Die kennen sich mit Technologien aus, die ich mir nicht einmal im Traum vorstellen könnte.» Chefin bei Systematica sei sie nur deshalb, «weil die anderen mich lassen».

«Alle gerieten in Panik»

Dennoch: Es ist Braga, die in der Branche als Genie gilt. Diesen Ruf erlangte sie 2008, als das Finanzsystem weltweit in die Krise stürzte und Anlagen sämtliche Klassen mit sich sich in die Tiefe riss. Nicht so der Bluetrend-Fonds der Brasilianerin: Dieser erzielte im Krisenjahr eine Performance von 43 Prozent.

Vor dem Publikum in Zürich erklärte Braga nun erstmals, wie sie und ihr Team den «guten Lauf» von damals zuwege brachten.

«Der Nachrichtenfluss explodierte. Alle um uns herum schienen in Panik zu geraten», so die Finanzexpertin. Das bewirkte, dass einige Teammitglieder das Risiko im Investment-Prozess reduzieren wollten. Braga stellte die Kollegen zur Rede. «Ich fragte nach Fakten, welche unseren Anlage-Hypothesen widersprechen würden,» sagte Braga. «Dann prüften wir Fakten und Datenmaterial  – und fanden kaum etwas.»

Ferien abgesagt

Das einzige, was bei Bluetrend dann geändert wurde, war die Ferienplanung. «Ich bat mein Team, den Urlaub für 2008 zu verschieben, damit wir alle auf Deck sein konnten», so Braga. «Es war eine stressige Zeit», gab die Finanzexpertin im Nachhinein zu.

Doch Bragas Team gewann – und lernte die Lektion für künftige Krisen. «Wir wussten nun, dass wir besser so selten wie möglich an unseren Algorithmen schrauben.» Daran hält Systematica auch heute noch fest. In einem ganzen Jahr würden höchstens vier grössere Änderungen am System vorgenommen, erklärt die Hedgefonds-Chefin. Leicht falle die Zurückhaltung gegenüber der «Maschine» nicht, gibt Braga selber zu. Mittlerweile würden auch Studien zeigen, dass Menschen den Entscheid eines Computers immer noch selber abändern wollten.

Lohnende Abstinenz

Die Abstinenz von solchen Übergriffen lohnt sich indes für Bluetrend. Die Jahresperformance liegt im Schnitt bei über 11 Prozent; im schwierigen 2015 fuhr der Hedgefonds bisher knapp 6 Prozent Rendite ein. Alle Entscheide müssten bei Systematica deshalb mit Daten und Prozessen abgestützt werden, erklärte Braga weiter.

Sie selber ist überzeugt, dass das für die Branche der Weg in die Zukunft ist. «Die meisten Investment-Manager werden in zehn Jahren so funktionieren.»

Wie ein Fintech-Startup

Entsprechend ist Systematica eher wie ein Fintech-Startup als ein herkömmlicher Asset Manager aufgestellt. Der Technologie-Bereich wird intern als eigene Sparte geführt, die Hierarchien sind flach. Jungen Mitarbeitern werde schnell Verantwortung zugebilligt, sagte Braga, die in der amerikanischen Grossbank J.P. Morgan ihre Karriere startete.

Diese Arbeitsweise vertrage sich besonders gut mit dem Umfeld in der Schweiz, wo rund 50 Mitarbeitende tätig sind, sagte die Finanz-Unternehmerin. «Die Lebens- und Arbeitssituation hierzulande wird sehr geschätzt», sagt die Brasilianerin.

Nicht wenige im Publikum verstanden dies indes als Fingerzeig: Sollte es den Top-Hedgefonds-Managern in der Schweiz einmal nicht mehr gefallen, sind sie ganz schnell weg.

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Gottex

Der Hedgefondsanbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Das Unternehmen begründet die Verschiebung mit einem Verzug in den Verhandlungen um eine zweite Finanzierungstranche nach den Rekapitalisierungs-Massnahmen vom Sommer.

UBS

Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt. Die Zahlung erfolgte, weil die UBS ihre Broker nicht standesgemäss ausgebildet habe.

Avaloq

Der Bankensoftwareentwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

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Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

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Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

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Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

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Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

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