Tidjane Thiams Einflüsterer

Als die Credit Suisse unlängst ihr Revirement an der Firmenspitze präsentierte, fehlte ein wichtiger Name: John Murray. Der Brite figuriert zwar nicht in der Konzernleitung, doch sein Einfluss auf die Bank respektive auf CEO Tidjane Thiam ist enorm.

Das zeigte sich unlängst auch am abrupten Abgang der Kommunikationschefin Clarissa Haller. Noch Mitte Oktober hatte sie gegenüber dem «Tages-Anzeiger» erklärt: «John Murray und ich harmonieren gut, er in London, ich von Zürich aus. Wir arbeiten gerne zusammen.»

Das ist inzwischen Makulatur. Denn bereits Ende dieses Monats wird Haller die Credit Suisse verlassen, wie am vergangenen Wochenende publik wurde und sie dieser Tage in einem persönlichen Mail an Geschäftspartner zusätzlich kommunizierte. Genaue Gründe zu ihrem Abgang machte sie nicht. Sie dürften indessen auch mit Murray zu tun haben.

Bezugsperson und Sprecher

John MurrayZwar war Haller seit dem 21. Oktober 2015 formell dem Schweizer Peter Görke unterstellt, der die Bereiche Human Resources, Communications und Branding verantwortet, doch dürfte sie sich auch gegenüber Murray (Bild links) nicht durchgesetzt haben. Denn seit Thiams Amtsantritt trat der Brite verschiedentlich als Sprecher und Bezugsperson gegenüber den Medien in Erscheinung, so auch gegenüber finews.ch. Dies unterstreicht vollends die Bedeutung von John Murray, der bereits beim britischen Versicherungsunternehmen Prudential (als PR-Mann) für Thiam gearbeitet hatte, wie auch schon verschiedentlich kolportiert worden ist. Bei der Credit Suisse arbeitet er nun als Senior Advisor im Dienste des CEO.

Fürstliches Salär

Weniger bekannt ist hingegen, dass sich Murray für seine (Öffentlichkeits-)Arbeit bei der «Pru», wie das Unternehmen in England im Volksmund heisst, vergleichsweise fürstlich bezahlen liess. Wie in diesem Frühjahr in London publik wurde, erhielt Murray im Rahmen von leistungsabhängigen Vergütungsprogrammen (bis 2018 gesperrte) Prudential-Aktien im Gesamtwert von rund 3 Millionen britische Pfund (umgerechnet rund 4,5 Millionen Franken). Ausserdem soll er 2014 ein Salär von einer Million Pfund erhalten haben, wie in mehreren Medien nachzulesen war.

Selbst in der Londoner City ist ein solches Lohnpaket (für einen PR-Verantwortlichen) eher generös und sorgte entsprechend für einiges Aufsehen. Allerdings verblasst dieses im Vergleich zu den 11,8 Millionen Pfund (17,7 Millionen Franken), die der damalige «Pru»-CEO Thiam für seine Leistung 2014 erhielt, wie aus dem entsprechenden Vergütungsbericht hervorgeht. Wie viel Thiam nun bei der CS verdient, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen, wenn die Bank ihren Geschäftsbericht publiziert.

Vom Journalisten zum Krisenkommunikator

Mit John Murray weiss Credit-Suisse-CEO Thiam zweifelsohne einen loyalen und durchsetzungsfähigen Mann an seiner Seite. Denn der Brite zählt in London seit langem zu den einflussreichsten Strippenziehern oder zumindest Ideengeber (Spin Doctor). Von Haus aus Journalist arbeitete Murray zunächst für diverse Zeitungen («Independent», «Daily/Sunday Express» und «Scottish Daily Express»), bevor er im Jahr 2000 ins Telekommunikationswesen (Telewest) und 2003 in die PR-Branche (Powerscourt) wechselte.

Den Übergang in die Finanzbranche vollzog er 2006, als er bei der Financial Services Authority, der früheren britischen Finanzaufsichtsbehörde, anheuerte und unter den Chefs John Tiner und später Hector Sants arbeitete. In dieser einflussreichen Rolle – und dies während der tiefsten Finanzkrise – konnte er weitreichende Kontakte in der Branche etablieren, bevor er Ende 2010 schliesslich zu Prudential wechselte.

Spezialist der Neupositionierung

Dort legte er an der Seite von Thiam sein Gesellenstück ab, indem er das Unternehmen nach der misslungenen Übernahme des asiatischen Versicherers American International Assurance (AIA) in der öffentlichen Wahrnehmung neu positionierte.

Insofern ist Murray nun an seiner neuen Wirkungsstätte durchaus am richtigen Ort, denn auch die Credit Suisse verdient nach dem Schlingerkurs der vergangenen Jahre eine Art Neupositionierung. Dass der Brite dabei nicht unwesentlich die Fäden im Hintergrund zieht, offenbart sich immer deutlicher. Und dass die offizielle Präsentation der neuen Strategie der Credit Suisse am 21. Oktober 2015 nicht in Zürich, sondern in London stattfand, ist möglicherweise auch ein Indiz dafür.

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Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

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Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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