Schlechtes Timing der Nationalbank

Die Schweizerische Nationalbank gehört zu den wenigen Notenbanken, die ihre Devisenreserven in Aktien anlegen. Das birgt Risiken – und ist in einem Fall erneut schief gegangen. Die Reihe fragwürdiger Investments wird damit länger.

Valeant Pharmaceuticals, ein kanadischer Pharmakonzern, ist in den letzten Wochen in den Strudel eines Betrugsskandals geraten. Die Firma soll ihre Umsätze aufgebläht haben – ähnlich dem untergegangenen US-Energiekonzern Enron. Der Aktienkurs halbierte sich seit Ende September – und das kostet die Schweizerische Nationalbank (SNB) Millionen.

Denn die SNB gemäss diese Woche veröffentlichten SEC-Dokumenten 1,44 Millionen Valeant-Aktien. Noch schlimmer: Sie erhöhte ihren Valeant-Anteil im dritten Quartal nochmals deutlich. Per 30. September war das Paket 257 Millionen Dollar wert. Doch innert Monatsfrist sackte der Wert t auf rund 125 Millionen Dollar ab.

«Nur» ein Buchverlust

Verantwortlich für das schlechte Timing der SNB ist eigentlich niemand. Die Notenbank betreibt keine aktive Titel-Selektion für ihre Aktieninvestments, die sie aus Diversifikationsgründen betreibt.

Auf der SNB-Website heisst es, die Aktien würden «passiv und regelgebunden auf der Basis einer strategischen Benchmark bewirtschaftet, die aus einer Kombination von Aktienindizes in verschiedenen Märkten und Währungen besteht.»

Steigende Aktienquote

Den Verlust, der «nur» ein Buchverlust ist, kann die SNB verkraften. Die Valeant-Aktienposition ist eine von 2'569, welche die Notenbank alleine in den USA hält. Insgesamt hat die SNB 39 Milliarden Dollar in US-Aktien investiert.

An die 100 Milliarden Franken sind gesamthaft in Dividenden-Papieren angelegt. Die Aktienquote der SNB schwankt um die 15 Prozent. In laufenden Jahr erreichte sie bis zu 18 Prozent.

Milliarden an Dividenden

Das zahlt sich auch aus. Gemäss ihrem letzten Zwischenbericht nahm die Notenbank in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf ihren gesamthaft rund 6'000 Aktien rund 1,7 Milliarden Franken an Dividenden ein.

Über die Anlageperformance auf dem Aktienportfolio ist nichts bekannt. Weil die SNB ihre Anlagepolitik langfristig betreibt, das heisst über mehrere Konjunkturzyklen, sind Buchverluste auf einzelnen Titeln oder über ein oder zwei Quartale hinweg auch nicht besonders relevant.

Beim Markteinbruch voll investiert

Allerdings öffnen die passiven Aktienanlagen der SNB, abgesehen von der Benchmarkauswahl ein automatisierter Prozess, Angriffsflächen. Das Engagement in US-Aktien hat die SNB im Laufe dieses Jahres deutlich heraufgefahren. Zum Markteinbruch im Spätsommer war sie «voll investiert».

Und kaufte weiter zu, wie das missglückte Valeant-Engagement zeigt. Angriffsfläche bietet dieser automatisierte Anlageprozess auch, weil die SNB scheinbar gegen ihre eigenen Richtlinien investiert.

Ausschlusskriterien, aber nicht strikte

2013 hatten die Schweizer Währungshüter entschieden, nicht mehr in Unternehmen zu investieren, welche international geächtete Waffen herstellen wie Personenminen oder Streubomben.

Die SEC-Dokumente zeigen allerdings mit Regelmässigkeit, dass die Nationalbank weiterhin in Rüstungskonzerne investiert ist.
So auch im dritten Quartal: Per Ende September hielt die SNB 549'574 Aktien von Lockheed Martin. Der US-Konzern stellt auch Personenminen und Streumunition her.

Die Lockheed-Position der SNB war zum Stichtag rund 114 Millionen Dollar wert. Im Vergleich zum zweiten Quartal hat die SNB damit nochmals rund 50'000 Lockheed-Aktien dazu gekauft. Von diesen Aktien will sich die SNB offenbar nicht trennen. Sie sagt, ihre Ausschlusskriterien seien Ermessensfrage und liessen Interpretationsspielraum.

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Der Hedgefondsanbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Das Unternehmen begründet die Verschiebung mit einem Verzug in den Verhandlungen um eine zweite Finanzierungstranche nach den Rekapitalisierungs-Massnahmen vom Sommer.

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Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt. Die Zahlung erfolgte, weil die UBS ihre Broker nicht standesgemäss ausgebildet habe.

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Der Bankensoftwareentwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

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DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

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