Banque Heritage will Kundengelder der Bank Hottinger übernehmen

Banque Heritage

In der Causa um den Niedergang der Zürcher Bank Hottinger kommt es zu einer überraschenden Wendung.

Wie aus gut unterrichteten Zürcher Finanzkreisen am Dienstagabend zu vernehmen war, will die Genfer Banque Heritage einen Grossteil der verbliebenen Kundengelder der bankrotten Privatbank Hottinger übernehmen. Ein Sprecher der Banque Heritage wollte auf Anfrage von finews.ch diese Information weder bestätigen noch dementieren.

Gemäss weiteren Angaben geht es bei diesem so genannten Asset-Deal um rund 1,2 Milliarden Franken, zudem soll die Banque Heritage eine kleine Anzahl Kundenberater von Hottinger übernehmen, damit die Transaktion möglichst reibungslos verläuft. Ein Kadermann von Heritage erklärte gegenüber finews.ch, diese Information sei in der Branche bereits durchgesickert.

Die von einem anderen Finanzportal am Mittwoch kolportierte Geschichte über den Niedergang der Bank Hottinger ist mehr als zweieinhalb Jahre alt und war seinerzeit von diversen Medien, unter anderem auch von finews.ch aufgegriffen worden. Das Ausmass der Veruntreuung (100 Millionen Franken) ist längstens bekannt. 

Sorge um eine Überschuldung

Die 1786 gegründete Bank Hottinger befindet sich seit dem 26. Oktober 2015 in Liquidation. Damals hatte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) den Konkurs über das Institut verhängt. Wegen stetiger Verluste sowie ungelöster Rechtsfälle (namentlich im Steuerstreit mit den USA) hatte das Institut das bankengesetzlich erforderliche Mindestkapital unterschritten.

Zuvor war eine Sanierung intensiv geprüft worden, doch liess sich eine geplante Rekapitalisierung nicht realisieren, weil ein geeigneter Investor nicht bereit stand. Auf Grund der Liquidationskosten kam die Besorgnis einer Überschuldung auf. Diese führte zur Eröffnung des Konkurses.

Rund 1'500 Kunden

Dabei ernannte die Finma für die Durchführung des Verfahrens Brigitte Umbach-Spahn und Karl Wüthrich (Wenger Plattner Zürich) als Konkursliquidatoren. Wüthrich, wollte betreffend Hottinger und Heritage gegenüber finews.ch keine Angaben machen, sondern verwies an die Finma – ein Sprecher der Behörde erklärte auf Anfrage, er könne «das» nicht kommentieren.

Die Bank Hottinger war eine auf Vermögensverwaltung (Private Banking) spezialisierte Bankengruppe mit Hauptsitz in Zürich und einer gemäss eigenen Angaben bedeutenden Filiale in Genf gewesen. Die Bank wies eine Bilanzsumme von ungefähr 145 Millionen Franken auf, verfügte über rund 1'500 Kunden und etwa 50 Angestellte.

Schon bei Standard Chartered aktiv gewesen

Mit der geplanten Übernahme der Kundengelder von Hottinger schaltet sich die 1986 ursprünglich als Family Office in Lausanne gegründete Genfer Banque Heritage ein weiteres Mal in den Konsolidierungsprozess ein, der im Swiss Private Banking am Laufen ist. Im vergangenen Februar hatte das Institut bereits einen Teil der Kundengelder der britischen Bank Standard Chartered (Schweiz) übernommen, die sich ebenfalls in Konkurs befand, wie auch finews.ch gemeldet hatte. 

Das britische Institut hatte zuletzt rund 2 Milliarden Franken verwaltet und 74 Leute beschäftigt. Wie hoch die erworbenen Depots gewesen waren, hatte die Banque Heritage damals nicht mitgeteilt, ebenso wenig, wie viel dafür bezahlen würde.

Katalanisch-schweizerische Familie

Das zumeist diskret agierende Geldhaus befindet sich mehrheitlich im Besitz der katalanisch-schweizerischen Familie Esteve. Gemäss den zuletzt verfügbaren Angaben verwaltet es Depots in der Höhe von mehr als 6 Milliarden Franken. Neben dem Sitz in Genf und den Geschäftsstellen in Zürich und Lugano ist die Bank mit Filialen in Guernsey und Montevideo (Uruguay) vertreten. An letzterem Standort hatte Heritage schon 2012 die Geschäfte der britischen Lloyds Banking Group übernommen.

Der Erwerb von Private-Banking-Vermögenswerten anderer Institutionen ist Teil der Entwicklungsstragie, wie ein Sprecher sagte. So könne das Geldhaus seine Position in ausgewählten Regionen stärken. Als Zielmärkte von Heritage gelten einige Schwellenländer sowie Länder in Europa und dem Nahen Osten.

 

 

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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