Sergio Ermotti vs. Analysten – wer gewinnt?

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti

Fragen zur Kursentwicklung von Aktien, müsste eigentlich jeder CEO eines börsenkotierten Unternehmens mit «no comment» kontern. Das machen denn auch die meisten Chefs – ausser einer: UBS-CEO Sergio Ermotti.

In einem Interview mit dem Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz» (Artikel bezahlpflichtig) übt sich der ehemalige Investmentbanker im Analysten-Jargon.

So sei die Prämie auf den Buchwert im Vergleich zu den grossen Wettbewerbern zwar signifikant. Dennoch sähe er noch Wachstumspotenzial, so Ermotti, und ergänzt: «Ich teile die Meinung einiger Analysten, die das Potenzial der Aktie bei bis zu 26 Franken sehen.»

Kurspotenzial von 37 Prozent

Die UBS-Aktie notiert derzeit bei gut 19 Franken. Ermotti sieht somit eine 37-prozentige Kurssteigerung in den kommenden zwölf Monaten als gerechtfertigt an.

Dass sich ein Konzernchef eine höhere Bewertung seines Unternehmens wünscht, liegt quasi in der Natur der Sache, weil so auch die Mitarbeiteraktien an Wert gewinnen. Laut dem letztjährigen Vergütungsbericht hält Ermotti insgesamt 768'524 Aktien.

Wieviel weiss Ermotti?

Dennoch ist es aussergewöhnlich, dass sich ein Konzernchef zur Aktienkurs-Entwicklung äussert, was wiederum die Frage aufkommen lässt: Weiss der 55-Jährige Tessiner mehr als der Markt?

Mit Sicherheit weiss Ermotti mehr als alle anderen Marktbeobachter, er ist ja ein «Insider». Gerade deshalb ist es heikel, sich zum Aktienkurs der «eigenen» Firma zu äussern.

Allerdings: Mit 26 Franken greift Ermotti ziemlich hoch. Denn laut dem Aktienführer der «Finanz und Wirtschaft» (kostenpflichtig) nennen nur zwei Analysten dieses Kursziel. Und davon stammt eine Schätzung von Mitte Juli 2015.

Vorsichtige Analysten

Das Gros der anderen Analysten, das im November eine Kursschätzung abgab, sah den fairen Wert des UBS-Titels zwischen 15.60 bis 24 Franken liegen – der Durchschnitt ergibt 21.70 Franken.

Das ist zwar immer noch höher als der aktuelle Kursstand, aber ein gutes Stück entfernt von der 37-prozentigen Kurssteigerung, die sich Ermotti wünscht.

Bleibt abzuwarten, wer recht bekommt: Ermotti oder die Analysten?

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