Warum amerikanische Grossbanken einfach besser sind

US-Banken

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Ob Credit Suisse, Deutsche Bank, Barclays oder Standard Chartered, alle diese grossen, einstmals stolzen Geldhäuser befinden sich derzeit im Totalumbau. Eine Garantie, ob es mit dieser Fitnesskur auch gut geht, gibt es nicht. Fest steht indessen, dass der europäische Bankensektor aus einer Phase der Schwäche operiert.

Ganz offensichtlich haben viele Institute die Folgen der Finanzkrise noch immer nicht überwunden. Darum wird eifrig restrukturiert. Das mag unter manchen Anlegern zwar eine gewisse Kurs-Fantasie wecken. Doch von einer prosperierenden Branche kann nicht die Rede sein.

Anders die grossen amerikanischen Geldhäuser. Sie strotzen nur so vor Kraft. Sie haben die Finanzkrise längst aufgearbeitet und befinden sich auf Offensiv-Kurs. Wie ist das nur möglich? Hier sind zehn Erklärungen dafür.

1. Unerschütterliche und zupackende Chefs

Ein Blick auf die Chief Executive Officers (CEO) der grössten amerikanischen Banken zeigt: Wir haben es da mit höchst erfahrenen und krisengestählten Managern zu tun. Es sind Persönlichkeiten: Jamie Dimon, James Gorman, Lloyd Blankfein oder John Stumpf. Diese Leute verstehen ganz einfach ihr Business und zwar in guten wie in schlechten Zeiten. In Europa hat man eher den Eindruck, dass jene Führungsleute, die auf der Erfolgswelle reiten, nicht im Stande sind, eine Bank auch in schwierigen Zeiten zu lenken. US-Chefs scheinen tatsächlich mehr Erfahrung zu haben – und Weitsicht.

2. Ein proaktives Management in der Finanzkrise

Die US-Banken haben sich deutlich schneller von der Finanzkrise erholt als ihre europäischen Konkurrenten. Ein Grund dafür war TARP. Dank dem «Troubled Asset Relief Program» konnten sich US-Banken auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von ihren im Immobilien-Boom angehäuften Schrottpapieren befreien. Gleichzeitig waren sie gezwungen, Staatshilfe zu akzeptieren.

Während beispielsweise die Commerzbank in Deutschland oder die Royal Bank of Scotland noch immer den Staat als Aktionär haben, seit dieser 2009 mit Milliarden von Euro zu Hilfe eilen musste, hat bei den den US-Häusern der Freikauf schon längst stattgefunden. Die Euro-Krise hat das europäische Bankensystem weit zurückgeworfen. Oder anders ausgedrückt: Das Krisenmanagement ist in der EU von zu vielen Partikularinteressen beeinflusst.

3. Schnellere und konsequentere Regulatoren

Es ist nicht so, dass die US-Institute auf Grund einer milderen Regulierungspolitik ihre Macht ausbauen konnten. Im Gegenteil: Die Wall Street wird – trotz gehörigem Lobby-Kapital in Washington – keineswegs mit Samthandschuhen angefasst. Präsident Barack Obama unterzeichnete den Dodd-Frank-Act vor fünf Jahren und paukte ihn durch trotz heftigem Widerstand.

Das Regelwerk zwang die Banken, dickere Kapitalpolster aufzubauen, stabilere Refinanzierungsmethoden und bessere Risikokontrollen einzuführen. Jährlich müssen die Banken zum Stresstest antreten. Im dritten Quartal 2015 erhöhte die amerikanische Notenbank (Federal Reserve, Fed) ihre Kapitalanforderungen für die grossen Banken nochmals. Nur J.P. Morgan erfüllt die ab 2019 geltenden Regeln noch nicht.

4. New York ist (wieder) der Nabel der Welt

Lange Zeit war New York die unangefochtene Finanzmetropole der Welt. Dann kam die Finanzkrise, und an der Wall Street musste man unten durch. Davon profitierte London und schwang sich in den vergangenen Jahren an die Spitze der globalen Finanzzentren. Allerdings gelang es der Themsestadt nicht, diese Position zu verteidigen.

Politische (Brexit, EU-Krise) wie auch regulatorische Gründe nagen an der Strahlkraft und am Wachstum Londons. Darum ist es New York inzwischen auch wieder gelungen, als Finanzmetropole auf Platz eins zu rücken. Klar, dass die von dort aus operierenden Geldhäuser einen enormen Vorteil haben. Alle Welt richtet sich nach der Wall Street.

5. Das Investmentbanking ist die Speerspitze

Wall Street, das bedeutet vor allem einmal Investmentbanking. Während in Europa viele Institute diese Paradedisziplin aus regulatorischen Gründen abbauen und sie darüber hinaus auch noch einen miesen Ruf geniesst, ist in den USA das Gegenteil der Fall: Grosse Institute wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder J.P. Morgan setzen unvermindert auf dieses Geschäft und hängen so die europäische Konkurrenz ab.

Selbst zwischen London, Frankfurt und Moskau sind es heutzutage die amerikanischen Häuser, die das Investmentbanking dominieren. Oder anders gesagt: Mittlerweile ist kein europäisches Institut mehr in der Lage, in dieser Disziplin zu brillieren respektive den grossen amerikanischen Häusern das Wasser zu reichen.

6. Auf den Lohn kommt es trotzdem an

Saläre sind ein weiteres Thema, bei dem sich Europa sehr schwer tut: Viel Geld zu verdienen, ist auf dem Alten Kontinent per se schlecht geworden. Das hat vor allem mit der miesen Performance mancher Bankchefs zu tun, die während und nach der Krise kläglich versagten und trotzdem exorbitante Gehälter nach Hause trugen. Kein Wunder, dass in Europa hohe Löhne unter Generalverdacht stehen.

Nicht so in den USA, wo die Grossbankenchefs nach wie vor stolze Saläre in zweistelliger Millionenhöhe kassieren. Natürlich kann man darüber geteilter Meinung sein. Tatsache ist, dass diese Top-Manager erfolgreich sind und mit ihren Gehältern auch ein Zeichen setzen, dass herausragende Leute gut bezahlt werden. Das lockt die besten Talente an, und europäische Häuser haben so das Nachsehen.

7. Was zählt, ist Grösse

Ein Vergleich der international tätigen US- und europäischen Häuser zeigt klar, dass da enorme Grössenunterschiede bestehen – sowohl gemessen an der Zahl der Mitarbeiter, an der Bilanzsumme wie auch an der Börsenkapitalisierung. Gerade in einem Umfeld verschärfter Gesetze und Regulierungen und dem besonders schädlichen «One-Size-Fits-All-Anspruch», wie das in Europa der Fall ist, entpuppt sich Grösse als der matchentscheidende Vorteil, den die US-Häuser nun voll ausnützen. Konkret: Sie sind eher in der Lage mit die vielen neuen Bestimmungen und die daraus resultierenden Kosten zu schlucken.

8. Ein starker Binnenmarkt

Die US-Banken sind im grössten Finanzmarkt der Welt tätig, und erst noch in ihrem Heimmarkt. Das war insbesondere in den vergangenen Jahren ein Wettbewerbsvorteil, weil die amerikanische Wirtschaft nach der Finanzkrise schneller aus der Rezession zu neuer Stärke kam als in Europa. Eine prosperierende Wirtschaft ist die beste Direkthilfe für Banken. Europa hingegen kämpft sich nach wie vor mühselig durch die Krise. Dabei hinken auch die Grossbanken bezüglich Restrukturierung und strategischer Adjustierung der US-Konkurrenz hinterher.

9. Ein flexibler Arbeitsmarkt

Die amerikanische «Hire and fire»-Personalpolitik ist zwar brutal und kompromisslos, aber sie verleiht den Unternehmen mehr Flexibilität und Geschwindigkeit, sich den jeweiligen Marktgegebenheiten anzupassen. Die Wall Street strich in den Jahren 2009 bis 2011 mehr als 400'000 Stellen –nicht zuletzt, weil Regulierungsauflagen gewisse Geschäftszweige unattraktiv machten.

In Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Italien sind die Arbeitsgesetze dermassen zugunsten der Arbeitnehmer ausgelegt, dass personelle Anpassungen in Banken nur sehr schwer und teuer durchführbar sind. Das lähmt die unternehmerische Agilität und die Wandelfähigkeit, die in Krisenzeiten notwendig sind.

10. Fintech ist amerikanisch

Last but not least haben US-Häuser einen weiteren Vorteil: Fintech. Wenn diese Disziplin das Banking von morgen revolutionieren soll, dann sitzen die amerikanischen Banken an der Quelle dieser Prophezeiung. Fintech, das ist vor allem einmal Silicon Valley – und dann vielleicht London, Berlin und Zürich.

Und noch etwas: Viele Fintech-Errungenschaften sind in den USA bereits in Betrieb, während in Europa nach immer ein eher euphorisierter Pioniergeist dominiert. Mit anderen Worten: Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in einigen Jahren die US-Häuser sind, welche die vielen Fintech-Applikationen in Europa unter ihren Fittichen haben respektive der Klientel anbieten.

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