Wo die neuen «Big Swinging Dicks» arbeiten

Bild: Shutterstock

Im Wall-Street-Kultbuch «Liar’s Poker» des US-Autors Michael Lewis sind sie die Könige: die Anleihen-Trader der Investmentbank Salomon Brothers rund um den Chefhändler Lewis Ranieri, die sich selber obszön «Big Swinging Dicks» nennen und mindestens so obszön viel Geld für das Unternehmen (und sich selber) verdienen.

Nur ein kümmerliches Schattendasein fristen in Lewis’ Buch hingegen die Aktienhändler; der Autor selber dachte sich zahlreiche Tricks aus, um als Praktikant bei Salomon Brothers bloss nicht dieser «Verlierer-Sparte» zugeteilt zu werden.

Verlierer von einst sind die Stars von heute

Seit dem Erscheinen von «Liar’s Poker» 1989 hat sich das Investmentbanking jedoch grundlegend verändert. Ranieri, der als Erster Hypothekarkredite im grossen Stil handelte, gilt inzwischen als Archetyp jener skrupellosen «Bankster», die das Finanzsystem 2008 in die Krise stürzten.

Auch die Grossbanken, die früher mit Millionen-Salären um Ranieri & Co. buhlten, haben sämtliche Illusionen bezüglich der Regenmacher von einst verloren. Beinahe durchs Band bauen sie das kapitalintensive und volatile Geschäft mit Zins- und Anleihenpapieren zurück – nicht zuletzt die Schweizer Häuser UBS und Credit Suisse (CS).

Als Stars gelten heute ausgerechnet die Verlierer von einst: Heute würde ein Bank-Praktikant wie Lewis wohl viel darum geben, am Aktien-Handelsdesk aufgenommen zu werden.

Wo Macht und Geld sind

Das jedenfalls legt ein Bericht der Agentur «Bloomberg» zu den Umwälzungen in der Investmentbank-Branche nahe. Demnach kommandieren Aktienhändler bei diversen Investmentbanken neuerdings die gesamten Trading-Aktivitäten.

Bestes Beispiel: Die CS etwa ernannte im vergangenen Oktober Timothy O’Hara (Bild unten), den bisherigen Leiter Equities Trading, zum Chef der neu geschaffenen Investmentbank-Division Global Marktes, wie auch finews.ch berichtete.

ohara 500

Oder anders ausgedrückt: Die Underdogs von einst haben neu nicht nur das Sagen, sondern auch das Top-Salär.

Laut «Bloomberg» zeigt der Lohn-Trend im Aktienhandel seit drei Jahren steil nach oben – während sich die Banker auf der Zinsseite mit tendenziell abnehmenden Gehältern begnügen müssen. Dieses Jahr sollen die Equity-Trader gemäss der Lohnanalyse-Firma Options Group im Schnitt 7 Prozent mehr verdienen, die Bond-Händler 4 Prozent weniger.

Illiquid und krud

Der Boni-Segen folgt dabei der Performance: Im dritten Quartal 2015 nahmen die meisten Grossbanken mit dem Aktienhandel deutlich mehr ein als im Geschäft mit Zinspapieren – mit der prominenter Ausnahme der Schweizer UBS, wie eine Aufstellung von «Bloomberg» zeigt (siehe Grafik unten).

Trader Grafik

Marktbeobachter glauben, dass der Aufstieg der Aktien-Trader innerhalb des weltweiten Investmentbanking erst begonnen hat. Für die Risiko-Deckung von Dividendenpapieren müssen die Banken nämlich weniger teures Eigenkapital aufwerfen. Zudem ist der Aktienhandel schon lange technisiert, was ebenfalls Einsparungen für die Banken mit sich bringt.

Entsprechend gewinnt das Rennen um Marktanteile weiter an Bedeutung. Eine Momentaufnahme der Analysten der US-Bank Morgan Stanley zeigt indes, dass die UBS und die CS zumindest per Mitte 2015 Terrain eingebüsst haben (siehe Grafik ganz unten).

Trader Grafik 500

Zinspapiere werden derweil weiterhin meist abseits der Börsen «over the counter» umgeschlagen. Entsprechend wenig liquid ist der Handel – und wird es noch mehr mit dem Entscheid etwa der CS, den Primär-Handel mit Anleihen in ganz Kontinentaleuropa auszusetzen.

Unterstützung von ganz oben

Obwohl das Anleihen-Universum das weltweite Aktien-Volumen bei weitem übertrifft und die Margen im Handel mit Zinspapieren ebenfalls höher sind, kann das Equity-Trading bei den Banken mit Unterstüzung von ganz oben rechnen.

So sagte CS-Chef Tidjane Thiam kürzlich in einem TV-Format von «Bloomberg», dass er besonders im Aktien-Handel grosse Chancen sehe. Denn das sei eine Dienstleistung, welche die von der Grossbank anvisierten asiatischen Kunden ganz hoch schätzten.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Wie Goldman Sachs 1,2 Milliarden Dollar aus Libyen versenkte
  • Blackrock-Mitgründerin: «Asset Manager sind keine Banken»
  • Nullzins-Politik: Und sie funktioniert doch – sagt Mario Draghi
  • Europas Zukunft steht auf dem Spiel
  • Bankchef muss auf 41 Millionen Dollar verzichten
  • Wohnen wie Leonardo DiCaprio
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

Warum ein CFA mehr bringt als ein MBA

Warum ein CFA mehr bringt als ein MBA

Ehrgeizige Banker haben die Qual der Wahl bei der Weiterbildung.

Selection

«Trag nie Hermes-Krawatten. Niemals.»

So umkurvt man Fettnäpfchen

Eine Tipp-Liste für Jungbanker.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Gottex

Der Hedgefondsanbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Das Unternehmen begründet die Verschiebung mit einem Verzug in den Verhandlungen um eine zweite Finanzierungstranche nach den Rekapitalisierungs-Massnahmen vom Sommer.

UBS

Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt. Die Zahlung erfolgte, weil die UBS ihre Broker nicht standesgemäss ausgebildet habe.

Avaloq

Der Bankensoftwareentwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank will den britischen Versicherer Abbey Life an die Phoenix Life, eine Gesellschaft der Phoenix Group, verkaufen. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Phoenix Life 100 Prozent von Abbey Life zum Preis von 935 Millionen Pfund erwirbt. Abbey Life ist derzeit Teil der Deutschen Asset Management.

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

weitere News