Retailbanking: Wo die Abkassierer arbeiten

Banker@shutterstock.com

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Die Chefetage der Zürcher Kantonalbank verdient mehr als noch vor einem Jahr und sichert sich damit den Spitzenplatz im Lohn-Ranking der Schweizer Retail-Banken. Dies und andere interessante Fakten fördert eine neue Studie über Retailbanken zu Tage.

Im bodenständigen Schweizer Firmen- und Kleinkundengeschäft, in der Branche auch Retailbanking genannt, scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. So sind die diese Häuser im Gegensatz zur UBS und Credit Suisse in der Regel nicht in Finanzskandale verwickelt und sie zahlen auch keine exorbitanten Boni. Dennoch gibt es doch einige Gutverdiener unter den Chefs der Retailbanken. 

Wer es beispielsweise bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) auf die Teppichetage schafft, zählt zu dieser privilegierten Gruppe. Denn das 8-köpfige Männergremium mit Martin Scholl an der Spitze bezog 2014 im Schnitt 1'342'000 Franken pro Kopf (siehe Grafik).

CEO Lohne Retail 500

Dies geht aus der diesjährigen Retail-Banking-Studie (kostenpflichtig) des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern hervor.

Im Vergleich zur ZKB: Die neun Mitglieder der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz bezogen im vergangenen Jahr etwas weniger als ihre Berufskollegen in Zürich, nämlich 1,338 Millionen Franken pro Kope im Durchschnitt. Und das sind erst noch rund 150'000 Franken weniger als im Vorjahr. Demgegenüber stiegen die Cheflöhne bei der ZKB im vergangenen Jahr um 66'000 Franken pro Kopf.

Kantonalbanken an der Lohnspitze

Auffällig in dem Ranking ist auch: Über alle Bankentypen gesehen zahlen die Kantonalbanken ihren Chefs die besten Löhne. Abgesehen von der Raiffeisen befinden sich auf den ersten 13 Plätzen ausschliesslich Staatsbanken. Erst auf dem 14. Rang folgt mit der Bank Linth LLB das erste private Institut, gefolgt von der Valiant-Gruppe.

Zwei weitere Merkmale zeichnen die bestzahlenden Retailbanken aus: Grenznähe und Private-Banking-Geschäft. Sowohl die ZKB, als auch die Banque Cantonale Vaudoise (BCV) und die Genfer Kantonalbank (BCGE) grenzen ans Ausland und verfügen auch über eine Private-Banking-Abteilung. Sie bezahlen ihren Chefs im Schnitt zwischen 1,1 und 1,4 Millionen Franken. 

Je grösser die Bank, desto besser die Löhne

Auch der Thurgauer Kantonalbank (TKB) dürfte die Nähe zu Deutschland bei der Kundenakquise helfen. Die Luzerner Kantonalbank (LUKB) hingegen ist zwar nicht in einem Grenzkanton tätig, dafür verfügt die LUKB über ein funktionierendes Private-Banking. Hier verdient die Chefetage je rund 930'000 Franken pro Kopf.

Allgemein gilt: Je grösser eine Retailbank, desto höher sind auch die Löhne, wie aus der Studie hervorgeht. Im Durchschnitt betrug der Personalaufwand für ein Geschäftsleitungsmitglied 2014 bei der ZKB gut 1,3 Millionen Franken und damit rund 7,4 Mal mehr als beispielsweise für ein Geschäftsleitungsmitglied der Alternativen Bank Schweiz mit durchschnittlich 181'000 Franken. 

Postfinance weicht ab

Wie immer gibt es auch Finanzinstitute, die von der Regel der Grösse abweichen, so zum Beispiel die Postfinance. Sie zahlte 2014 ihren acht Geschäftsleitungsmitgliedern im Schnitt je 380'000 Franken. Das ist vergleichsweise wenig, wenn man bedenkt, dass dieses Unternehmen im vergangenen Juni von der Schweizerischen Nationalbank als systemrelevant eingestuft wurde und eine Bilanzsumme von immerhin gut 120 Milliarden Franken ausweist. 

Verwaltungsräte sind «gescheiter»

Die Studie untersuchte auch den Bildungsgrad der Geschäftsleitungsmitglieder und verglich ihn mit demjenigen der Verwaltungsräte. Das Resultat: Die Bankchefs weisen formell betrachtet einen tieferen Bildungsgrad aus als ihre Verwaltungsräte. So verfügen 46 Prozent der Geschäftsleitungsmitglieder über einen Hochschulabschluss, gegenüber 68 Prozent bei den Verwaltungsratsmitgliedern. 

Die Studienautoren erklären diese Differenz, dass es im Verwaltungsrat andere Kompetenzen wie juristisches oder strategisches Know-how braucht. Viele Verwaltungsräte sind im Gegensatz zu den CEOs auch keine Banker, sondern stammen eher aus anderen Branchen.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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