BSI: Ein «Perfect Fit» für Julius Bär?

Schuhe, Bild, Shutterstock

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1. Ein noch tieferer Fussabdruck in Asien

Julius Bär hat schon vor ein paar Jahren die asiatische Region zum zweiten Heimmarkt auserkoren – und würde nun mit der BSI Bank in der Region einen guten Zug machen. Denn die Tessiner sind bereits in Hongkong und Singapur mit rund 320 Beschäftigten präsent, und wie Asien-Chef Hanspeter Brunner unlängst im Interview mit finews.ch erklärte, hält er es für durchaus realistisch, die Kundengelder von derzeit 15 Milliarden Franken in den nächsten paar Jahren zu verdoppeln.

Das käme Julius Bär durchaus gelegen. Denn ein noch tieferer Fussabdruck in Asien würde es auch erlauben, auf breiterer Front nach China zu expandieren. Und das steht ja ebenfalls auf der Wunschliste der «Bären».

2. Ein starkes Standbein in Italien und in der Schweiz

Italien ist der drittgrösste Private-Banking-Markt in der Eurozone, das weiss man auch bei Julius Bär. So hat die Zürcher Privatbank kürzlich ihre Beteiligung am italienischen Vermögensverwalter Kairos von zuvor knapp 20 auf 80 Prozent erhöht. Die traditionell zum südlichen Nachbarland hin ausgerichtete BSI wiederum verfügt mit 18 Milliarden Franken an betreuten Kundenvermögen über eine starke Kundenbasis im Belpaese und ist in Milano mit einem eigenen Standort vertreten. Daher würde ein Zukauf der BSI zur Wachstumsstrategie der Julius Bär passen.

Ein Zukauf der BSI würde auch das Schweiz-Geschäft der Julius Bär unter der Leitung von Barend Fruithof stärken. Der starke Franken und der relativ hohe Personalbestand der BSI in der Schweiz stellen hingegen eine Hürde dar. Mit Abbaumassnahmen und Verlagerungen nach Italien liesse sich dieses Hindernis allerdings überspringen.

3. Der grosse Reinemachen ist schon erledigt

Interessant ist die BSI für andere Privatbanken nicht zuletzt, weil sich das Institut im Zuge der BTG-Übernahme bereits einem gründlichen «Hausputz» unterziehen musste. So einigten sich die BSI als erste grössere Schweizer Bank mit den USA im Programm zur Beilegung des Steuerstreits – und zogen damit einen Strich unter das belastendes Kapitel. Ebenfalls hat das Institut bereits im Jahr 2013 ein einschneidendes Sparprogramm lanciert: Bis Ende 2015 sollen bei der Privatbank rund 160 Arbeitsplätze wegfallen.

4. Wenig Boden für Ego-Games

Fusionen und Übernahmen sind auch deswegen immer heikel, weil es dabei «menschelt». Tatsächlich sind manche Deals in der Vergangenheit gescheitert, will sich die Egos der Chefs nicht finden konnten. Ein Paradebeispiel dafür ist wie sich Sarasin-CEO Joachim Strähle mit Händen und Füssen gegen eine Übernahme «seiner» Bank durch Julius Bär wehrte. Der Umstand, dass bei Julius Bär bereits relativ viele ehemalige Kaderleute von der Credit Suisse auf der Payroll stehen, könnte in gewissen Fällen einer Fusion oder Übernahme eher abträglich sein.

Nicht so bei der Tessiner BSI: Dort arbeiten Leute, die aus verschiedensten Banken rekrutiert wurden und teilweise eine sehr grosse Loyalität bewiesen haben. Insofern würde dieser Mix gut zur Julius Bär passen, die sich trotz aller Ambitionen gerne auf ihre mittlerweile 125-jährigen Schweizer Traditionen beruft.

5. Zum Zukauf verdammt

Zumal der Zeitpunkt günstig scheint: Mit der kürzlich abgeschlossenen Integration des internationalen Private Banking der amerikanischen Bank of America/Merrill Lynch haben die Zürcher nun «die Hände frei» für eine weitere Übernahme. Wohl ist bei einem Ziel von der Grösse einer BSI einzuwenden, dass die «Bären» nochmals für zwei Jahre absorbieren und erhebliche Integrationskosten verursachen würde. Hingegen scheint es so, dass das Zürcher Traditionshaus in der jetzigen Lage geradezu zu Akquisitionen «verdammt» ist.

Wie das Ergebnis der Privatbank im dritten Quartal 2015 zeigte, schmälerten sowohl der starke Franken wie auch Selbstdeklarationen in Frankreich und Italien die Vermögensbasis; der Zufluss aus den Schwellenländern verlangsamte sich. Als Folge davon bewegte sich der annualisierte Netto-Neugeldzufluss in den ersten zehn Monaten 2015 sichtbar unterhalb des unteren Endes der mittelfristig von der Bank angestrebten 4 bis 6 Prozent.

Verfehlt Julius Bär ihre eigenen Ziele, wir das der Aktienkurs über kurz oder lang spüren – und der Druck der Eigner steigen, die «Kriegskasse» von geschätzt über 600 Millionen Franken zu mobilisieren.

6. Die Verkäuferin steht unter Druck

Das schwindende Vertrauen der Investoren bringt die BSI-Muttergesellschaft BTG Pactual in Liquiditätsnöte. Somit steigt der Druck, Vermögensteile zu versilbern – wenn nötig, auch unter Wert. Dies spielt in die Hände der Julius Bär, falls sie denn an BSI interessiert wäre.

Auf Anfrage von finews.ch äusserte sich das Institut nicht zu solchen Spekulationen. Für die Zürcher Private Banke spräche in diesem Zusammenhang aber auch, dass die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) wohl lieber einen schweizerischen Partner für die BSI sähe als einen ausländischen.

7. Ein Bieterkampf zeichnet sich ab

Treffen die Gerüchte zu, dann sind nämlich auch starke ausländische Bieter im Rennen. So soll sich neben chinesischen Playern die italienische Grossbank Intesa Sanpaolo für die BSI interessieren. Die zweitgrösste Bank Italiens sieht bekanntermassen einiges Potenzial in der Schweiz. Vor diesem Hintergrund will der Konzern seine Präsenz im Tessin signifikant ausbauen und nach Möglichkeit auch noch ein Finanzinstitut übernehmen.

Das sind keine leeren Ankündigungen: Als eines der bestkapitalisierten italienischen Häuser hat Intesa Sanpaolo die Mittel dazu. Entsprechend würde der Druck auf Julius Bär steigen, rasch Nägel mit Köpfen zu machen.

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