Valora: Der nächste Streich von bob Finance

Valora-Geldautomat: Kredite ohne Bankenpartner

Valora-Geldautomat: Kredite ohne Bankenpartner

Letzten Juni berichtete finews.ch exklusiv über die Fintech-Strategie der Schweizer Kiosk-Betreiberin Valora. Bereits Wochen später lancierte das Retail-Unternehmen über ihre Finanz-Tochter bob Finance und in Zusammenarbeit mit der Glarner Kantonalbank (GLKB) den ersten Konsumkredit auf digitaler Basis.

Inzwischen ist es Advent geworden, und bob Finance lanciert den nächsten Streich: Ein Kleinkredit mit dreimonatiger Laufzeit, der fast gänzlich digital abgewickelt wird. Das teilte die Fintech-Schmiede am Dienstag mit. Besonders interessant ist dabei, wie Valora dem Problem begegnet, dass sich Schweizer Kunden auch bei digitalen Finanzgeschäften immer noch persönlich am Bankschalter indentifizieren müssen.

Ebenfalls aufmerken lässt der Umstand, dass diesmal die GLKB als Banken-Partner nicht mit im Boot sind.

Rückzahlung innert drei Monaten

Doch der Reihe nach. Ab heute Dienstag führt Valora mit ok.- cash einen zeitlich begrenzten Kleinkredit im Angebot, der über die Fintech-Tochter bob Finance abgewickelt wird. Die Kredite bewegen sich zwischen 1'000 und 3'000 Franken, die monatlichen Gebühren betragen 10 Franken je 1'000 Franken Kredit. Innert drei Monaten muss der Kredit zurückgezahlt werden, wie bob-Finance-Chef Hilmar Scheel (Bild unten) gegenüber finews.ch erläutert.

Der Kurzlauf-Kleinkredit wird dabei als «Top-Up» auf die bestehenden Prepaid-Karten geladen, die Valora schon länger vertreibt (Bild oben). Beide Produkte laufen unter der Marke «ok.-», die man vor allem mit Energy Drinks aus dem Valora-Sortiment und damit einem jugendlichem Publikum assoziert.

Scheel 500

Nur an über 25-Jährige

Damit könnte rasch der Eindruck entstehen, Valora wolle die Jugend zum Schuldenmachen verleiten – noch dazu in der Vorweihnachtszeit. Ein Vorwurf, dem bob-Finance-Chef Scheel vehement entgegen tritt: «Um der Verschuldung junger Erwachsener vorbeugend entgegenzuwirken, wird ok.- cash erst ab einem Alter von 25 Jahren angeboten», verspricht er.

Laut Scheel stammt der Grossteil der Prepaid-Karten-Kunden sowieso nicht aus diesem Alterssegment – sondern ist zwischen 25 und 45 Jahre alt.

Schulden und Schoggi

Um diese Kundschaft vermehrt an die schweizweit rund 1'000 Valora-Verkaufsstellen zu locken, wird der neue Kleinkredit massiv beworben. «Ziel des Programms ist nicht zuletzt, die Frequenz am Kiosk zu erhöhen», gibt Scheel zu. Wer also am Kiosk einen Kleinkredit aufnimmt, kauft gleich noch ein Schoggistängeli, hofft wohl Valora.

Interessant ist, dass die Verkaufsstellen noch aus einem anderen Grund im Zentrum des neuen Produkts stehen. Über sie läuft nämlich die Indentifikation der Kunden – und hier beschritt bob Finance in Zusammenarbeit mit dem Technologie-Partner Additiv einen neuen Weg.

Passkontrolle am Kiosk

Bislang krankten viele Fintech-Intiativen in der Schweiz an der Tatsache, dass Kunden für die Aufnahme einer Bankbeziehung immer noch persönlich am Bankschalter antraben müssen. Bob Finance nutzt nun digitale Mittel und das dichte Filialen-Netz von Valora, um dieses Hindernis wenigstens teilweise zu überwinden.

So können die Kunden ihren Antrag um einen ok.- cash-Kredit online abwickeln. Sie müssen dazu in einem ersten Schritt ein Bild ihres Ausweises an bob Finance übermitteln. Gibt letztere dem Antrag nach einer automatisierten Prüfung statt, erhalten die Kunden einen QR-Code zugestellt. Den weisen sie wiederum an einem Kiosk oder einer Press & Books-Verkaufsstelle zusammen mit dem Ausweis vor.

Mit dem Segen der Finma

Die Mitarbeitenden dort tippen die letzten vier Stellen der Ausweis-Nummer ins Kassensystem ein. Stimmen diese mit dem Ausweis des Antragstellers überein, kann die Prepaid-Karte mit dem entsprechenden Guthaben geladen werden.

Hellhörig macht dabei der Umstand, dass Valora in der Sache auf die Kulanz der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) zählen konnte. «Wir beschritten diesen Weg in enger Zusammenarbeit mit der Finma», bestätigt Scheel. Der Aufsicht unter ihrem Direktor Mark Branson ist es mit dem Versprechen offensichtlich ernst, der aufstrebenden Fintech-Szene Steine aus dem Weg zu räumen.

Valora auf eigene Faust

Ebenfalls aufmerken lässt hierzu, dass Valora ihr jüngstes Angebot ohne Banken-Partner GLKB stemmt. «Valora lanciert ok.- cash auf eigene Rechnung ohne Refinanzierungspartner», sagt Scheel. Auch das ist nur mit dem Placet der Finma möglich.

Valora ist zuversichtlich, das Risiko tragen zu können. Das bisherige Kreditvolumen mit bob-Finance-Krediten bewegt sich gemäss Scheel im zweistelligen Millionenbereich. «Bisher», sagt der Fintech-Spezialist, «hatten wir keine Ausfälle zu beklagen.»

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Elon Musk verliert seinen grössten Fan
  • Schlaflos in der City
  • Perfektionismus ist Gift
  • Bye bye Passwort
  • Russischer Hacker-Angriff auf die Clintons
  • Commerzbank: Sollen doch andere das Geld verleihen
  • Wie Schweizer Banker vom James-Bond-Image loskommen wollen
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

Selection

So werden Sie ein guter Chef

Ausgezeichnete Fachkenntnisse reichen nicht. Diese sieben Punkte sind genauso wichtig.

Selection

Selection

Auf diese zehn Leute sollten Sie 2016 achten

Das sind die Vertreter des Schweizer Finanzplatzes, die in diesem Jahr für Furore sorgen werden.

Selection

NEWS GANZ KURZ

SIX

Die Netzwerkprobleme der SIX sind nun vollständig behoben. Die Ursachen seien identifiziert. Die Systeme würden seit Mittwoch wieder stabil und ohne weitere Unterbrüche laufen. Die SIX hatte während über zwei Tagen mit grossen Netzwerkstörungen gekämpft, insbesondere der Zahlungsverkehr war betroffen gewesen.

Fondsmarkt

Das Vermögen der in der Statistik von Swiss Fund Data und Morningstar erfassten Anlagefonds erreichte im Mai 2016 rund 894 Milliarden Franken. Dies entspricht im Vergleich zum Vormonat einer Zunahme von knapp 20 Milliarden Franken oder 2,2 Prozent. Die Nettomittel-Zzuflüsse betrugen rund 340 Millionen Franken.

Postfinance

Die Postbank beteiligt sich am Kölner Fintech-Startup Moneymeets. Dieses betreibt eine Online-Plattform in den Bereichen Multibanking, Personal Finance Management und Versicherungen. Angestrebt ist ein Wissenstransfer, der Postfinance den Vorstoss in neue Geschäftsfelder ermöglichen soll.

Credit Suisse

Die Credit Suisse hat zum dritten Mal ihre Studie zum Finanzplatz Schweiz veröffentlich. Darin legt die Bank die Entwicklungen der letzten zwei Jahre dar, vergleicht die Positionierung internationaler Finanzplätze und geht auf Trends ein. Ausserdem sind in der Studie Faktoren für den zukünftigen Erfolg des Finanzplatzes definiert und es werden Handlungsempfehlungen sowohl für Marktteilnehmer als auch für Politik und Regulatoren gegeben.

Thurgauer Kantonalbank

Das Wahlprozedere für den Bankrat der Thurgauer Kantonalbank ist bestätigt worden. Der Thurgauer Grosse Rat hat eine parlamentarische Initiative von drei SVP-Kantonsräten abgelehnt: Darin wurde verlangt, dass künftig das Parlament neue Mitglieder für den Bankrat vorschlagen kann - und nicht mehr die Regierung.

Banken-Rating

Die Ratingagentur Fitch hat das Langfristrating für die UBS auf «A+» von bisher «A» erhöht. Die Erhöhung der Langfristratings für UBS AG und UBS Schweiz reflektiere die Kapitalposition der Gruppe. Die Gruppe sei damit in der Lage, die vorrangigen Verpflichtungen auch im Liquidationsfall zu decken. Das Langfristrating für die Credit Suisse bleibt bei «A».

weitere News