Swiss Banking: Darum gehen die Wachstums-Initiativen schief

Rose@shutterstock.com

Rose@shutterstock.com

Julius Bär will es, Lombard Odier und Notenstein wollen es, die UBS und Credit Suisse sowieso: Wachsen im Schweizer Private Banking. Zig Institute kämpfen um denselben Knochen. Kann das gut gehen?

Die Privatbank Julius Bär ist bislang die letzte, die dieser Tage für den Schweizer Heimmarkt explizit Wachstumspläne kommuniziert hat, wie auch finews.ch berichtete.

Doch schon zu Wochenbeginn hatte Lukas Gähwiler, Chef der UBS Schweiz, von einer Ausweitung der Schweizer Kundenbasis um 50 Prozent gesprochen.

Auch Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hat die Wachstumsoffensive in der Schweiz ganz oben in seinem Strategieplan angesiedelt. Und bei der Notenstein Privatbank ist das Wachstum im Heimmarkt ein Muss. Die Genfer Lombard Odier hat den Standort Zürich personell ausgebaut und prüft Expansions-Chancen in Bern und Basel.

Die Liste liesse sich ohne Weiteres verlängern – ganz offensichtlich haben die Schweizer Wealth Manager den hiesigen Markt neu entdeckt. Die Manager schwärmen vom Wachstumspotenzial und den sich bietenden Opportunitäten, Marktanteile zu gewinnen.

Die Schweiz – das neue Liebkind 

Die Gründe für die neue Liebe liegen aber woanders. Erstens: Die grossen Privatbanken haben den Schweizer Markt in den Jahren des boomenden Offshore-Bankings schlicht vernachlässigt und Marktanteile verloren. Zweitens: Sie verfügen nach dem Ausbleiben der Offshore-Kundschaft, vor allem aus Deutschland, über Strukturen, die sie entweder auslasten oder eindampfen müssen.

Drittens: Wachstumsinitiativen gehören zum strategischen Einmaleins – sind aber im Ausland teuer und riskant. In der Schweiz sind Risiko und Aufwand wegen bereits vorhandener Infrastruktur deutlich überschaubarer. Viertens: Der Schweizer Private-Banking-Markt konsolidiert. Kundenvermögen lassen sich einkaufen.

Doch die Rechnung kann nicht aufgehen

Doch die Banken kämpfen um einen Kuchen, der zu klein ist, um alle satt zu machen. Darum wird die Mehrheit der Banken mit ihren Plänen in der Schweiz auf keinen grünen Zweig kommen. Sieben Gründe, weshalb dem so ist: 

1. Die Wiese ist abgegrast

Der Schweizer Private-Banking-Markt wächst jährlich etwa 2,5 Prozent. Das ist deutlich weniger als andere Regionen auf der Welt. Wollen die Geldhäuser hierzulande tatsächlich zulegen, müssen sie den direkten Konkurrenten Marktanteile abnehmen oder diese gleich übernehmen.

Das ist nicht einfach, wie das Beispiel von Notenstein zeigt. Ihr gelangen zwar in den letzten Jahren zwei Übernahmen, aber organisch konnte sie ihre Vermögen kaum steigern.

2. Ein Einheitsbrei

Kämpfen mehrere Konkurrenten um ein und denselben Markt, liegt die Chance in der Differenzierung des Angebots und der Preise. Im Schweizer Private Banking ist davon nichts zu sehen. Die Geldhäuser haben ihre Beratungsmodelle auf Kundensegmente und nach Service-Angeboten abgestuft und verlangen dafür fixe Gebühren.

Auf Produktebene brüsten sich zwar alle mit «Open Architecture»-Plattformen. Das heisst, dem Kunden werden nicht nur hauseigene Produkte ins Portfolio gelegt. Das bedeutet aber auch, dass im Prinzip alle dieselben Produkte im Angebot haben.

3. Regulierung wird zum engen Korsett

Die Bedienung von Private-Banking-Kunden mit Finanzprodukten dürfte künftig mit deutlich grösserem Aufwand verbunden sein. Dafür sorgt allein schon das neue Finanzdienstleistungs-Gesetz (Fidleg), das Anfang 2018 in der Schweiz zur vollen Anwendung gelangen soll.

Die Verbraucherschutz-Richtlinie schreibt umfangreiche Dokumentations- und Sorgfaltspflichten vor – und dürfte damit sowohl den Spielraum wie auch die Margen der hiesigen Privatbanken weiter einschränken. Die Bearbeitung des Schweizer Marktes wird dadurch bestimmt nicht einfacher.

4. Eintritt in die Performance-freie Zone

Die Maximierung der Rendite auf Kundenvermögen war noch nie die Stärke der Schweizer Vermögensverwalter. Zu lange war die Klientel schon zufrieden, wenn sie von der Steuer-Arbitrage profitieren konnte. Im Weissgeld-Zeitalter kann davon natürlich nicht mehr die Rede sein.

Doch Performance zu erzielen, erweist sich heute als doppelt schwer. Im Negativzins-Umfeld ist mit vielen Franken-Investments kein Staat mehr zu machen – und wer in Alternative Anlagen oder hochverzinsliche Produkte ausweicht, nimmt markant mehr Risiken in Kauf. Entsprechend schwierig ist es, Kunden über den Faktor Performance von der Konkurrenz wegzulocken.

5. Zustrom ausländischer Kundschaft schwillt ab

Die vom Volk beschlossene Beschränkung der Zuwanderung auf deutlich unter 80'000 pro Jahr – die Wunschvorstellung der Schweizerischen Volkspartei (SVP) liegt bei 21'000 pro Jahr – wird sich negativ auf den Schweizer-Private-Banking-Markt auswirken.

Denn viele Zuwanderer – insbesondere aus Deutschland – arbeiten in Kaderpositionen. Sie beziehen in der Regel überdurchschnittlich hohe Einkommen und verfügen oftmals über stattliche Vermögen. Und das ist genau jene Klientel, auf die es die Privatbanken mitunter abgesehen haben.

6. Viele Fischer, wenig Ertrag

Von der Grossbank über die Kantonalbank bis zu den Privatbanken und Online-Vermögensverwalter – alle haben sie die Schweiz zum Fokusmarkt erklärt. Marktanteile lassen sich aber nur über eine Top-Performance oder über Abstriche bei den Margen gewinnen. Die Folgen sind bereits spürbar: So verdienen nur wenige Banken ihre Eigenkapitalkosten und schaffen effektiven finanziellen Wert.

Dies zwingt die Banken, ihre kritische Masse zu steigern. Gerade mittelgrosse Schweizer Privatbanken ohne Mutterhaus oder einem loyalen Mehrheitsaktionär im Rücken sind diesbezüglich besonders gefordert – ansonsten holt sie die Konsolidierung ein. 

7. Loyale Klientel

Die meisten Schweizer Kunden bleiben ihrer Hausbank treu und haben nicht selten dieselbe Bank von der Wiege bis zur Bahre. Auch deutlich günstigere Anbieter wie Online-Vermögensverwalter bekunden hierzulande Mühe, signifikante Summen an Neugeldern anzuziehen. Das macht es für die gesamte Private-Banking-Branche schwierig, Marktanteile zu gewinnen. 

Zudem haben die Banken ihre Retention-Programme in den letzten Jahren deutlich verschärft. Selbst die besten Berater können heutzutage nur einen Bruchteil ihrer Depots zum neuen Arbeitgeber verschieben. 

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Warum Warren Buffett Gold hasst

Der Ausnahme-Investor liest den Goldanlegern die Leviten.

Selection

Wie Sie eine Kündigung richtig verarbeiten

Wie Sie eine Kündigung richtig verarbeiten

So reagiert man perfekt, wenn man plötzlich den blauen Brief kriegt.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

weitere News