Vontobel: Wie weiter ohne den Patriarchen?

Hans Vontobel, Ehrenpräsident der Bank Vontobel

Hans Vontobel, Ehrenpräsident der Bank Vontobel

Mit dem Tod des für die Bank bestimmenden Ehrenpräsidenten Hans Vontobel stellen sich Fragen zuhauf.  finews.ch beantwortet die sechs drängendsten.

1. Wer hat künftig das letzte Wort?

Bis ins höchste Alter hatte Hans Vontobel dem Management «seiner» Bank allwöchentlich einen Besuch abgestattet. «Sie müssen am Ende entscheiden», pflegte der am 3. Januar in seinem 100. Lebensjahr verstorbene Doyen allerdings zu sagen, wenn er sich den Rapport seiner Top-Banker angehört hatte.

Dabei war sonnenklar: Wenn am Ende entschieden wurde, dann hatte Vontobels Wort enormes Gewicht. Dies nicht nur, weil der seit 1991 als Ehrenpräsident amtende Bankier die Eigner-Familien repräsentierte. Sondern auch Kraft der Tatsache, dass er über Jahrzehnte Wissen und Gewissen der Zürcher Traditionsbank war.

Vontobel-Präsident Herbert J. Scheidt hielt am Montag fest, dass «sein Werk und seine Werte» weitergeführt würden. Und im Umfeld der Bank heisst es, Hans Vontobel habe dafür gesorgt, dass sich seine Art der Geschäftsführung bei den Mitarbeitenden tief einprägt.

Trotzdem: Mit seinem Ableben verstummt das «letzte Wort» bei der Bank Vontobel.


2. Wer folgt in den Fussstapfen des Doyens?

«Mit Maja Baumann und Björn Wettergren (Bild unten, von links) übernimmt die nächste Generation unserer Familien Verantwortung in dem Unternehmen», liess sich Hans Vontobel noch letzten Dezember vernehmen. Damit zog – im Nachhinein gerade noch rechtzeitig – die vierte Generation der Eigner-Familien Vontobel und de la Cour in den Verwaltungsrat des Instituts ein.

Sowohl Baumann wie Wettergren waren im Laufe ihre Karriere bereits für die Bank Vontobel tätig. Im Swiss Banking sind ihre Namen jedoch bis dato unbekannt, und sie stehen mit Präsident Scheidt und CEO Zeno Staub zwei Top-Bankern gegenüber, die ihr Profil über Jahr im Rampenlicht schärfen konnten.

Bankintern heisst es, die Kompetenzen zwischen Eignerfamilie, Verwaltungsrat und Management seien seit Jahren klar abgezirkelt. Auch die Ernennung von Baumann und Wettergren sei frühzeitig vorbereitet worden.

BaumannMaja WettergrenBjoern Presse kopie


3. Welche Überraschungen birgt der Nachlass?

Was das Testament von Hans Vontobel für die Bank bereithält, ist unklar. Nach Vernichtung der Aktien-Anteils von Raiffeisen an der Bank hielt der Doyen selber noch 20,7 Prozent der Aktien des Unternehmens.

Wie es im Umfeld der Bank heisst, dürfte die Regelung des Nachlasses einige Zeit in Anspruch nehmen. Denkbar ist, dass die Titel der Vontobel-Stiftung zufliessen, die dann zu einer richtiggehenden Bastion in der Eigner-Struktur der Unternehmung würde.

4. Wird 2017 zum Schicksalsjahr?

Derzeit halten die Eigner-Familien über diverse Vehikel einen Stimmrechts-Anteil von 62 Prozent an der Bank. Dieser Pool ist zudem über einen Aktionärbindungs-Vertrag in sich geschlossen; Aktienverkäufe aus dem Pool sind nur mit dem Plazet der Mitglieder möglich. Am 31. Dezember 2017 bietet sich jedoch für die Pool-Mitglieder die Möglichkeit, den Vertrag zu kündigen.

Dazu gibt es bis jetzt keine Anzeichen, und der Austritt Einzelner würde die Machtbasis des Pools kaum schwächen. Die Eigner-Familien sind sich jedoch der dahingehenden Befürchtungen offenbar wohl bewusst: Am Montag bekannten sie sich in einem Brief an die Mitarbeitenden klar zum Unternehmen.

5. Wie gross sind die internen Fliehkräfte?

Mit einem dominanten Asset Management, einem relativ kleinen Private Banking sowie einer Investmentbank, die vorab Strukturierte Produkte verkauft, nimmt sich die Bank Vontobel nach aussen hin als buntscheckiger Haufen aus. Entsprechend drängt sich die Frage auf, ob all die verschiedenen Kräfte die Gruppe ohne ihren Patriarchen auseinander reissen.

Die Bank selber versteht sich indessen als aktive Vermögensverwalterin – und ordnet die verschiedenen Sparten diesem Zweck unter. Allerdings muss sich weisen, ob sie dieses Profil weiter zu schärfen vermag.


6. Überlebt Vontobel die Konsolidierungs-Welle?

Mit der Übernahme der Privatbank Finter im letzten September und der britischen TwentyFour Asset Management im vergangenen März profilierte sich Vontobel als Konsolidator.

Gleichzeitig stellt sich die Frage umso drängender, ob die mittelgrosse Bank mit gut 140 Milliarden Franken an betreuten Kundenvermögen nicht bald selber zum Übernahme-Ziel wird. Versuche dazu gab es in der Vergangenheit nicht wenige. So soll Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz im Jahr 2011 versucht haben, die Bank Vontobel mit der Bank Sarasin und 2012 dann mit der Notenstein Privatbank zu verschmelzen. Beide Vorstösse sollen letztlich an Hans Vontobel gescheitert sein, wie es damals hiess. Für ihn kam eine Fusion nie in Frage.

Dem soll so bleiben, wie bankintern betont wird. Nur schon von der Eigner-Struktur her sei die Bank «unübernehmbar», so die lapidare Feststellung.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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