Retail-Banking: Wer jetzt noch Hypotheken bolzt

Die Übungsanlage ist bekannt. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit weist die für die Stabilität des Finanzplatzes zuständige Schweizerische Nationalbank (SNB) auf die Gefahren am Immobilienmarkt hin. Der von ihr eingeführte Puffer, der von den Banken mehr Eigenkapital zur Deckung ihrer Hypothekar-Kredite verlangt, bleibt am Platz. Ebenso die Vorschriften der Finanzmarktaufsicht (Finma) und Standesregeln der Banken.

Doch die Wirkung all dieser Regeln ist, wie sich zeigt, sehr unterschiedlich. Seit einem Höhepunkt im Jahr 2011 hat sich das Wachstum im Hypothekar-Geschäft zwar branchenweit abgeschwächt. Wie einer Aufarbeitung von SNB-Daten seitens der Migros Bank zu entnehmen ist, sind die bestimmenden Kräfte am Schweizer Hypothekarmarkt aber mit höchst verschiedenem Tempo unterwegs (siehe Grafik unten).

Hypo Grafik 500

Raiffeisen mit hohem Tempo

Demnach weiten insbesondere die Genossenschafts-Banken der Raiffeisen-Gruppe ihr Hypogeschäft mit gleichbleibend hoher Geschwindigkeit aus. Ebenfalls im Schnitt stramm auf Wachstumskurs sind die Kantonalbanken. Hingegen fällt auf, dass die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse das Wachstum ihres Hypothekar-Geschäfts stark gedrosselt haben.

Interessant ist dabei der Vergleich zum Passivgeschäft mit Spargeldern. Dort hat sich das Wachstum ausser bei den Kantonalbanken bei allen erwähnten Playern teils deutlich abgeschwächt (siehe Grafik unten).

Dies ist bedeutsam, da die Banken ihre Hypotheken-Vergaben traditionell mit Kundeneinlagen refinanzieren. Sind dazu nicht genügend Spargelder vorhanden, müssen die Banken auf den Interbanken- und Kapitalmarkt zurückgreifen, was tendenziell mehr Unwägbarkeiten birgt.

Hypo Grafik1 500

Zinsmechanismus ausser Kraft

Die Grafiken weisen demnach nicht nur auf verschiedene Geschwindigkeiten im Zinsengeschäft hin, sondern auch auf lauernde Risiken.

Dass mit dem Ausbau des Hypothekar-Portefeuilles die Systemrelevanz einzelner Banken steigt, ist dabei nur die augenscheinlichste Gefahr. Seit dem 15. Januar 2015 agieren die Banken zudem in einem Umfeld verschärfter Negativzinsen. Dieses hat den Zinsmechanismus im Land teilweise ausser Kraft gesetzt hat, wie finews.ch berichtete.

Absicherung nach Gutdünken

Das setzt die Marge im Zinsen-Geschäft weiterem Druck aus. Zudem steigt für die Banken das Zinsänderungs-Risiko vor allem beim Verkauf langfristiger Hypotheken. Steigen die Zinsen, müssen die Banken mehr auf Spareinlagen zahlen, während die Einnahmen auf Hypothekar-Krediten auf lange Zeit hinaus gleich bleiben. Gegen dieses Risiko können sich Banken zwar absichern – doch das ist jedem Institut weitgehend selber überlassen.

Bis jetzt haben die verschiedenen Geschwindigkeiten der Banken im Zinsengeschäft noch zu keiner Karambolage geführt. Doch wie der Frankenschock vor einen Jahr zeigte, können Hindernisse ganz unversehens auftauchen.

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NEWS GANZ KURZ

Gottex

Der Hedgefonds-Anbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Offenbar verzögern sich die Verhandlungen um eine zweite Finanzierungsrunde.

UBS

Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt.

Avaloq

Der Bankensoftware-Entwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank will den britischen Versicherer Abbey Life an die Phoenix Life, eine Gesellschaft der Phoenix Group, verkaufen. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Phoenix Life 100 Prozent von Abbey Life zum Preis von 935 Millionen Pfund erwirbt. Abbey Life ist derzeit Teil der Deutschen Asset Management.

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

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