Libor-Skandal: Der Raver auf der Anklagebank

Danny Wilkinson (Mitte) mit Hellsinki V

Danny Wilkinson (Mitte) mit Hellsinki V

Schulterklopfen, Tränen und Freudenrufe im Gerichtssaal allenthalben: Sechs Broker, denen eine Verschwörung mit Ex-UBS-Banker Thomas Hayes zur Manipulation der Libor-Zinssätze vorgeworfen wurde, sind am vergangenen Mittwoch vor dem Southwark Crown Court in London freigesprochen worden.

Wie unter anderem das amerikanische «Wall Street Journal» (Artikel bezahlpflichtig) berichtete, bedeutet der Freispruch eine bittere Niederlage für die Behörden im Finanzskandal, der sich seit dem Jahr 2008 hinzieht. In der Schweiz steht ein Urteil der hiesigen Wettbewerbskommission (Weko) immer noch aus.

«Animal» und Party-Tiger

Freuen konnte sich jedoch Danny Wilkinson, vormals Angestellter beim international tätigen Zinsen-Broker ICAP. Wilkinson führte dort in der fraglichen Zeit den Yen-Desk – und war von allen sechs angeklagten Brokern derjenige mit dem dicksten Gehalt.

1 Million Pfund (1,46 Millionen Franken) soll der bullige Londoner in den besten Zeiten bei ICAP verdient haben. «Danny the Animal» liess sich Wilkinson in den Chat-Foren nennen, in denen sich Händler und Broker über ihre Geschäfte austauschen.

Doch Wilkinson ist nicht nun im Brokerage ein «Animal» – sondern darüber hinaus ein richtiger Partytiger, wie die Agentur «Bloomberg» berichtete.

Dance more, worry less

So ist Wilkinson Teil eines ausgeflippten Rave-Kollektivs, das bei seinen Aufritten in bester 1990er-Jahre-Manier in Ärzte-Kitteln und 3-D-Brillen auftritt (siehe Video unten).

Die Truppe, die sich dem Wahlspruch «dance more, worry less» verschrieben hat, wurde der eigenen Webseite zufolge von drei isländischen Chemie-Studenten in den späten 1980er-Jahren gegründet. Inzwischen veröffentlichte Hellsinki V fünf Alben und bestritt Auftritte von Island über Ibiza bis Westafrika.

Mit der Verwicklung von Wilkinson in die Libor-Affäre drohte die verschrobene Combo jedoch eines ihrer Mitglieder zu verlieren – immerhin musste Ex-UBS-Händler Hayes für seine Vergehen elf Jahre hinter Gitter. Wilkinson selber stand mit Hayes nicht direkt in Kontakt, hatte aber laut Anklage dafür gesorgt, dass die UBS jedes Quartal 15'000 Pfund an ICAP für «Libor-Dienste» zahlte.

«Alle logen»

Mit seinem überraschenden Freispruch hat er nun – getreu dem Motto seiner Band – allen Grund «to worry less», also sich weniger zu sorgen.

Illusionen über seinen Job hat der Hobby-Raver inzwischen keine mehr, wie vor Gericht deutlich wurde. «Es war so, wie es war. Banker logen Broker an, und Broker logen Banker an», stellte Wilkinson fest.

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