Macht Boris Collardi das Banking bald keinen Spass mehr?

Boris Collardi, Bild Keystone

Boris Collardi, CEO Julius Bär, Bild Keystone

Der Management-Stil von Boris Collardi habe etwas Zufälliges an sich, befand finews.ch kürzlich. Indizien für dieses Urteil lieferten die vergangenen Wochen zuhauf: Unter Führung von Chef Collardi übernahm Julius Bär die Commerzbank Luxemburg, kaufte sich beim chinesischen Finanzdienstleister Jupai Holdings ein und lotste in einem Handstreich den Anlageexperten Yves Henri Bonzon zu sich, der eigentlich eine Stelle bei der Konkurrentin BSI hätte antreten sollen.

Gleichermassen lässt sich Collardi attestieren, dass seine Entscheide zwar oftmals überraschend, aber nie wahllos fallen. Zum «Stil» des stets unter Hochspannung stehenden Top-Bankers gehört, dass er dazu lächelt – wie wenn ihm jeder neue Coup diebische Freude bereiten würde.

Doch nun könnte Collardi das Lachen vergehen. Mit dem Jahresergebnis 2015 vom Montag wird deutlich, dass sich seiner freien Entfaltung bei der Zürcher Traditionsbank zunehmend Hinternisse in den Weg stellen. Das sind die fünf Wichtigsten:

1. Im Korsett der Eigner

Wegen einer neuerlichen Millionen-Rückstellung für eine Busse im US-Steuerstreit ist der Gewinn von Julius Bär gegenüber dem Vorjahr um 67 Prozent eingebrochen, wie auch finews.ch berichtete. Dennoch will die Privatbank ihren Aktionären 10 Prozent mehr Dividende ausschütten. Das Geschenk wird mit einem Versprechen übrreicht: «Sofern nicht wichtige Umstände dagegensprechen, sollte die ordentliche Dividende pro Aktie mindestens dem entsprechenden Betrag des Vorjahres entsprechen», hiess es am Montag.

Trotz der Relativierung ist das eine Ansage, die bindet. Julius Bär will künftig bis zu 40 Prozent des adjustierten Gewinns ausschütten und ihre Dividendenpolitik «besser vorhersehbar gestalten».

Damit bleibt deutlich weniger «Pulver» für jene Coups, mit denen die Privatbank so oft überraschen konnte. Und: «vorhersehbar» lässt sich auch mit «langweilig» übersetzen – und das ist eine Eigenschaft, die nicht so recht zu Collardi passen will.

2. Kleinere Kriegskasse

Die zum Jahresabschluss bestätigte 550-Millionen-Dollar-Rückstellung für eine US-Busse ist laut Analysten-Schätzungen nicht spurlos am Überschusskapital von Julius Bär vorbeigegangen. Dieses beträgt gemäss Analysten-Schätzungen nun noch rund 600 Millionen Dollar. Damit kann das Zürcher Institut, das sich weiterhin als Konsolidator im Private Banking betrachtet, weniger «aus der eigenen Tasche» bezahlen.

Will Julius Bär eine Milliarden-Übernahme wie etwa die zum Verkauf stehende Tessiner BSI stemmen, bräuchte es jetzt wohl eine Kapitalerhöhung. Ob das jedoch mit dem Grundsatz der «Vorhersehbarkeit» übereinstimmt, müsste sich erst weisen.

3. Forderungen des Regulators

Im Rahmen der von der Aufsicht verlangten Stärkung der Kapitalbasis geht Julius Bär ebenfalls neue Verpflichtungen ein: Während die bisherige Untergrenze von 15 Prozent für die (phase-in) BIZ Gesamtkapitalquote unverändert bleibt, führt die Gruppe eine neue Untergrenze von 11 Prozent für die (phase-in) BIS CET1 Kapitalquote ein.

4. Schraube bei den Kennzahlen angezogen

Julius Bär verordnet sich mehr Selbstdisziplin. So hat das Institut insbesondere den mittelfristigen Zielbereich für das zentrale Kosten-Ertrags-Verhältnis (Cost-Income Ratio CIR) von 65 bis 70 Prozent zu 64 bis 68 Prozent verschärft.

Ein mutiger Schritt, wird bedacht, dass die Privatbank andernorts mit selbst gesetzten Zielen zu kämpfen hat. Mit einem Netto-Neugeld-Plus 4,2 Prozent hat Julius Bär etwa das geltende Zielband zwischen 4 Prozent und 6 Prozent im Jahr 2015 noch knapp erreicht.

Während klar deklarierte Ziele die Transparenz für die Eigner steigern, ist ihr Nachteil für das Management offensichtlich: Hinkt das Geschäft den Versprechen hinterher, sind Schelte der Beobachter und Druck auf den Aktienkurs vorprogrammiert.

5. Damoklesschwert US-Steuerstreit

Julius Bär betonte es am Montag erneut: Das amerikanische Justizdepartement (Department of Justice DoJ) habe seine finale Zustimmung zur Einigung im Steuerstreit erteilt, auch in Bezug auf die Busszahlung von 547,25 Millionen Dollar. Schon bald werde das DoJ die endgültige Einigung bekannt geben.

Doch hinter den Worten «bald» und «final» verbergen sich einige Unsicherheiten, erwies sich doch das Vorgehen der US-Behörde gegenüber den Schweizer Banken immer wieder als höchst unberechenbar. So hat das DoJ der Credit Suisse, die wie Julius Bär zu den Kategorie-1-Banken zählt, nicht nur eine Milliarden-Busse auferlegt – sondern ihr gleich noch einen «Wachhund» ins Haus geschickt.

Das Damoklesschwert des US-Steuerstreits wird deshalb noch weiter über Collardi hängen bleiben – und sein Tun im Tagesgeschäft bestimmen.

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NEWS GANZ KURZ

Profidata

Profidata, der Softwaredienstleister für Finanzunternehmen, hat in Deutschland die Abraxas übernommen. Abraxas ist spezialsiert auf die Konsolidierung und Qualitätssicherung von Finanzmarktdaten, Marktgerechtigkeitsprüfungen und Fair-Value-Berechnungen.

SigFig

Der amerikanische Robo-Advisor, an dem sich kürzlich auch die UBS beteiligte, hat eine weitere Finanzierungs-Runde erfolgreich hinter sich gebracht. Von diversen Investoren, darunter die Schweizer Grossbank und die spanische Banco Santander, löste SigFig rund 40 Millionen Dollar.

State Street

Der US-Asset-Manager State Street ist in Genf zum offiziellen Research Partner des International Forum of Sovereign Wealth Funds gewählt worden. Eines der ersten Forschungsprojekte sind langfristige Anlagestrategien.

Unicredit

Unicredit steigt in den Schweizer ETF-Markt ein. Die italienische Bank emittiert zwei ETFs an SIX Swiss Exchange und übernimmt für diese auch das Market Making. Damit wächst die Zahl der ETF-Anbieter an SIX Swiss Exchange erstmals auf 22 und die Produktauswahl steigt auf einen neuen Höchststand von 1‘240 Produkten.

Swisscard

Die Kreditkarten-Tochter der Grossbank Credit Suisse emittiert weitere so genannte Asset Backed Securities (ABS) zur eigenen Refinanzierung. Die neue Transaktion im Umfang von 200 Millionen Franken besteht aus drei Tranchen mit einer Laufzeit von drei Jahren, die an der SIX kotiert werden.

Credit Suisse

Die mächtige Rating-Agentur Fitch zieht der Schweizer Grossbank Punkte ab. Das Langzeit-Bonitäts-Rating senkt die Agentur dazu um eine Stufe auf A- von bislang A gesenkt. Der Ausblick wird auf «stabil» von «positiv» revidiert. Die Rating-Abstufungen begründet Fitch mit der Anfälligkeit des Geschäftsmodells der Bank gegenüber den gestiegenen Herausforderungen an den Kapitalmärkten.

Pensionskassen

Gemäss der Pensionskassen-Studie der ZKB-Tochter Swisscanto haben die Schweizer Vorsorge-Werke im Jahr 2015 trotz höherem Risiko weniger verdient. Demnach erzielten die Pensionskassen eine Performance von durchschnittlich 1,13 Prozent (Vorjahr: 7,31 Prozent). Somit verfehlten sie nicht nur die durchschnittlich angestrebte Zielrendite von 3,9 Prozent, sondern auch die Mindestzins-Vorgabe von 1,75 Prozent deutlich. Dies trotz einer Zunahme der risikobehafteten Anlagen.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank lanciert das Login per Fingerabdruck in die GLKB Mobile Banking App. Die Sicherheit mit dem neuen Login-Verfahren bleibt laut Mitteilung unverändert hoch.

Postfinance

Die Postbank beteiligt sich mit 9 Prozent am Aktienkapital der Swiss Bankers Prepaid Services (SBPS). Postfinance arbeitet bereits seit Jahren mit der Dienstleisterin im Bereich Reisezahlungsmittel zusammen. Im Zuge des Engagements wurde Nicole Walker, Leiterin Produktmanagement Zahlungslösungen bei der Post-Tochter, in den Verwaltungsrat der SBPS gewählt.

Swiss Life

Der Schweizer Lebensversicherer weist im BVG-Geschäft eine Auschüttungs-Quote von 92,9 Prozent aus. Die Prämien in der Kollektivversicherung stiegen 2015 im Vergleich zum Vorjahr 6 Prozent auf 8,69 Milliarden Franken. Um die Leistungsversprechen langfristig zu sichern, wurden zusätzliche technische Rückstellungen von 939 Millionen Franken gebildet.

Helvetia

Die Helvetia ist in der Schweiz in der beruflichen Vorsorge 2015 mit den periodischen Prämien gewachsen, hat aber bei den Einmaleinlagen zurückhaltend neues Geschäft gezeichnet. Total ging das Prämienvolumen um 4,1 Prozent auf 2,55 Milliarden Franken zurück.

Axa Winterthur

Die Axa Winterthur hat 2015 in der Beruflichen Vorsorge (BVG) den Gewinn leicht gesteigert. Das Betriebsergebnis aus dem der Mindestquote unterstellten Geschäft nahm um 10 Millionen Franken auf 221 Millionen Franken zu. Dagegen gingen die gesamten Prämieneinnahmen aufgrund weniger Neuabschlüsse in der Vollversicherung zurück.

Luzerner KB

An der Generalversammlung der Luzerner Kantonalbank haben die Aktionäre der beantragten Ausschüttung von 11 Franken via Nennwertrückzahlung zugestimmt. Sie wählten Andreas Emmenegger neu in den Verwaltungsrat. Aufgrund der Amtszeitbeschränkung von 15 Jahren wurde Christoph Lengwiler aus dem Gremium verabschiedet.

Valiant

Die Aktionäre der Valiant Bank haben der Erhöhung der Dividende auf 3,60 Franken zugestimmt und den Zuger Othmar Stöckli in den Verwaltungsrat gewählt. Er ersetzt Franz Zeder, der nach 14 Jahren aus dem Gremium ausgeschieden ist.

Postfinance

Die Post-Tochter hat ihr Online-Trading-Angebot überarbeitet. Via die neue Benutzeroberfläche können Kunden in Echtzeit an den wichtigsten Börsenplätzen der Schweiz, Europas und Nordamerikas selbstständig Aktien, Obligationen, Fonds, ETFs und Derivate handeln, wie es hiess. Entwickelt wurde die neue Plattform von der Postfinance-Partnerin Swissquote.

Zurich

Der Versicherer Zurich Insurance hat eine nachrangige Anleihe in Höhe von 750 Millionen Euro platziert. Die Anleihe hat eine Laufzeit bis Oktober 2046 und ist erstmals im Oktober 2026 kündbar. Die Transaktion richtet sich gemäss der Mitteilung an Investoren in Europa.

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