Julius Bär: Der US-Fehltritt ist getilgt

Julius Bär hat einen abschliessenden Vergleich mit dem US-Justizministerium (Department of Justice, DoJ) im Steuerstreit erzielt.

Dabei hat die Privatbank  ein Deferred Prosecution Agreement abgeschlossen, in dessen Rahmen es 547,25 Millionen Dollar bezahlen wird, wie einer Mitteilung des DoJ weiter zu entnehmen ist.

Im Hinblick auf diese abschliessende Lösung hatte die Gruppe bereits im Juni und Dezember 2015 entsprechende Rückstellungen gebildet, die sich insgesamt auf den genannten Betrag belaufen und im Geschäftsjahr 2015 verbucht wurden.

Die Beilegung des Steuerstreits und das Verdikt des DoJ waren lange erwartet worden. Nun wurde auch ein Grund für die Verzögerung bekannt.

Mitarbeiter vor Gericht

Die beiden in diesem Zusammenhang im Jahr 2011 angeklagten Julius-Bär-Mitarbeiter haben sich diese Woche vor einem Bundesgericht in Manhatten der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig bekannt.

Somit konnte auch das DoJ den Fall abschliessen. Das Urteil für die beiden Bär-Mitarbeiter wird im kommenden August erwartet. Wie in anderen Schweizer Fällen droht ihnen eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren.

Meilenstein für Julius Bär

Julius-Bär CEO Boris Collardi sagte in dem Communiqué: «Dass wir diese bedauerliche Altlast bereinigen konnten, ist ein Meilenstein für Julius Bär. Der erzielte Vergleich beendet eine lange Phase der Unsicherheit, der die Bank einschliesslich all ihrer Stakeholder ausgesetzt war. Dank dieser Lösung können wir uns nun wieder ganz auf die Zukunft und unser Geschäft fokussieren.»

Julius Bär gehörte zu den so genannten Kategorie-1-Banken, gegen die die USA wegen des Verdachts auf Verstösse gegen US-Gesetze ermittelten. Eine Einigung müssen noch zehn solcher Schweizer Banken finden darunter die Zürcher sowie die Basler Kantonalbank.

Rüge der Finma

Am Freitag gab überdies die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) bekannt, dass sie Julius Bär wegen ihres US-Geschäfts gerügt hatte. Die Finma warf der Bank unter anderem vor, amerikanische Kunden von der UBS übernommen zu haben, als 2008 deren Probleme mit den US-Behörden begannen.

Aus der Darstellung des DoJ wird aber auch klar, dass Julius Bär bereits 2008 mit einem Exit-Programm für US-Offshore-Kunden startete. 2009 entschied sich die Bank, mit den Behörden zu kooperieren.

Vorteil: Keine US-Präsenz

Weiter wird ersichtlich, wie die Bank in den USA geschäftete. Die Zürcher Bank strich gegenüber US-Kunden den grossen Vorteil heraus, über keine US-Präsenz zu verfügen. Ausserdem stütze sich das Institut auf eine lange Tradition des Bankgeheimnisses, welches nie gebrochen worden sei. Julius Bär hat gemäss DoJ seit den 1990-er Jahren mit undeklartierten US-Kundengeldern geschäftet.

Auf dem Höhepunkt im Jahr 2007 habe die Bank rund 4,7 Milliarden Dollar dieser Gelder verwaltet. Das Geschäft war äusserst lukrativ: Von 2001 bis 2011 machte die Bank allein mit US-Kunden 87 Millionen Franken Gewinn – nach einem Erlös von rund 219 Millionen Franken.

Fallschirmspringen und Tennis

Mitarbeiter wurden «geschult»: Es zirkulierten Memos in der Bank mit Hinweisen, nur Schweizer Mobiltelefone mit Prepaid-Card zu nutzen. Bei der Ankunft an einem US-Flughafen sei es am besten, als Grund der Reise Geschäfte anzugeben «und Freizeitvergnügen, um die Schönheiten des Landes zu geniessen.»

Stolzen Staatsangestellten gefalle dies. «Vielleicht kann man noch sagen, man gehe Fallschirmspringen oder sowas. Ein Tennisracket mitzuführen hilft auch».

 

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NEWS GANZ KURZ

Banque Profil de Gestion

Die Genfer Privatbank hat im ersten Halbjahr 2016 wiederum einen kleinen Gewinn erzielt: Nach 100'000 Franken im Vorjahr waren es diesmal 30'000 Franken mehr. Operativ gab es ein Plus von 260'000 Franken nach einem Verlust ein Jahr davor. Vor allem das Zins- und das Handelsergebnis legten deutlich zu, derweil das Kommissionsergebnis stagnierte.

Thurgauer Kantonalbank

Die Thurgauer Kantonalbank (TKB) hat das US-Steuerprogramm abgeschlossen, ohne eine Zahlung leisten zu müssen. Die TKB war in der Kategorie 3 des Programms. Sie hat nun vom amerikanischen Justizdepartement (DoJ) einen Non-Target Letter erhalten, womit das Programm abgeschlossen ist.

Walliser Kantonalbank

Das Staatsinstitut hat im ersten Halbjahr 2016 sowohl ein leicht höheres operatives Ergebnis als auch etwas mehr Gewinn verzeichnet. Im wichtigen Zinsen-Geschäft stieg der Bruttoerfolg um 1,8 Prozent auf rund 80 Millionen Franken. Für das Gesamtjahr erwartet die Kantonalbank weiterhin einen Gewinn auf der Höhe des Vorjahres.

VP Bank

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat das «A–»-Rating für die VP Bank bestätigt und erhöht den Ausblick von «Negative» auf «Stable». Damit würden die operativen Fortschritte der VP Bank und die Bewirtschaftung der Risiken sowie die starke Kapitalausstattung und die erfolgreiche Integration der Centrum Bank berücksichtigt, hiess es.

Clientis Bank im Thal

Die Regionalbank hat den Halbjahresgewinn im Vergleich zum Vorjahr deutlich um über 30 Prozent auf 385'000 Franken gesteigert. Dazu beigetragen hat das gute Zinsengeschäft mit einem Plus von 11,4 Prozent auf 2,1 Millionen Franken.

Crealogix

Das Bankenberatungszentrum St. Gallen und Crealogix haben eine Partnerschaft für die betriebliche Aus- und Weiterbildung im Finanzbereich beschlossen: Mit der Lösung «I know! Banking» bieten die beiden Unternehmen eine Cloud-Lösung mit digitalen Lerninhalten zu den wichtigsten Themen im Banking an.

Compagnie Financière Tradition

Das Lausanner Brokerhaus hat im ersten Semester 2016 einen stabilen Ertrag von 425 Millionen Franken erzielt. Zu konstanten Wechselkursen entspricht dies allerdings einem Rückgang um 1,6 Prozent.

Urner Kantonalbank

Das Finanzinstitut hat im ersten Halbjahr 2016 trotz besserem Geschäftsgang weniger Gewinn gemacht. Dieser sank um 7,5 Prozent auf 8,5 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode hatte die Bank ausserordentlich vom Verkauf ihrer Swisscanto-Beteiligung profitiert. Im Zinsengeschäft gab es ein Plus von 13,8 Prozent auf knapp 17 Millionen Franken. Per Ende Jahr erwartet das Management ein Ergebnis über Vorjahr.

UBS

Die Grossbank UBS ist noch vor dem IT-Riesen Google der beliebteste Arbeitgeber für Schweizer Hochschul-Absolventen, wie das Beratungsunternehmen Trendence berichtete. Die Banken bleiben die beliebteste Branche der Wirtschafts-Wissenschaftler: Neben der UBS befinden sich die Credit Suisse, die Schweizerische Nationalbank und Julius Bär unter den Top 20 der gesuchtesten Arbeitsadressen.

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