Martin Scholl: «Dann braucht es Berater aus Fleisch und Blut»

Martin Scholl, CEO Zürcher Kantonalbank

Martin Scholl, CEO Zürcher Kantonalbank

Herr Scholl, was hat Sie im Rückblick auf das 2015 besonders gefreut?

Vieles, aber vor allem die Integration von Swisscanto. Sie läuft recht gut.

Was heisst «recht gut»?

Es gibt immer Themen, die man so nicht erwartet hat. Aber dies ist eine zwinglianische Zurückhaltung.

Aber aus Swisscanto fliesst immer noch Geld ab.

Das stimmt, aber Swisscanto ist schon seit Längerem mit Abflüssen konfrontiert. Sollte es zu weiteren Abflüssen kommen, ist die Zürcher Kantonalbank über die Earn-out-Klausel im Kaufvertrag abgesichert. Wie es weitergeht, wird davon abhängen, ob wir konkurrenzfähige Produkte anbieten.

«Nehmen bewusst ein tieferes Wachstum in Kauf»

Im Zinsengeschäft harzt es bei der ZKB im Vergleich zu anderen Banken, und zwar nicht erst seit dem vergangenen Jahr. Woran liegt es?

Das Zinsengeschäft zwischen Banken ist nur vergleichbar, wenn man auch weiss, wie viel Risiken die Banken jeweils eingegangen sind. Unser Fokus liegt auf der Stabilisierung des Zinsertrags, und dies ist uns in den vergangenen Jahren gut gelungen.

Wie beurteilen Sie das Wachstum der ZKB im Hypothekargeschäft?

Auf Grund der sich abzeichnenden Überhitzungstendenzen im Immobilienmarkt, hat die ZKB schon vor Jahren ihre Belehnungsrichtlinien verschärft und damit bewusst ein etwas tieferes Wachstum in Kauf genommen.

Die Glarner Kantonalbank hat einen Hypomat und steigerte damit ihr Hypothekarvolumen über die Jahre signifikant. Hat die ZKB etwas Ähnliches im Köcher?

Unsere Antwort ist Homegate. Die Hypotheken von Homegate sind letztlich auf unseren Büchern gebucht.

«Die Margen sind in Ordnung»

Aber der Homegate-Anteil am Hypothekargeschäft ist sehr bescheiden.

Gemessen an 70 Milliarden Franken Hypothekarvolumen ist der Anteil mit ein paar Hundert Millionen Franken gering, dem ist so. Aber nur mit Volumen allein kann man keine Löhne zahlen. Die Margen aus dem Homegate-Geschäft entsprechen unseren Erwartungen.

Hat die ZKB einen Hypomat à la Glarner Kantonalbank in Planung?

Nein, wir fahren ein integriertes Modell, das ist eine andere Strategie. Wir verschaffen dem Kunden Zugang über verschiedene – auch digitale – Kanäle.

Diverse Banken und Vermögensverwalter bieten passive Anlagestrategien mittels Roboadvisor an, oder sie überlegen sich, solche Dienstleistung einzuführen. Plant die ZKB auch etwas in diese Richtung?

Wenn Roboadvisor heisst, ich gebe ein paar Daten ein, drücke auf den Knopf und erhalte einen Anlagevorschlag – dann glauben wir nicht an dieses Modell. Insbesondere in volatilen Phasen braucht es Berater aus Fleisch und Blut, die den Kunden zur Seite stehen. In dem aktuellen Umfeld ist dieses Bedürfnis besonders stark ausgeprägt.

«Der US-Steuerstreit schränkt uns nicht ein»

Läuft die ZKB da nicht Gefahr, eine Entwicklung zu verschlafen?

Nein, sollte die Nachfrage nach automatisierter Beratung jemals stark ansteigen, dann können wir in kurzer Zeit eine geeignete Infrastruktur bauen. Das versichere ich Ihnen.

Was ist das grosse Ziel der ZKB im laufenden Geschäftsjahr?

Es wäre wünschenswert, wenn wir den US-Steuerstreit in diesem Jahr ad acta legen könnten. Aber dieses Ziel liegt ausserhalb unseres Einflussbereichs. Das laufende Verfahren schränkt uns im täglichen Geschäft aber nicht ein – der Jahresabschluss 2015 ist der beste Beweis dafür.


Martin Scholl machte bereits die Lehre 1977 bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und arbeitete sich über die Jahre bis zur Bankspitze vor. Mitte 2007 übernahm er den Vorsitz der Generaldirektion, der er seit 2002 angehört. Der Mittfünfziger sitzt überdies im Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankiervereinigung und ist Vizepräsident des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken.

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Valartis

Die liechtensteinische Finanzaufsicht und die Börse Hongkong haben den Verkauf ihrer Liechtensteiner Tochter der Valartis Gruppe an die Citychamp Watch & Jewellery Group genehmigt hat. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2016 abgeschlossen werden.

Swiss Life

Der Zürcher Heimatschutz (ZVH) gibt beim Warenhaus Manor auf. Er akzeptiert den Entscheid des Verwaltungsgerichts, dass das Manor-Gebäude an der Zürcher Bahnhofstrasse kein Warenhaus bleiben muss. Die Eigentümerin der Liegenschaft, die Swiss Life, will das traditionsreiche Gebäude umbauen und umnutzen.

WIR Bank

Die Genossenschaft-Bank hat den Halbjahresgewinn um 115 Prozent auf 17,2 Millionen Franken gesteigert. Zwar wurde das Ergebnis auch durch den Verkauf von nicht benötigten Immobilien begünstigt, doch auch ohne diesen ausserordentlichen Ertrag lag das Gewinnwachstum bei 44 Prozent.

Luzerner Kantonalbank

Die Luzerner Kantonalbank begibt eine 0,1-Prozent-Anleihe über 375 Millionen Franken. Die Laufzeit beträgt fünfzehn Jahre. Zeichnungsschluss ist der 12. September, die Liberierung erfolgt auf den 15. September 2016.

Allianz Suisse

Der Sachversicherer hat im ersten Halbjahr das Prämienvolumen um 1,9 Prozent auf rund 1,37 Milliarden Franken erhöht. Der Halbjahres-Gewinn kletterte um 12,2 Prozent auf 142 Millionen Franken. Damit setzt Allianz Suisse den positiven Trend fort.

Zürcher Kantonalbank

investiere.ch, die Schweizer Investitionsplattform für Startups, hat eine Finanzierungsrunde über 3,5 Millionen Franken abgeschlossen. Die Zürcher Kantonalbank hat sich dabei substanziell an der Kapital-Erhöhung beteiligt und ist neu Minderheitsaktionärin von investiere.ch.

Swiss Life

Corpus Sireo, eine Tochter-Gesellschaft der Swiss Life Asset Managers, kauft die Firmensitze der Zurich Deutschland in Köln und Bonn. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Was Corpus Sireo mit den Objekten vor hat, ist noch Gegenstand von Verhandlungen mit den Behörden.

Bernerland Bank

Die Regionalbank hat im ersten Halbjahr 2016 den Reingewinn um 6 Prozent auf gut 2 Millionen Franken steigern können. Der Zinserfolg nahm um 1 Prozent auf 10,2 Millionen Franken zu. Trotz des anhaltend schwierigen Zinsumfelds erwartet die Bank für das Geschäftsjahr 2016 einen Reingewinn auf Vorjahreshöhe.

Zürcher Landbank

Die Zürcher Landbank hat im ersten Semester 2016 den Gewinn auf über 1 Million Franken gesteigert. Dies ist ein Folge des höheren Zinserfolges, der um 2,5 Prozent auf 4 Millionen Franken stieg. Die übrigen Erfolgspositionen sowie der Aufwand blieben stabil.

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