Diese Schweizer Banken trotzen dem Sturm

Bild: Shutterstock

Die Aktien der UBS und der Credit Suisse gerieten in den letzten Wochen erheblich unter Druck. Im Gegensatz dazu legten einige Regional- und Kantonalbanken an der Börse zu – wie das? 

Mit Kurskorrekturen in den Credit-Suisse- und den UBS-Aktien mussten die Investoren nach den enttäuschenden Jahreszahlen rechnen. Doch dass die Aktien dermassen unter Druck geraten würden, damit hatte niemand gerechnet. 

Nicht nur die Schweizer Grossbanken verloren zig Milliarden an Börsenkapitalisierung, europaweit warfen Anleger Bankaktien blindlings auf den Markt. Investoren sorgten sich, dass der Bankensektor unterkapitalisiert sein könnte und unter faulen Krediten ersticken würde. Das ist unwahrscheinlich – auch was die UBS und Credit Suisse (CS) betrifft. 

Investoren greifen wieder zu

Denn die UBS gilt mittlwerweile als solide kapitalisiert – sowohl bei der ungewichteten Kapitalquote (Leverage Ratio) als auch bei der Kernkapitalquote (Tier 1) zählt sie zur Branchenspitze innerhalb der europäischen Grossbanken. 

In den letzten Tagen ist die Panik denn auch wieder mehr der Vernunft gewichen, und diverse Grossinvestoren nutzten die Kursschwächen bei der UBS und CS für Zukäufe – nicht zuletzt wegen der tiefen Bewertungen  und deutlich gestiegenen Dividendenrenditen. Dies verhalf den beiden Grossbanken-Aktien zu einem «Rebound».

EFG International – das Drama geht weiter

Die Aktien der Schweizer Privatbank EFG International kamen indessen noch stärker unter die Räder. Der Börsen-Sinkflug des Instituts dauert nun schon seit letztem Sommer an, nachdem die Halbjahreszahlen enttäuschend ausgefallen waren. Allein im laufenden Jahre büssten die Titel über 38 Prozent ein. Damit geht die rote Laterne innerhalb der Schweizer Bankaktien an EFG International.

Womöglich kann die in Zürich ansässige Privatbank den Kursschwund am 24. Februar stoppen. Dann präsentiert das Finanzinstitut die Jahreszahlen. Positiv niederschlagen würde sich wohl ein Zukauf des Unternehmens oder gar eine Fusion mit einem Konkurrenten. Derzeit buhlt EFG International um die Tessiner Banca della Svizerra Italiana (BSI), wie auch finews.ch berichtete. Zudem soll sie im Rennen um das asiatische Private-Banking-Geschäft der britischen Grossbank Barclays stehen.

Starke Kantonal- und Regionalbanken

Erstaunlich gut durchs Börsengewitter sind bislang die vergleichsweise kleinkapitalisierten Schweizer Banken gekommen – gewisse notieren gar höher als Ende 2015. 

Die Glarner Kantonalbank (GLKB), die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) und die zur Liechtensteinischen Landesbank (LLB) gehörende Bank Linth bilden mit vorläufigen Kursgewinnen im laufenden Jahr von drei bis vier Prozent die Spitze der an der Schweizer Börse kotierten Bankwerte.

Mit gezielten Investitionen in die Digitalisierung des Bankwesens konnten die BLKB oder die GLKB Prozesse optimieren und das Geschäftsvolumen steigern. Insbesondere der «Hypomat» der GLKB – die Online-Vergabe von Hypothekarkrediten — entwickelt sich immer mehr zum Ass, wie das kürzlich publizierte Jahresergebnis zeigt. Die BLKB wird das Jahresresultat am 26. Februar präsentieren. 

Die Bank Linth legte einen soliden Jahresausweis vor und ist daran, ihr neues Vertriebskonzept «Bank der Zukunft» umzusetzen.

An neue die Zins-Realität angepasst

Neben diesem Aktien-Trio notieren auch die Dividendenpapiere beziehungsweise Partizipationsscheine der Genfer, Zuger und der Thurgauer Kantonalbank höher.

Dies hängt sicher auch mit der konstanten Dividendenpolitik der Staatsinstitute zusammen. Dennoch verblüfft ihre Stärke angesichts der anhaltend kellertiefen Zinsen und der rückläufigen Nachfrage nach Hypotheken. Dies müsste eigentlich den Zinserfolg – den wichtigsten Ertragsposten der Kantonalbanken – weit stärker schmälern, als es bis anhin der Fall war. 

Doch wie die bisher publizierten Jahresausweise zeigen, haben sich die meisten Kantonalbanken auf diese neue Zins-Realität eingestellt. Sie konnten ihre Zinsmargen in der Regel verteidigen oder gar steigern. Dies hat letztlich auch mit einer rigorosen Kostendisziplin zu tun. 

Schwaches Wachstum

Hinzu kommt ein weiterer vermeintlich hemmender Faktor: das Wirschaftswachstum. Im vergangenen Jahr nahm das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) um magere 0,7 Prozent zu. Und auch für das laufende Jahr rechnen die Ökonomen mit einem bescheidenen Plus. Die Prognosen reichen von 1 bis 1,5 Prozent.

Eine schwache lokale Wirtschaft schlägt sich in der Regel eher in den Erfolgsrechnungen der lokal verankerten Banken nieder als bei international tätigen Finanzinstituten.

Franken-Schock noch nicht ausgestanden?

Denn die «Lokalen» finanzieren massgeblich Schweizer KMU. Doch wie es scheint, sind die Kantonalbanken auch bei schwachem Wirtschaftswachstum fähig, ihre Profite zu verteidigen oder gar zu steigern. 

Allerdings warnen Ökonomen vor den Folgen des Franken-Schocks, wonach der Schweizer Wirtschaft das Schlimmste noch bevorstehe. Diese Befürchtungen haben sich bislang aber noch nicht in den Aktienkursen der Regional- und Kantonalbanken niedergeschlagen.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Selection

Die zehn besten Steuerparadiese

Wohin, wenn man keine oder kaum Steuern zahlen will?

Selection

Unattraktive Bankjobs

Unattraktive Bankjobs

Warum es nicht mehr so begehrenswert ist, bei einer Bank zu arbeiten.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News