Roboadvisor: Gutes Geld für Kunden – hartes Brot für Anbieter

Swissquote Robo-Advisor

In diesem Jahr soll der Durchbruch gelingen: Swissquote wird Vermögen von Postfinance-Kunden verwalten. Oder eher: Der Computer und intelligente Algorithmen werden das tun – Swissquote nennt diesen Service seit der Lancierung 2009 ePrivate Banking. Roboadvisor ist der heutige Terminus für die digitale, computergesteuerte Vermögensverwaltung.

Wie viele Postfinance-Kunden auf die Swissquote-Plattform wandern werden, ist noch ungewiss. «Von der Kooperation versprechen wir uns sehr viel. Immerhin hat Postfinance rund 3 Millionen Kunden,» sagt Swissquote-CEO Marc Bürki (im Bild rechts) im Gespräch mit finews.ch.

Nur 1 Prozent

Es kann nur besser werden: Denn obwohl Swissquote den Roboadvisor nun schon über sechs Jahre anbietet, haben erst 1 Prozent der Swissquote-Kunden ihr Geld den zugrunde liegenden Algorithmen zur Verwaltung anvertraut. Immerhin: 2015 war das Wachstum zweistellig, aber das Niveau ist nach wie vor tief.

Buerki Buzzi

Bürki und Technologiechef Paolo Buzzi (im Bild links), zusammen haben sie 1999 die Online-Bank Swissquote gegründet, nehmen es erstaunlich gelassen. Der Wachstumsfokus der Bank lag in den vergangenen Jahren woanders, beispielsweise im Aufbau des Forex-Handels.

Die Mehrheit verdient Geld

Und sie liessen die Zeit spielen – auch, um Erfahrungen mit dem Angebot zu sammeln. Sie wissen: Der Trend spricht für sie und die bisherigen Ergebnisse tun es auch.

Denn die Mehrheit der ePrivate-Kunden bei Swissquote verdient Geld. Untenstehender Chart zeigt die Entwicklung der Kunden-Portfolios von 2013 bis ins erste Quartal 2016.

Der Umfang der Kreise repräsentiert die jeweilige Portfolio-Grösse, die Farbe das vom Kunden gewählte Risikoprofil. Der Chart zeigt nicht das Startdatum der jeweiligen Portfolios – man sieht also einen Mix von älteren und ganz neuen Kunden. Aber es ist klar ersichtlich: Die Mehrheit verdient Geld.

Swissquote Perform kl

Und die Swissquote Online-Bank hat noch einen Beleg, dass ihr Robo-Advisor für Kunden gutes Geld verdient – ja sogar mehr, als mancher Schweizer Portfolio-Manager.

Der Swissquote Quant Swiss Equities Fonds ist dieses Jahr von Lipper zum besten Schweizer Aktienfonds ausgezeichnet worden, mit einer durchschnittlichen Performance von 8,6 Prozent in den letzten drei Jahren. 60 Prozent beträgt der Zuwachs seit 2009. Der Fonds wird vom selben Roboadvisor gemanagt, der die Kundenportfolios auf Swissquote verwaltet.

Computer – die besseren Vermögensverwalter?

Für Bürki ist klar: «Computer sind in der Vermögensverwaltung besser als ihre menschlichen Gegenüber: Sie sind absolut neutral in Bezug auf Emotionen und klassische Fehlverhalten oder Biases beim Anlegen. Und sie können in Sekunden Tausende Szenarien durchrechnen und Anpassungen in den Portfolios vornehmen. Das schafft kein Vermögensverwalter.»

Ein sehr erfolgreicher Track Record auf der einen Seite und eine sehr zurückhaltende Kundennachfrage auf der anderen: Swissquote scheint ein hervorragendes Fallbeispiel dafür zu sein, dass im digitalen Wealth Management die Bäume noch weit davon entfernt sind, in den Himmel zu wachsen.

Aufbau ist schwierig

Zumal in der Schweiz: Seit seiner Gründung im Jahr 2013 hat der Anbieter Truewealth gerade mal 26 Millionen Franken Kundengelder an Land gezogen. Vom Investomaten der Glarner Kantonalbank sind keine Zahlen bekannt – wohl aus gutem Grund.

Einzig das VZ Vermögenszentrum kann von einem Erfolg mit seinem Roboadvisor sprechen, auch weil dieser konsequent ETF-Anlagestrategien umsetzt.

«Es stimmt, es ist schwierig, damit ein Geschäft aufzubauen,» räumt Bürki ein. Im Fall von Truewealth ist der Grund offensichtlich: Das Startup muss von Null auf Kundenbeziehungen und eine Reputation aufbauen.

Bei Swissquote spielt sicher eine Rolle, dass die typische Kundschaft der Online-Bank eher handelsorientiert ist und nicht eine Buy-and-hold-Strategie verfolgen möchte.

Mobile Version kommt

Bürki sieht noch einen Grund: «Der Schweizer Vermögensverwaltungsmarkt ist sehr interessant, aber einer der schwierigsten der Welt. Eine hohe Dichte an Privatbanken und unabhängigen Vermögensverwaltern trifft auf eine hohe Kundenloyalität. Das macht den Schweizer Markt viel träger als beispielsweise den britischen oder amerikanischen.»

Wohl auch darum hat Swissquote in den letzten Jahren nicht allzu viel in den eigenen Robo-Advisor investiert: Die Benutzerfreundlichkeit ist nicht gerade «state of the art» – und mobil ist das Tool auch nicht bedienbar.

Das ändert sich nun: Im Verlaufe des zweiten Quartals will Swissquote eine neue Version lancieren, die den heutigen Ansprüchen gerecht werden soll – rechtzeitig für auf den Start hin der Postfinance-Kooperation.

Ausländische Kooperationspartner gesucht

Bürki und Buzzi sind überzeugt, dass digitale Vermögensverwaltung eine echte, günstigere und für Kunden auch erfolgreichere Alternative zum Private Banking wird.

Und weil der Schweizer Markt so schwierig ist, schaut Bürki über die Grenzen hinaus. «Wir sind auch im Ausland auf der Suche nach einem Kooperationspartner. Idealerweise muss es eine Bank mit EU-Lizenz sein, so dass wir damit den Marktzutritt erhalten.»

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NEWS GANZ KURZ

SigFig

Der amerikanische Robo-Advisor, an dem sich kürzlich auch die UBS beteiligte, hat eine weitere Finanzierungs-Runde erfolgreich hinter sich gebracht. Von diversen Investoren, darunter die Schweizer Grossbank und die spanische Banco Santander, löste SigFig rund 40 Millionen Dollar.

State Street

Der US-Asset-Manager State Street ist in Genf zum offiziellen Research Partner des International Forum of Sovereign Wealth Funds gewählt worden. Eines der ersten Forschungsprojekte sind langfristige Anlagestrategien.

Unicredit

Unicredit steigt in den Schweizer ETF-Markt ein. Die italienische Bank emittiert zwei ETFs an SIX Swiss Exchange und übernimmt für diese auch das Market Making. Damit wächst die Zahl der ETF-Anbieter an SIX Swiss Exchange erstmals auf 22 und die Produktauswahl steigt auf einen neuen Höchststand von 1‘240 Produkten.

Swisscard

Die Kreditkarten-Tochter der Grossbank Credit Suisse emittiert weitere so genannte Asset Backed Securities (ABS) zur eigenen Refinanzierung. Die neue Transaktion im Umfang von 200 Millionen Franken besteht aus drei Tranchen mit einer Laufzeit von drei Jahren, die an der SIX kotiert werden.

Credit Suisse

Die mächtige Rating-Agentur Fitch zieht der Schweizer Grossbank Punkte ab. Das Langzeit-Bonitäts-Rating senkt die Agentur dazu um eine Stufe auf A- von bislang A gesenkt. Der Ausblick wird auf «stabil» von «positiv» revidiert. Die Rating-Abstufungen begründet Fitch mit der Anfälligkeit des Geschäftsmodells der Bank gegenüber den gestiegenen Herausforderungen an den Kapitalmärkten.

Pensionskassen

Gemäss der Pensionskassen-Studie der ZKB-Tochter Swisscanto haben die Schweizer Vorsorge-Werke im Jahr 2015 trotz höherem Risiko weniger verdient. Demnach erzielten die Pensionskassen eine Performance von durchschnittlich 1,13 Prozent (Vorjahr: 7,31 Prozent). Somit verfehlten sie nicht nur die durchschnittlich angestrebte Zielrendite von 3,9 Prozent, sondern auch die Mindestzins-Vorgabe von 1,75 Prozent deutlich. Dies trotz einer Zunahme der risikobehafteten Anlagen.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank lanciert das Login per Fingerabdruck in die GLKB Mobile Banking App. Die Sicherheit mit dem neuen Login-Verfahren bleibt laut Mitteilung unverändert hoch.

Postfinance

Die Postbank beteiligt sich mit 9 Prozent am Aktienkapital der Swiss Bankers Prepaid Services (SBPS). Postfinance arbeitet bereits seit Jahren mit der Dienstleisterin im Bereich Reisezahlungsmittel zusammen. Im Zuge des Engagements wurde Nicole Walker, Leiterin Produktmanagement Zahlungslösungen bei der Post-Tochter, in den Verwaltungsrat der SBPS gewählt.

Swiss Life

Der Schweizer Lebensversicherer weist im BVG-Geschäft eine Auschüttungs-Quote von 92,9 Prozent aus. Die Prämien in der Kollektivversicherung stiegen 2015 im Vergleich zum Vorjahr 6 Prozent auf 8,69 Milliarden Franken. Um die Leistungsversprechen langfristig zu sichern, wurden zusätzliche technische Rückstellungen von 939 Millionen Franken gebildet.

Helvetia

Die Helvetia ist in der Schweiz in der beruflichen Vorsorge 2015 mit den periodischen Prämien gewachsen, hat aber bei den Einmaleinlagen zurückhaltend neues Geschäft gezeichnet. Total ging das Prämienvolumen um 4,1 Prozent auf 2,55 Milliarden Franken zurück.

Axa Winterthur

Die Axa Winterthur hat 2015 in der Beruflichen Vorsorge (BVG) den Gewinn leicht gesteigert. Das Betriebsergebnis aus dem der Mindestquote unterstellten Geschäft nahm um 10 Millionen Franken auf 221 Millionen Franken zu. Dagegen gingen die gesamten Prämieneinnahmen aufgrund weniger Neuabschlüsse in der Vollversicherung zurück.

Luzerner KB

An der Generalversammlung der Luzerner Kantonalbank haben die Aktionäre der beantragten Ausschüttung von 11 Franken via Nennwertrückzahlung zugestimmt. Sie wählten Andreas Emmenegger neu in den Verwaltungsrat. Aufgrund der Amtszeitbeschränkung von 15 Jahren wurde Christoph Lengwiler aus dem Gremium verabschiedet.

Valiant

Die Aktionäre der Valiant Bank haben der Erhöhung der Dividende auf 3,60 Franken zugestimmt und den Zuger Othmar Stöckli in den Verwaltungsrat gewählt. Er ersetzt Franz Zeder, der nach 14 Jahren aus dem Gremium ausgeschieden ist.

Postfinance

Die Post-Tochter hat ihr Online-Trading-Angebot überarbeitet. Via die neue Benutzeroberfläche können Kunden in Echtzeit an den wichtigsten Börsenplätzen der Schweiz, Europas und Nordamerikas selbstständig Aktien, Obligationen, Fonds, ETFs und Derivate handeln, wie es hiess. Entwickelt wurde die neue Plattform von der Postfinance-Partnerin Swissquote.

Zurich

Der Versicherer Zurich Insurance hat eine nachrangige Anleihe in Höhe von 750 Millionen Euro platziert. Die Anleihe hat eine Laufzeit bis Oktober 2046 und ist erstmals im Oktober 2026 kündbar. Die Transaktion richtet sich gemäss der Mitteilung an Investoren in Europa.

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