Stephan Zwahlen: «Ich bin kein Verfechter der Work-Life-Balance»

Stephan Zwahlen, CEO Maerki Baumann

Stephan Zwahlen, CEO Maerki Baumann

Die Zürcher Bank Maerki Baumann steht nach den Worten ihres Chefs am Anfang einer Wachstumsphase. Mit einem neuen Anlagekonzept will das Institut sogar die Vermögensverwaltung revolutionieren, sagt CEO Stephan Zwahlen im Interview mit finews.ch und erklärt auch, weshalb die Bücher von Martin Suter für ihn so wichtig sind.

English version

Herr Zwahlen, Sie sind mit 38 Jahren der wohl jüngste Bank-CEO der Schweiz. Werden Sie darauf oft angesprochen?

Nein. Als ich mit 30 Jahren in die Geschäftsleitung von Maerki Baumann stiess, war mein Alter ab und zu ein Thema. Aber stets im positiven Sinn. Es hat mich immer schon interessiert, Führungsverantwortung zu übernehmen.

Stiegen Sie auch deshalb zum Kompanie-Kommandanten auf?

Das ist heutzutage nicht mehr so populär. Aber ich bin der Meinung, dass wir uns als privilegierte Schweizer Bürger für das Gemeinwesen engagieren sollten. Die Zeit als Kompanie-Kommandant hat mich geprägt. Denn man lernt, mit anspruchsvollen Entscheidungssituationen umzugehen und gewinnt wertvolle Führungserfahrung.

Bei Maerki Baumann kam es in den vergangenen Jahren zu einigen CEO-Wechseln. Inwiefern tangiert das den Geschäftsbetrieb?

Es ist zutreffend, dass wir nach einer langen Phase der Konstanz einige Führungswechsel hatten. Diese hatten auf das operative Geschäft aber nur einen untergeordneten Einfluss. Kundenseitig wirkten sie sich nicht negativ aus, denn die langjährigen Kundenberater und die Eigentümerfamilie blieben ja unverändert.

«Eine Busse in Deutschland ist nicht ausgeschlossen»

Die Privatbank Maerki Baumann zahlte für die Bereinigung des US-Steuerstreits eine vergleichsweise hohe Busse von 24 Millionen Dollar. Wie kam es dazu?

Wir haben schon früh unversteuerten US-Kunden geraten, ihre Vermögen zu legalisieren. Im Jahr 2009 haben wir dann das US-Geschäft vollständig geschlossen. Die amerikanischen Behörden haben aber im US-Steuerprogramm einen Stichtag vor 2009 gewählt. Das hat dann zu dieser Busse geführt.

Und wie sieht es mit weiteren Altlasten aus?

Wir haben den Bereinigungsprozess für alle internationalen Länder forciert. Heute können sowohl wir als Bank als auch unsere Kunden gelassen dem internationalen automatischen Informationsaustausch entgegensehen.

Von den deutschen Behörden droht keine Gefahr?

Was die Vergangenheit angeht, sind wir wie viele Banken mit den deutschen Behörden im Kontakt. Eine Busse ist somit nicht ausgeschlossen. Die Bereinigung ist aber bis auf einige wenige Ausnahmen abgeschlossen. Mittlerweile ist der Prozess so weit fortgeschritten, dass wir noch in diesem Jahr die erleichterte Freistellung bei der BaFin beantragen werden.

Will heissen...

Mit der erleichterten Freistellung können wir auf deutsche Kunden aktiv zugehen und diese umfassend beraten. Mit unserem systemunterstützten, vollständig MiFID-konformen Anlageberatungsprozess haben wir eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen. 

«Wir haben eine Milliarde Franken abfliessen lassen»

Wir werden die Kunden aber immer vom Zürcher Standort aus betreuen und keine Filiale in Deutschland eröffnen. Das würde betriebswirtschaftlich keinen Sinn machen. Wir stellen auch fest, dass die Deutschen einen Teil ihres Vermögens nach wie vor in der Schweiz verwalten lassen wollen.

Maerki Baumann tritt bei den betreuten Kundengeldern seit Jahren an Ort. Muss sich das nicht bald ändern?

In den letzten Jahren haben wir auf Grund der Offshore-Bereinigung weit über eine Milliarden Franken abfliessen lassen. Gleichzeitig wurden uns Neugelder in ähnlicher Höhe von mehrheitlich Schweizer Kunden zugetragen. Von den sieben Milliarden Franken an Kundengeldern stammen heute 72 Prozent von Schweizer Kunden, mehrheitlich aus dem Grossraum Zürich. Rund 12 Prozent stammen von deutschen Kunden.

Und wo steht Maerki Baumann bezüglich Assets under Management in drei Jahren?

Solche Prognosen machen wir nicht publik. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir in unseren Hauptmärkten Schweiz und Deutschland noch deutlich zulegen werden. Denn wir haben ein grosses Potenzial in unserer Bank.

«Das passt nicht zu uns»

Wir haben bedeutende Investitionen in die Fachkompetenz des Personals sowie in die weitere Entwicklung unserer IT getätigt. Wir bieten ein Angebot, das sehr nahe an das herankommt, was viele Bankkunden im Markt suchen. Unser Problem ist lediglich, dass dies ausserhalb des Grossraums Zürich noch kaum jemand weiss.

Und wie wollen Sie das ändern? Durch ganzseitige Zeitungsinserate?

Nein, das passt nicht zu uns. Wir versuchen, uns durch Inhalt zu profilieren. Wir haben viel in unsere Anlagepublikationen investiert und organisieren laufend Fachseminare. Diese bieten Raum, potenzielle Kunden zu treffen und sie zu überzeugen. Zudem wollen wir unser Netzwerk für die Kundenakquise besser nutzen.

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