Tidjane Thiam: «Das ist völlig inakzeptabel»

Tidjane Thiam, CEO CS: Bild Keystone

Tidjane Thiam, CEO CS: Bild Keystone

Es ist eine Überraschung mehr nach einem an Überraschungen reichen Tag. Am Mittwoch hatte die Credit Suisse (CS) unerwartet einen nochmals massiv ausgeweiteten Stellenabbau bekanntgegeben. An einer Telefonkonferenz mit den Medien stellte CEO Tidjane Thiam dann fest, dass die Schweizer Grossbank im ersten Quartal einen Verlust schreiben wird.

Und nun das: gegenüber der Agentur «Bloomberg» eröffnete der CS-Chef, dass die millionenschweren Abschreiber in der Investmentbank-Sparte Global Markets zum grossen Teil dem eigenmächtigen Vorgehen einzelner Händler geschuldet sei. Diese hätten ihre Positionen in ausfallgefährdeten Krediten, Kreditfinanzierungen und Schuldverbriefungen ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten ausgebaut, um möglichst hohe Einkünfte ausweisen zu können.

Wäre die Strategie ganz anders ausgefallen?

Ein Abschreiber von rund 258 Millionen Dollar im ersten Quartal ist laut dem Bericht eine direkte Folge dieser Praktiken.

Er habe davon nichts gewusst, als er letzten Oktober die Strategieanpassung für die CS ankündigte, beteuerte Thiam gegenüber «Bloomberg». Ansonsten hätte er bezüglich der Strategie womöglich anders entschieden. «Das war mir nicht klar, dem Finanzchef nicht, und zahlreichen Leuten innerhalb der Bank.»

Erst letzten Januar ist der CS-Chef nach eigenen Angaben seinen Investmentbankern auf die Schliche gekommen.

Bank im Blindflug

Entsprechend fordert Thiam nun einen kulturellen Wandel innerhalb der CS und drohte den fehlbaren Händlern mit Konsequenzen. Deren Verhalten sei «völlig inakzeptabel», enervierte sich der 53-jährige gebürtige Ivorer. Stellvertretend für die CS gelobte der Chef Besserung: «Wir haben Prozesse eingeführt, die dafür sorgen sollen, dass dies nie wieder vorkommt.»

Wie auch finews.ch berichtete, fährt die CS die Überwachung ihrer Mitarbeiter mit einer neuen Technologie massiv herauf.

Trotzdem verstärkt die neueste Enthüllung Thiams den Eindruck, dass sich die CS seit Jahren im Blindflug befindet. So sorgte das Institut in den letzten Wochen in einer Affäre rund um das verschwundene Vermögen eines georgischen Oligarchen für Schlagzeilen; klagende Kunde vermuten dabei eklatante Mängel in der Compliance der Schweizer Grossbank.

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NEWS GANZ KURZ

Unicredit

Unicredit steigt in den Schweizer ETF-Markt ein. Die italienische Bank emittiert zwei ETFs an SIX Swiss Exchange und übernimmt für diese auch das Market Making. Damit wächst die Zahl der ETF-Anbieter an SIX Swiss Exchange erstmals auf 22 und die Produktauswahl steigt auf einen neuen Höchststand von 1‘240 Produkten.

Swisscard

Die Kreditkarten-Tochter der Grossbank Credit Suisse emittiert weitere so genannte Asset Backed Securities (ABS) zur eigenen Refinanzierung. Die neue Transaktion im Umfang von 200 Millionen Franken besteht aus drei Tranchen mit einer Laufzeit von drei Jahren, die an der SIX kotiert werden.

Credit Suisse

Die mächtige Rating-Agentur Fitch zieht der Schweizer Grossbank Punkte ab. Das Langzeit-Bonitäts-Rating senkt die Agentur dazu um eine Stufe auf A- von bislang A gesenkt. Der Ausblick wird auf «stabil» von «positiv» revidiert. Die Rating-Abstufungen begründet Fitch mit der Anfälligkeit des Geschäftsmodells der Bank gegenüber den gestiegenen Herausforderungen an den Kapitalmärkten.

Pensionskassen

Gemäss der Pensionskassen-Studie der ZKB-Tochter Swisscanto haben die Schweizer Vorsorge-Werke im Jahr 2015 trotz höherem Risiko weniger verdient. Demnach erzielten die Pensionskassen eine Performance von durchschnittlich 1,13 Prozent (Vorjahr: 7,31 Prozent). Somit verfehlten sie nicht nur die durchschnittlich angestrebte Zielrendite von 3,9 Prozent, sondern auch die Mindestzins-Vorgabe von 1,75 Prozent deutlich. Dies trotz einer Zunahme der risikobehafteten Anlagen.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank lanciert das Login per Fingerabdruck in die GLKB Mobile Banking App. Die Sicherheit mit dem neuen Login-Verfahren bleibt laut Mitteilung unverändert hoch.

Postfinance

Die Postbank beteiligt sich mit 9 Prozent am Aktienkapital der Swiss Bankers Prepaid Services (SBPS). Postfinance arbeitet bereits seit Jahren mit der Dienstleisterin im Bereich Reisezahlungsmittel zusammen. Im Zuge des Engagements wurde Nicole Walker, Leiterin Produktmanagement Zahlungslösungen bei der Post-Tochter, in den Verwaltungsrat der SBPS gewählt.

Swiss Life

Der Schweizer Lebensversicherer weist im BVG-Geschäft eine Auschüttungs-Quote von 92,9 Prozent aus. Die Prämien in der Kollektivversicherung stiegen 2015 im Vergleich zum Vorjahr 6 Prozent auf 8,69 Milliarden Franken. Um die Leistungsversprechen langfristig zu sichern, wurden zusätzliche technische Rückstellungen von 939 Millionen Franken gebildet.

Helvetia

Die Helvetia ist in der Schweiz in der beruflichen Vorsorge 2015 mit den periodischen Prämien gewachsen, hat aber bei den Einmaleinlagen zurückhaltend neues Geschäft gezeichnet. Total ging das Prämienvolumen um 4,1 Prozent auf 2,55 Milliarden Franken zurück.

Axa Winterthur

Die Axa Winterthur hat 2015 in der Beruflichen Vorsorge (BVG) den Gewinn leicht gesteigert. Das Betriebsergebnis aus dem der Mindestquote unterstellten Geschäft nahm um 10 Millionen Franken auf 221 Millionen Franken zu. Dagegen gingen die gesamten Prämieneinnahmen aufgrund weniger Neuabschlüsse in der Vollversicherung zurück.

Luzerner KB

An der Generalversammlung der Luzerner Kantonalbank haben die Aktionäre der beantragten Ausschüttung von 11 Franken via Nennwertrückzahlung zugestimmt. Sie wählten Andreas Emmenegger neu in den Verwaltungsrat. Aufgrund der Amtszeitbeschränkung von 15 Jahren wurde Christoph Lengwiler aus dem Gremium verabschiedet.

Valiant

Die Aktionäre der Valiant Bank haben der Erhöhung der Dividende auf 3,60 Franken zugestimmt und den Zuger Othmar Stöckli in den Verwaltungsrat gewählt. Er ersetzt Franz Zeder, der nach 14 Jahren aus dem Gremium ausgeschieden ist.

Postfinance

Die Post-Tochter hat ihr Online-Trading-Angebot überarbeitet. Via die neue Benutzeroberfläche können Kunden in Echtzeit an den wichtigsten Börsenplätzen der Schweiz, Europas und Nordamerikas selbstständig Aktien, Obligationen, Fonds, ETFs und Derivate handeln, wie es hiess. Entwickelt wurde die neue Plattform von der Postfinance-Partnerin Swissquote.

Zurich

Der Versicherer Zurich Insurance hat eine nachrangige Anleihe in Höhe von 750 Millionen Euro platziert. Die Anleihe hat eine Laufzeit bis Oktober 2046 und ist erstmals im Oktober 2026 kündbar. Die Transaktion richtet sich gemäss der Mitteilung an Investoren in Europa.

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