Mike Judith: «Kundenberatung wird zu teuer»

Mike Judith, DNB Asset Management

Bald werden die Banken ihre Kosten für individuelle Beratung massiv erhöhen. Mit anderen Worten: Die meisten Kunden werden ohne eine Beratung auskommen müssen – weil sie schlicht zu teuer ist.

Eine «Zangenbewegung» macht der Finanzbranche schwer zu schaffen: Die zunehmende Regulierung drangsaliert die Banken mit hohen Compliance-Kosten auf der einen Seite. Und auf der Einnahmenseite sind es die Notenbanken, welche mit ihrer anhaltenden Tief- und Negativzinspolitik den Instituten die Margen empfindlich schmälern.

Weniger schwer tun sich die Banken mit der dritten grossen Bewegung, welche die Branche umtreibt – mit der Digitalisierung. Diese zwingt die Institute zwar zu schwierigen Management- und Veränderungsprozessen, doch diese Prozesse zeitigen bei Erfolg immerhin ein positives Resultat, sowohl für Banken wie für Kunden.

Ein Mehrwert für beide Seiten

«Die Digitalisierung in der Bankbranche sorgt für einen Mehrwert – und zwar auf beiden Seiten. Banken können kosteneffizienter arbeiten und Kunden erhalten ein bedürfnisgerechteres Angebot», sagt Mike Judith, Head Sales und Portfoliomanagement im Asset Management der norwegischen Bank DNB im Gespräch mit finews.ch.

Weil die Digitalisierung strukturell zu einem Geschäftsstellen- und Personalabbau führt, sparen Institute Kosten. Gleichzeitig besteht dank der Digitaliserung von Verkaufs- und Vertriebskanälen das Potenzial, die Marktdurchdringung zu erhöhen, was Zins- und Provisionsergebnisse steigen lässt.

Am Ertragsdilemma ändert sich nichts

Für Kunden bedeutet die Digitalisierung insgesamt bessere Konditionen, wie Judith überzeugt ist. Der Kontakt mit der Bank ist praktischer, die Handhabung beim Kauf von Dienstleistungen einfacher.

Am Ertragsdilemma der Finanzinstitute ändert aber auch eine erfolgreiche Digitalisierung der Prozesse wenig bis nichts. «Die bestehenden Schwierigkeiten beruhen auf dem von den Zentralbanken gesteuerten Niedrig- und Minuszins-Umfeld», so Judith.

Die Banken reagieren auf die sinkenden Zinsmargen unter anderem mit der Lancierung neuer Beratungs- und Gebührenmodelle. Aber solange die aktuelle Geldpolitik im Teufelskreis der Wirkungslosigkeit gefangen ist, die Kreditvergabe schwach bleibt und die Banken fürs Parkieren ihrer hohen Cash-Bestände bezahlen müssen, wird sich das Ertragsproblem nicht entspannen.

Beratung wird schlicht zu teuer

Die Folgen davon werden die Kunden bezahlen müssen. Etwa dann, wenn die Banken beginnen, ihre Negativzinsen zu verrechnen. Und wenn Bankdienstleistungen teurer werden.

Davon ist Judith überzeugt: «Schon mittelfristig werden die Banken gezwungen sein, die Kosten für eine individuelle Kundenberatung zu erhöhen. Das bedeutet: Die meisten Kunden einer Bank werden ohne eine Beratung auskommen müssen, weil sie schlicht zu teuer ist.»

Aufgeben oder Nische suchen

Diese Entwicklung ist im Gange. Das Private Banking konzentriert sich mit aller Kraft auf die vermögende Kundschaft und ihre individuelle, während zahlreiche Institute Roboadvisor-Modelle für die Retail-Klientel entwickeln. Kleinere und vor allem mittelgrosse Banken, aber auch Asset Manager, müssen aufgeben.

Aber dies bietet auch Chancen für Nischenanbieter wie DNB, so Judith: «Unser Asset Management ist möglicherweise ein Beispiel, wie sich die Branche auf die neuen Gegebenheiten einstellen kann: ein klarer Nischenfokus sowie eine agile und kleine Mannschaft für Portfoliomanagement und Vertrieb. So kann man sich differenzieren und den Kostenblock tief halten.»

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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