Wer erkennt das Potenzial der CS?

Sitz der Credit Suisse in London: Cabot Square in der Canary Wharf

Sitz der Credit Suisse in London: Cabot Square in der Canary Wharf (Bild: Shutterstock)

Nicht schlecht staunten am (gestrigen) Mittwoch die Börsianer, als die Papiere der Credit Suisse (CS) um sage und schreibe 8 Prozent zulegten. Das hatte es zuletzt nie mehr gegeben – ausser in die Gegenrichtung. In den vergangenen Tagen hatten einige Fachleute vielmehr die Frage aufgeworfen, ob die Titel gar unter die 10-Franken-Marke rutschen könnten.

Das ist nun (vorläufig) Makulatur. Doch was war nun der Grund, dass die CS-Aktie dermassen an Wert gewann? Sicherlich hat der überraschend gute Quartalsabschluss der US-Investmentbank J.P. Morgan einen Antrieb gegeben. Zudem meldeten sich verschiedene Grossaktionäre und Investoren zu Wort, die einen zumindest verhalten positiven Ausblick zum Titel der CS abgaben. 

Enorme Chancen zunicht gemacht

Das war einerseits David Herro, Anlagechef der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Harris Associates, die gut fünf Prozent an der CS hält, wie auch finews.ch am Mittwoch berichtete, sowie andererseits Evans Osemwegie, Präsident der Beteiligungsfirma Evago Global.  

Osemwegies Äusserungen sind insofern bemerkenswert, als dass sie durchaus ein Stückchen Wahrheit beinhalten.Der Amerikaner sagt nämlich, dass sich die CS mit einem überhasteten Rückbau ihrer Investmentbank enorme Chancen zunichte machen würde. Oder positiv formuliert: Die CS hat nach wie vor eine wichtige Investmentbank-Franchise, die sie nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, sondern eher fördern sollte, da es ansonsten nicht mehr viele andere Institute gibt, die der amerikanischen Übermacht auf diesem Gebiet noch paroli bieten könnte.  

Investmentbanking in der DNA

Die CS habe das Investmentbanking nur schon historisch gesehen in ihrer DNA und biete eine breite Expertise im Bereich Kapitalmarkt-Finanzierungen, Beratung bei Fusionen und Firmenübernahmen sowie bei der Strukturierung von Finanprodukten, sagt Osemwegie. Ausserdem habe sie sehr gute Verbindungen zur Versicherungs-Branche. Mit diesen Eigenschaften ausgestattet, bringe sie gute Voraussetzungen mit, um sich in in Europa zu einem, wenn nicht zum bedeutendsten Player zu entwickeln. 

Allerdings ist Osemwegie Realist genug um zu erkennen, dass die CS derzeit noch ein ganzes Stück von diesem Anspruch entfernt ist. «Leider sind die CS-Verantwortlichen derzeit besessen darauf, die Kosten möglichst schnell zu senken, ohne dabei die Konsequenzen ausreichend zu analysieren», sagt er. Anstatt Personal auf die Strasse zu stellen, sollte die CS eher ihre Produkte-Palette einschränken.

Ein Fan von Tidjane Thiam

Er sei zwar ein Fan von CS-Konzernchef Tidjane Thiam. Dennoch erwarte er in nächster Zeit wieder fallende Kurse bei der CS-Aktie, sagte er gegenüber dem Branchenportal «Seeking Alpha». Denn was die Schweizer Grossbank noch brauche, sei mehr Kompetenz im Verwaltungsrat.

Damit stimmt seine Feststellung mit jener von David Herro, der bereits am Mittwoch gegenüber der Schweizer Börsenzeitung «Finanz und Wirtschaft» erklärt hatte, der Verwaltungsrat könnte mehr Banken-Know-How vertragen: «In einem so komplizierten Finanzinstitut wie Credit Suisse braucht es im Aufsichtsgremium Personen, die das Geschäft verstehen.»

Wenig Vertrauen in den Verwaltungsrat

Diese Aussage ist ein klarer Hinweis darauf, dass vor allem CS-Präsident Urs Rohner in der Pflicht steht respektive es in den vergangenen Jahren nicht geschafft hat, die entsprechende Kompetenz im Aufsichtsgremium aufzubauen. Jetzt auf gut Wetter machen zu wollen und die enormen Abschreiber irgendwelchen Marktbewertungen zuzuschreiben oder gar dem Management anzulasten, ist nicht glaubwürdig. Die Konzernleitung ist vielmehr bestellt, nun braucht es auch noch die entsprechenden Änderungen im Verwaltungsrat – bis an die Spitze.

Eine Aufspaltung der CS verbunden mit einer Fokussierung aufs Investmentbanking ist recht eigentlich nichts Neues. Der Schweizer Finanzexperte Beat Wittmann äusserte derlei Überlegungen bereits Ende 2012 in einem Interview mit finews.ch, aber auch später kam das Thema immer wieder aufs Tapet. 

Blick nach Asien

Wie erfolgreich sich das Investmentbanking-Geschäft der CS tatsächlich entwickeln kann, wird sich vermutlich zuerst in Asien zeigen, wo die Bank relativ unabhängig vom übrigen Konzern seit der Reorganisation operieren kann. In Fernost bestehen auch kaum Pläne, die Franchise einzugrenzen oder gar Personal abzubauen, wie finews.ch schon verschiedentlich berichtete. 

 

 

 

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Europas Zukunft steht auf dem Spiel
  • Bankchef muss auf 41 Millionen Dollar verzichten
  • Wohnen wie Leonardo DiCaprio
  • 1'000 Börsengänge – und hoffnungslos im Hintertreffen
  • Kahlschlag bei der Commerzbank
  • Deutsche Bank am Abgrund
  • Absturz eines Hedgefonds-Stars
  • 1MDB-Skandal: Nach DiCaprio auch Robert de Niro im Visier
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

Selection

Die zehn besten Steuerparadiese

Wohin, wenn man keine oder kaum Steuern zahlen will?

Selection

Selection

Wo Banker am meisten verdienen

Noch immer kommen die Investmentbanker beim Lohnvergleich im Banking gut weg.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Avaloq

Der Bankensoftwareentwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank will den britischen Versicherer Abbey Life an die Phoenix Life, eine Gesellschaft der Phoenix Group, verkaufen. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Phoenix Life 100 Prozent von Abbey Life zum Preis von 935 Millionen Pfund erwirbt. Abbey Life ist derzeit Teil der Deutschen Asset Management.

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

Fondsmarkt

Die Schweizer Fondbranche kratzt an der Billionen-Grenze. Wie der Branchendienst Swiss Fund Data vermeldete, erreichte das Vermögen der in der Schweiz gehandelten Anlagefonds letzten August rund 914 Milliarden Franken.

EIB

Die Europäische Investitionsbank finanziert die Forschung am Genfer CERN. Dies, indem sie dem Teilchenbeschleuniger eine Kreditfazilität von 250 Millionen Franken leistet. Das Geld wird zum Bau des nächsten CERN-Grossprojekts benötigt, dem High Luminosity Large Hadron Collider.

weitere News