Kevin Lu: «Vielleicht hänge ich hier ein paar Kuhglocken auf»

Kevin Lu, Partners Group

Kevin Lu, Partners Group

In der bedeutendsten Niederlassung der Partners Group ausserhalb der Schweiz herrscht zwinglianische Nüchternheit. Dunkle USM-Kuben, Glas und steriles Weiss dominieren das Grossraumbüro an der Robinson Road 71 in Singapur. Kalenderansichten der Schweiz – weisse Gipfel, Alpweiden – sorgen für spärliche Farbtupfer.

Das Understatement des Raums konstrastiert mit dem fulminanten Wachstum, das die Zuger Spezialistin für Privatmarkt-Investments im asiatischen Staatstaat hinter sich hat. Vor zehn Jahren startete die Partners Group in Singapur mit einem einzigen Mitarbeiter. Inzwischen sind es 240. Nur am Zuger Hauptsitz ist die Belegschaft grösser.

Nur Talente aus der Region

«Letztes Jahr stellten wir hier rund 40 Mitarbeitende neu ein», berichtet Kevin Lu, Leiter der Singapurer Niederlassung, mit sichtlichem Enthusiasmus. Damit entfiel rund die Hälfte des 2015 gruppenweit eingestellten Personals auf Singapur.

Lu, ein gebürtiger Chinese, der in den USA studierte und zum Investmentchef des Versicherungs-Arms der Weltbank aufstieg, rekrutiert dabei nach dem für Partners Group typischen Muster. Eingestellt werden ausschliesslich Talente aus der Region, zumeist junge Hochschulabgänger und Industrieexperten.

«Mit 1MDB haben wir nie geschäftet»

Sie zünden in dieser Welt aus Glas und Stahl ihre Finanzkarriere, und bedienen dabei eine potente Kundschaft. «Wir zählen zahlreiche Staatsfonds aus der Region zu unseren Kunden», sagt Lu, der neben seinen organisatorischen Aufgaben in Singapur wichtige institutionelle Mandate in der Region selber betreut.

Ein skandalumwittertes Vehikel fehlt jedoch in dieser Klientel: anders als diverse Schweizer Privatbanken zählen die Zuger nach eigenen Angaben den malaysischen Staatsfonds 1MDB nicht zu ihrer Kundschaft. «Mit 1MDB haben wir nie geschäftet», stellt Lu fest.

Mit dem flamboyanten Auftreten gewisser in den 1MDB-Skandal verwickelten Private Banker haben die Zuger Vermögensverwalter sowieso wenig gemeinsam.

Disziplin und Gründlichkeit

«Wir stellen eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen der Singapurer und Deutschschweizer Mentalität fest – den konservativen Umgang mit Risiken, Disziplin und Gründlichkeit», sagt Lu. Bei der fast ausschliesslich institutionellen Kundschaft, die ihre Gelder langfristig anlegen möchten, seien diese Werte erwünscht.

Sowieso sei Swissness in Asien gern gesehen, sagt Lu, der auch in der Geschäftsleitung der gesamten Partners Group sitzt. Entsprechend möchte er damit bei Kunden punkten – allerdings könnte seiner Meinung nach die Niederlassung etwas Auflockerung gebrauchen. «Ich hätte gerne eines unserer Sitzungszimmer, die in Partners-Group-Manier eher bescheiden gehalten sind, mit etwas Schweizer-Touch versehen – vielleicht hänge ich hier Kuhglocken auf.»

Positive Turbulenzen

Damit könnte er wohl bis ins Zuger Hauptquartier für Furore sorgen, wo Lu zufolge ansonsten meist eher Gelassenheit vorherrscht – auch angesichts der Börsenverwerfungen in Asien.

«Für das zukünftige Geschäft bin ich sehr zuversichtlich. Die Partners Group hat eine genaue Vorstellung davon, wie das Unternehmen über die nächsten fünf Jahren ausgebaut werden soll», sagt der Singapur-Chef.

«Die Volatilität an den Börsen oder die Negativzinsen auf Anleihen sind sogar positiv zu werten, da sie die Attraktivität von langfristigen Privatmarkt-Investments weiter erhöhen», so Lu weiter. Institutionelle Investoren würden da erkennen, dass solche Anlagen ihnen helfen, ihre Renditen zu optimieren.

Weitere Niederlassungen in Asien

Tatsächlich konnte die Partners Group letztes Jahr die verwalteten Vermögen um mehr als 20 Prozent auf 46 Milliarden Euro steigern, während die Einnahmen um 8 Prozent wuchsen. Für 2016 rechnet das Zuger Hauptquartier damit, dass die Nachfrage seitens der Kunden Bestand haben wird.

Was das für Asien heisst, mag Lu bloss andeuten. «Wir können uns eine weitere Expansion vorstellen und demnach unsere Anzahl der Niederlassungen erhöhen.» Der Standort Singapur soll dabei aber zumindest personell nicht mehr so aggressiv zulegen wie bisher, gibt er zu bedenken.

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