Deborah Shire: «Es war das Rezept für ein Desaster»

Deborah Shire, AXA Investment Managers

Deborah Shire ist eine der 100 einflussreichsten Frauen in der Finanzbranche und verwaltet für Axa Investment Managers riskante Kreditportfolios.


Frau Shire,  fremdfinanzierte systembedingte Kreditrisiken, wie Sie sie bei Axa Investment Managers (Axa IM) anbieten, sind der Allgemeinheit nicht als attraktive Anlageklasse bekannt – eher als Zeitbomben, die in der Finanzkrise hoch gingen.

Das mag stimmen. Aber die Vorgänge, die zum Platzen der US-Hypothekarblase führten, und der Structured-Finance-Bereich bei Axa IM haben keine Gemeinsamkeiten. Vor der grossen Krise wollten Investoren Rendite um jeden Preis. Sie setzten dabei auf komplexe Kreditpapiere wie Subprime.

Die Produkte wurden falsch ausgewählt und verpackt. Der Informationsstand der Investoren und Vehikel war schlecht – es war das Rezept für ein Desaster. Axa IM verfügt dagegen über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich Structured Finance und übt einen disziplinierten Ansatz aus.

Was genau ist unter dem Obergriff «Structured Finance» zu verstehen?

Eine genaue Definition gibt es meines Wissens nicht. Aber im Prinzip handelt es sich um Anlagen und Einnahmequellen ausserhalb des traditionellen Anleihenmarktes. Bei Axa IM sind dies Bankkredite und Darlehen, private Direktkredite, verbriefte Kreditprodukte, Collaterized Loan Obligations (CLO) und Asset Backed Securities – inklusive Hypothekarkredite, Studentenkredite und Kreditkartenschulden.

«Ich habe 77 Leute in meinem Team»

Zudem bieten wir in meiner Einheit auch verbriefte Versicherungsrisiken (Insurance Linked Securities) an. Dabei handelt es sich zwar nicht explizit um Kreditrisiken, aber das Segment ist aus Diversifizierungsgründen attraktiv.

Axa IM führt seit dem Jahr 2000 den Bereich Structured Finance. Wie kamen Sie durch die Finanzkrise?

Verhältnismässig gut, einzig die Preise unserer Assets haben natürlich gelitten. Aber Axa IM blieb vielen der heiklen Asset-Klassen fern. Wir verwalten heute 22 Milliarden Euro im Bereich Structured Finance. Ich habe 77 Leute in meinem Team, hauptsächlich Analysten und Portfoliomanager. Das zeigt, dass Investoren das Vertrauen in diese Anlagen nicht verloren haben.

Dennoch: Sie verkaufen institutionellen Kunden, die in der Regel sehr risikobewusst sind, komplizierte Anlagen, welche Banken nicht mehr in ihren Bilanzen wollen. Wie gehen Sie da vor?

Im Prinzip wie in jedem anderen Anlageprozess auch. Wir sind transparent in unserem Angebot wie auch bei Liquidität der Produkte. Wir verfügen über einen langen und guten Track Record was die Kreditselektion wie auch die Performance betrifft. Die meisten unserer Kunden gehen zunächst durch eine sehr tiefe Due Diligence. In der Zusammenarbeit mit institutionellen Kunden hilft uns sicherlich auch, dass der Axa-Konzern selber ein institutioneller Investor ist. Das schafft zusätzliches Vertrauen.

Sie gelten als eine der einflussreichsten Frauen im Bereich Finanzen weltweit. Welche Bedeutung hat dies für Sie?

Ich fühle mich sehr geehrt. Für Axa IM ist diese Auszeichnung auch enorm wichtig, denn Diversität hat in der Firma einen hohen Stellenwert. Axa fördert das Thema aktiv.

Warum?

Diversität hilft im Unternehmen und auch in den Teams, unterschiedliche Perspektiven zu fördern. Das ist insbesondere im Anlagegeschäft von Vorteil, wo verschiedene Blickwinkel, Meinungen und Expertisen von grosser Wichtigkeit sind.

«Man sollte diese Studien nicht generalisieren»

Axa ist ein Unternehmen mit einem vergleichsweise hohen Frauenanteil im Top-Management. Er liegt bei rund 25 Prozent.

Frauen sind gemäss diversen Studien die besseren Investoren als Männer: Sie denken langfristiger, sind bedachter bei der Risikonahme etc. Sie, Frau Shire, sind somit genau an der richtigen Stelle.

Ich kenne diese Studien auch, aber man sollte aufpassen zu generalisieren. Aber bei Axa ist es tatsächlich so, dass Frauen und Diversität gefördert werden, um den Investmentprozess zu verbessern. Es gibt Kunden, die auch deswegen Axa IM wählen. Diversität ist somit Teil der Strategie. Insofern ist es vielleicht kein Zufall, dass ich den Bereich Structured Finance leite.

Und sind Sie erfolgreich?

Wir haben unsere Benchmarks übertroffen, und wir gewinnen laufend neue Kunden und Vermögen. Vergangenes Jahr haben wir netto zwei Milliarden Euro Zuflüsse. Die Hälfte davon kam von bestehenden Kunden. Das zeigt, dass die Kunden den Langfrist-Charakter dieser Investments verstehen und schätzen.

Sind die schwierigen und zuletzt auch turbulenten Marktverhältnisse für Ihren Bereich ein Vorteil?

Absolut. Zahlreiche institutionelle Investoren dürfen aus regulatorischen Gründen nur geringer Volatilität ausgesetzt sein. Das treibt sie teilweise auch zu Structured-Finance-Anlagen. Im Tiefzinsumfeld suchen Investoren nach neuen Renditequellen.

Ein zweiter Treiber sind Banken, die Credit-Assets loswerden müssen.

Ja. Banken können manche dieser Assets nicht mehr effizient in ihrer Bilanz halten. Wir hingegen können damit handeln und sie managen. Ich erwarte insbesondere im Bereich Bank-Loans noch ein grosses Wachstum.

«Wir beobachten Banken, die sehr aggressiv im Markt tätig sind»

Das ist in den USA und in Europa ein Markt von 1,3 Billionen Dollar. Der Markt ist einfach zu gross, um ignoriert zu werden.

Das heisst, sie spüren zunehmend Konkurrenz?

Ja, alternative Assetklassen sind in diesem Umfeld stark gesucht. Unter den Anbietern sind Fonds oder auch Private-Equity-Firmen, die in den Bereich Structured Finance gehen. Und wir beobachten auch Banken, die sehr aggressiv im Markt tätig sind.

Allerdings ist es auch nicht gerade einfach, ein Structured-Finance-Geschäft aufzubauen. Es benötigt eine grosse Expertise und erfahrene Teams. Wir verlassen uns bei europäischen Bankkrediten beispielsweise nicht auf öffentliche Marktinformationen, sondern nur auf privat zugängliche.


Deborah Shire leitet seit September 2014 den Bereich Structured Finance bei Axa Investment Managers. Die Französin ist gleichzeitig Mitglied des Axa Executive Committees. Ihre Karriere beim französischen Versicherer startete Shire als Portfolio Managerin. Im Jahr 2000 war sie beteiligt am Aufbau des Structured-Finance-Bereichs.

Während ihrer Laufbahn war sie unter anderem auch Global Head of Business Development bei Axa Real Estate. Shire schloss ihr Studium an der Supaero (Ecole Nationale Supérieure de l'Aéronautique et de l'Espace) ab und hält ein Diplom als Finanzanalystin. Im Jahr 2015 wurde sie vom Finanzportal «Financial News» in die Liste der 100 einflussreichsten Frauen der Finanzbranche aufgenommen.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
mehr

SELECTION

Selection

So werden Sie ein guter Chef

Ausgezeichnete Fachkenntnisse reichen nicht. Diese sieben Punkte sind genauso wichtig.

Selection

Selection

Die zehn gröbsten Fehler im Lebenslauf

Diese Fehler sollten Bewerber im Curriculum Vitae tunlichst vermeiden.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

weitere News