Zweite chinesische Bank expandiert nach Zürich

ICBC (Bild: Shutterstock)

ICBC (Bild: Shutterstock)

Seit rund drei Monaten ist die China Construction Bank (CCB) in Zürich operativ, und zwar mit dem Kerngeschäft, Handelsgeschäfte in der chinesischen Währung abzuwickeln. Zürich hat so in Europa neben Frankfurt und London als drittes Finanzzentrum den Status eines Renminbi-Hubs erlangt.

Noch in diesem Jahr wird eine zweite chinesische Bank ihre Tätigkeit in Zürich aufnehmen. Dabei handelt es sich um die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC). Sie hat bei der Finma eine Banklizenz beantragt, wie Recherchen von finews.ch anlässlich der stars Chengdu Study Tour and Symposium in China ergaben.

Noch in diesem Jahr

Die Finma wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren. Hingegen bestätigte Hans-Peter Portmann, Nationalrat der FDP und Mitglied der Geschäftsleitung bei der liechtensteinischen LGT, die Informationen. Portmann war vergangenes Jahr mit einer Zürcher Delegation um den Finanzvorstand und heutigen Regierungsratspräsidenten Ernst Stocker nach Peking gereist. Dort hatte die Gruppe mit den Chefs der vier grössten chinesischen Banken Gespräche geführt und das Interesse für einen Offshore-Standort in der Schweiz sondiert. Mit Erfolg.

Gemäss Recherchen plant die ICBC bereits im kommenden September die Aufnahme ihrer Tätigkeit in Zürich – den Erhalt der Finma-Lizenz vorausgesetzt. Die ICBC ist gemessen an der Bilanzsumme die grösste Bank der Welt und gemäss Börsenkapitalisierung die zweitgrösste.

Beachtlicher Fussabdruck in Europa

Das Institut gilt als Privatunternehmen, doch hält das chinesische Finanzministerium auch nach dem Börsengang (IPO) von 2006 – damals der grösste IPO der Geschichte – noch eine substanzielle Beteiligung. Die ICBC ist auch die chinesische Bank mit dem bis dato grössten internationalen Fussabdruck. Allein in Europa ist sie in mehr als 20 Städten präsent und hat sich als das Institut für die Abwicklung von Cross-Border-Handelsgeschäften mit China etabliert.

Die ICBC in Zürich würde die Limmatstadt als Renminbi-Hub weiter stärken – doch geplant ist möglicherweise mehr, wie Portmann sagte: «Ich verspreche mir von der ICBC in der Schweiz recht viel: Neben dem weiteren Ausbau des Renminbi-Hub könnte die Bank auch Dienstleistungen im Wealth Management und für Pensionskassen anbieten.»

Ein global führender Wealth Manager

Tatsächlich haben die chinesischen Grossbanken ein enormes Interesse daran, Private Banking für chinesische Kunden und Pensionskassen aus der Schweiz anzubieten. Insbesondere die ICBC ist bestrebt, ihr Private Banking zu internationalisieren und eine globale Plattform aufzubauen.

Bereits 2008, als sie von den chinesischen Regulatoren die Bewilligung für Private-Banking-Services erhalten hatte, formulierte sie das Ziel, «einer der global führenden Wealth Manager» zu werden.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, selbst wenn die ICBC Private Bank einen sehr guten Ruf geniesst und rasant wächst. Die verwalteten Vermögen belaufen sich auf rund 125 Milliarden Dollar, was in etwa einer mittelgrossen Schweizer Privatbank entspricht.

Private-Banking-Hub Schweiz?

Im Ausland bietet die ICBC Offshore-Services an – die Kapitalausfuhr-Bestimmungen Chinas verhinderten bislang mehr. Portmanns Hoffnungen gehen aber weiter: Ihm schwebt ein Private-Banking-Hub Schweiz für chinesische Kunden und Pensionskassen vor. Dafür müssten die Schweiz und China aber ein zwischenstaatliches Abkommen treffen.

FDP-Politiker Portmann hat im Parlament bereits einen Vorstoss lanciert, um die Schweiz als weltweit ersten Onshore-Standort für chinesische Vermögensverwaltungs-Kunden zu positionieren. «Es wäre ein grosser Gewinn für den Schweizer Finanzplatz, wenn China die Kapitalausfuhr-Beschränkungen eigens für die Schweiz aufheben würde», so der Politiker und Banker.

Erfolglose Jahre

Chinesisches Private Banking in der Schweiz wäre allerdings kein eigentliches Novum. Branchenkenner erinnern an die Bank of China, welche 2012 nach vier erfolglosen Jahren in Genf die Reste ihres Schweiz-Geschäftes an Julius Bär verkauft und sich aus dem hiesigen Markt wieder zurückgezogen hatte.

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