Wird die Schweiz zur Cocos-Insel?

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Zürich, Bild Shutterstock

Das Unheil zeichnete sich letzten Februar ab. Damals fror der Markt für die von Banken ausgegebenen Pflichtwandelanleihen in Europa fast völlig zu.

Wie das geschehen konnte: Die auch als Coco-Bonds bezeichneten Papiere können im Krisenfall zu Eigenkapital gewandelt werden und so Bankenpleiten abfangen. Zur Kasse gebeten werden dafür die Gläubiger. Für das Wandlungs-Risiko zahlen die Banken letzteren einen relativ hohen Zins. Doch genau jene Zinszahlungen sahen die Investoren wegen der damaligen Marktverwerfungen plötzlich in Gefahr.

Am meisten sorgten sie sich um die Deutsche Bank, die 2015 einen Milliardenverlust erlitt und im Investmentbanking stark exponiert ist. Das setzte einen gefährlichen Domino-Effekt in Gang. Nicht nur die Kurse der Cocos kamen unter Druck, sondern auch die Aktien der einschlägigen Banken. Denn wenn ein Institut schon die Pflichtwandelanleihen nicht mehr bedienen kann – was geschähe dann im Krisenfall?

EZB unter Schock

Die Lage beruhigte sich seither. Aber bei der Europäischen Zentralbank (EZB), die künftig für die Stabiliät des europäischen Finanzsystems zu sorgen hat, sass der Schock offenbar tief. So tief, dass dort die Leiter des Single Supervisory Mechanism (SSM) das Vertrauen in die Cocos verloren haben. Das jedenfalls berichtete die britische «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig) unter Verweis auf anonyme Quellen.

Sollte die Insider recht behalten, hat das auch Konsequenzen für den Schweizer Bankenplatz. Wendet sich nämlich die EZB von den Cocos ab, verfolgt sie plötzlich einen ganz anderen Kurs als die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma). Diese hält weiter an den Instrumenten fest, wie die «Financial Times» berichtete.

Tatsächlich setzen nicht nur die Finma, sondern auch der Schweizer Bundesrat in seinen letzten Dezember geforderten Anpassungen der Eigenkapital-Bestimmungen (Too-big-to-fail) auf Pflichtwandelanleihen.

Eckpfeiler des Too-big-to-fail

So müssen die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS) bis 2019 eine Eigenkapital-Quote von mindestens 5 Prozent der Bilanzsumme vorweisen; hinzu kommen 3 bis 5 Prozent Wandlungskapital für den Krisenfall. Maximal 1,5 Prozent der Eigenkapital-Quote können dabei mit so genannten Additional-Tier-1-Instrumenten (AT1) bestritten werden – eine moderne Form von Cocos.

Entsprechend planen UBS und CS mit den Pflichtwandlern. Beide Institute wollen Ende 2019 den maximal erlaubten AT-1-Anteil von 1,5 Prozent der Eigenkapital-Quote ausweisen. Ebenfalls dürfen sich die Grossbanken bis dahin bestehende Pflichtwandler anrechnen lassen – das so genannte «Grandfathering» macht Milliarden von Franken aus, wie finews.ch berichtete.

Rasch wird klar: Die Cocos sind ein Eckpfeiler der Schweizer Too-big-to-fail-Architektur.

Einmal mehr isoliert

Angesichts des Umstands, dass bald nur noch die Bank of England zu den Verfechtern der Instrumente zählen könnte, droht die Schweiz in Europa einmal mehr isoliert dazustehen. Mit schwer abschätzbaren Folgen insbesondere etwa für die hiesigen Grossbanken, die in der Region ein bedeutendes Geschäft unterhalten.

Ist der «Financial Times» zu glauben, haben jedenfalls die Konkurrenten von der Deutschen Bank dem Druck der EZB schon nachgegeben. Demnach sollen die Gespräche zwischen dem Institut und der Zentralbank dazu geführt haben, dass die Deutschbanker künftig keine neuen Cocos mehr ausgeben.

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