Credit Suisse: Grosser Showdown am Freitag?

Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse (links), Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident

CEO Tidjane Thiam (links), Verwaltungsratspräsident Urs Rohner (Bild: Keystone)

Die Generalversammlung der Credit Suisse am kommenden Freitag birgt enorm viel Sprengstoff. Hier sind siebe heikle Punkte.


1. Goldene Fallschirme kommen schlecht an

Für Zündstoff unter den Aktionärinnen und Aktionären werden die millionenschweren Abgangsentschädigungen ehemaliger Topkader der Credit Suisse (CS) sorgen. Rund 21 Millionen Franken sollen allein der ehemalige CEO Brady Dougan und vier weitere einstige Kader erhalten haben, wie auch finews.ch berichtete.

Umstritten ist dabei vor allem der «Goldene Fallschirm» für Dougan, der bereits während seiner achtjährigen Amtszeit fürstlich honoriert wurde, es aber verpasste, die Credit Suisse auf Erfolgskurs zu halten respektive die Eigentümer für ihr Engagement zu belohnen. Seit Dougans Abgang im vergangenen Sommer ist der Kurs der CS-Aktien um zwei Drittel eingebrochen.

  • Erkenntnis: Vorläufig deutet nichts auf eine Erholung des Aktienkurses hin.

2. Begrüssungs-Millionen kommen aus der Mode

Für hitzige Debatten wird sicherlich auch der grosszügige Lohn des aktuellen Konzernchefs Tidjane Thiam sorgen. Sein genaues Gehaltspaket ist nicht bekannt, aber es tendiert (auf ein Jahr hochgerechnet) gegen 20 Millionen Franken. Ein Grossteil davon, nämlich 14,3 Millionen Franken sind Kompensationen für entgangene Boni bei seinem früheren Arbeitgeber Prudential.

Solche «Begrüssungs-Zahlungen» sind zwar in der Finanzbranche üblich, stossen bei Aktionärinnen und Aktionären aber zunehmend sauer auf. Der Lohn Thiams für das erste Halbjahr seiner Amtszeit wäre noch höher ausgefallen, hätte er seinen Bonus nicht selber um 40 Prozent gekürzt hätte.

  • Erkenntnis: Dass Thiam für die kurze Zeit, die er nun im Amt steht, überhaupt einen Bonus erhielt, ist fragwürdig. Dass es auch anders geht hat der Deutsche-Bank-CEO John Cryan bewiesen. Er und seine Geschäftsleitungs-Kollegen verzichteten komplett auf einen Bonus.

3. Beginnt eine neue Ära, die eine alte ist?

Firmenhistorisch wird vor allem die Wahl von Alexander Gut in den Verwaltungsrat der CS für einiges Aufsehen sorgen. Immerhin ist er der Sohn von Rainer E. Gut, nach Bankgründer Alfred Escher ohne Zweifel der Übervater der Credit Suisse. Denn niemand hat die Bank so stark geprägt wie Gut.

Per se spricht nichts dagegen, dass der ausgewiesene Wirtschaftsexperte Alexander Gut seine Karriere als Verwaltungsrat (Adecco, LafargeHolcim) ausbaut und bei der CS in den Audit-Ausschuss sowie ins Aufsichtsgremium der Schweizer Bank gewählt werden soll. Trotzdem wird sich Gut stets Vergleiche mit seinem Vater gefallen lassen müssen. Vor allem wenn er möglicherweise schon bald das Präsidium der gesamten Bank übernehmen sollte, um einen sichtlich geschwächten Urs Rohner abzulösen.

  • Erkenntnis: Es gibt gute Argumente, dass Alexander Gut nach seiner Wahl in den Verwaltungsrat der CS mittelfristig gar zum Präsidenten der Credit Suisse aufgebaut wird.

4. Harte Zeiten für den Präsidenten

Den derzeitigen CS-Präsidenten Urs Rohner wird die Generalversammlung am Freitag kein Sonntagsspaziergang werden. Einerseits wird er sich enorm viele kritische Fragen zur vergangenen Ära unter der operativen Ägide Dougans anhören müssen, zumal er viel zu lange tatenlos zugesehen hat, wie der CS-Tanker zusehends an Fahrt verlor, und andernseits ist es Rohner nicht gelungen, Nachfolger Thiam so zu installieren, dass er das Vertrauen der Aktionärinnen und Aktionäre wie auch der Finanzgemeinde geniesst.

Und spätestens seit dem kürzlichen Milliarden-Abschreiber in der Sparte «Global Markets», bei der sich Rohner und Tidjane die Verantwortung gegenseitig (indirekt) in die Schuhe schoben, sind die beiden Top-Vertreter der CS vermutlich keine «Best Friends» mehr.

  • Erkenntnis: Es wird interessant sein zu sehen, ob und wie sich Präsident Urs Rohner von der operativen Geschäftsentwicklung abgrenzt.

5. Tidjane Thiam in der Höhle des Löwen

Tidjane Thiam ist noch kein Jahr im Amt und bereits angeschlagen, wobei sich die Ereignisse, die zu diesem Zwischenfazit führen, in den vergangenen Monaten regelrecht überschlagen haben. Die Strategie, die er Ende Oktober 2015 präsentierte, musste er seither mehrmals überholen, ohne dass sie auch jetzt überzeugt.

Der frühere McKinsey- und Versicherungsmanager hat ohnehin einen schweren Stand in der Branche, weil ihm viele Experten das nötige Know-how fürs Banking absprechen – besonders nach seinem unglücklichen Einstand. Thiam hat den Vorteil, dass er noch frisch im Amt und dies seine allererste CS-GV sein wird, so dass er nicht gleich wieder abgesetzt werden dürfte.

  • Erkenntnis: Gelingt es Thiam nicht, das Ruder in den nächsten Monaten herumzureissen, könnten sich die Gerüchte, wonach die CS über einen renommierten Headhunter bereits wieder nach einem neuen Konzernchef Ausschau hält, bitterlich bewahrheiten.

6. Die Fronten laufen quer durchs Aktionariat

Die Stimmung im Vorfeld der Generalversammlung hat sich sichtbar aufgeheizt. Bereits haben sich Stimmrechtsvertreter wie die Schweizer Ethos oder die amerikanische Glass Lewis kritisch zu Wort gemeldet. Beide stören sich vor allem an der Vergütungspraxis der CS. Insbesondere das Votum von Glass Lewis hat Gewicht; die Aktionärsberaterin hat 1'200 Kunden, die Vermögen von mehr als 2'500 Milliarden Dollar verwalten.

Anders als bei den Stimmrechtsvertretern blieb es im Lager der CS-Grossaktionäre bisher fast verdächtig still. Weder die Qatar Holding noch das saudische Konglomerat Olayan oder der norwegische Staatsfonds wendeten sich an die Öffentlichkeit. Die US-Beteiligungsfirma Harris Associates stärkte kürzlich dem CS-Management gar den Rücken, während sich der weltgrösste Vermögensverwalter Blackrock bedeckt hielt.

  • Erkenntnis: Das Schweigen der Grossen mag daran liegen, dass sie gegen ihre Entscheide opponieren müssten – etwa die Katari, die mit Jassim Bin Hamad J.J. Al Thani im Verwaltungsrat sitzen. Und nicht wenige Grossaktionäre leben als Eigner von Pflicht-Wandelanleihen und ehemaliger CS-Immobilien bestens von den Zinsen, die ihr Engagement bei der Grossbank abwirft – sogar dann, wenn die CS-Aktie im Keller ist.

7. Folgt die grosse Abrechnung?

Die Entwicklung innerhalb der Credit Suisse verläuft mittlerweile dermassen hektisch, dass selbst anlässlich einer Generalversammlung überraschende Ansagen nicht auszuschliessen sind. Zuletzt geschehen vor einem Monat, als CEO Thiam nicht nur über die weitere Restrukturierung informierte, sondern aus heiterem Himmel gleich noch eine Gewinnwarnung mitlieferte.

  • Erkenntnis: Die CS könnte abermals News zum Geschäftsgang vermelden – oder über einen Wechsel in der ramponierten Führung berichten. Im Brennpunkt steht insbesondere die vom amerikanischen Investmentbanker Timothy O’Hara geführte Sparte «Global Markets», die im vergangenen Herbst angeblich noch florierte, wo aber unlängst ein milliardenhoher Abschreiber plötzlich vonnöten war.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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