Erich Pfister: «Wir mussten 20 Prozent der Berater auswechseln»

Erich Pfister, Falcon Private Bank

Erich Pfister, Falcon Private Bank

Vor anderthalb Jahren ist Erich Pfister bei der Schweizer Falcon Private Bank eingestiegen. Exklusiv mit finews.ch spricht der Private-Banking-Chef erstmals über die einschneidenden Umbauten bei dem Unternehmen sowie über seine Ambitionen in Asien, Afrika und der Schweiz – und warum Compliance in Schwellenländern ein Hauptthema der Schweizer Banken sein muss.


Herr Pfister, vor anderthalb Jahren wollten Sie Falcon nach eigenen Worten als die führende Schweizer Privatbank mit Zugang und Expertise zu Schwellenmärkten etablieren. Ist das Ziel in Griffweite?

Wir sind zumindest auf sehr gutem Weg. Wir haben in einigen Bereichen Veränderungen vorgenommen seit meinem Antritt, nicht zuletzt in der Struktur. So habe ich einige neue Leute in die Bank gebracht und die Führungsebene in Zürich, London und Singapur neu besetzt. Zudem mussten wir rund 20 Prozent der Kundenberater an der Front auswechseln.

Sie haben einen Augias-Stall angetroffen?

Das war sehr viel Arbeit, keine Frage. Es galt, die Bank, die über einen guten Kern verfügte, auf das nächste Level zu führen. Mittlerweile verfügt die Falcon Private Bank über eine stärkere Verkaufsorganisation mit besser ausgebildetem Personal. Letztes Jahr haben wir zudem sämtliche Kundenberater durch einen Zertifizierungsprozess geschickt und die Zusammenarbeit zwischen der Front und der Produkteschmiede verbessert. Jetzt zeigt sich, dass wir ein viel breiteres Kundenfeld ansprechen können.

«Mittlerweile verzeichnen wir einen positiven Neugeldzufluss»

Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder?

Die Umbauten werden uns sicher noch weitere zwölf Monate beschäftigen. Seit Anfang Jahr sehen wir eine klare Verbesserung unserer Aktivitäten. Alles in allem betreuen wir inzwischen Vermögen von 18 Milliarden Franken, 14 davon unter aktiver Verwaltung.

Aber die Bank zieht Neugeld an?

Natürlich kam es infolge der Aufräumarbeiten auch zu Abflüssen. Zudem ist Falcon der Weissgeld-Strategie verpflichtet und richtet auch ihre Kundenbeziehungen nach diesen Vorgaben aus. Mittlerweile verzeichnen wir einen leicht positiven Neugeldzufluss – und wir werden weitere Kundenberater einstellen.

«Zum Thema 1MDB habe ich nichts anzufügen»

Da muss es Sie schmerzen, dass Falcon zuletzt in Zusammenhang mit dem Geldwäsche-Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB in die Schlagzeilen geriet. Rechnen Sie noch mit einem Enforcementverfahren gegen die Bank in der Schweiz oder im Ausland?

Dazu kann ich nur sagen, dass wir unserer bereits erfolgten und transparenten Kommunikation nichts anzufügen haben.

Sie spielen auf die Aussagen des Falcon-CEO Eduardo Leeman an. Sie selber sind einer der erfahrensten Schweizer Private Banker im Umgang mit Kunden aus Schwellenländern. Ist es ein Zufall, dass Schweizer Institute in Zusammenhang mit diesen Regionen immer öfter für Negativschlagzeilen sorgen?

Ich glaube nicht, dass das speziell ein Problem der Schweizer Privatbanken ist. Aber es trifft zu, dass die Sensibilität für solche Themen bei Schwellenland-Kunden zunimmt. So rückt der automatische Informationsaustausch von Kundendaten auch in diesen Regionen näher. In Indonesien, einem unserer Fokusmärkte in Asien, wird derzeit über eine grossangelegte Steueramnestie debattiert. Alles in allem könnte jene Entwicklung für das Swiss Banking gar ein Vorteil sein.

Wie das?

Schweizer Privatbanken haben sich im Steuerstreit mit Europa und den USA schon intensiv mit dem Thema beschäftigen müssen und haben die notwendigen Anpassungen vorgenommen. Wir haben die Expertise, die Kunden glaubhaft zur Transparenz zu erziehen. Das macht uns attraktiv.

«Ich muss Finma-Direktor Mark Branson recht geben»

Die Finanzmarktaufsicht Finma erklärte die Risiken im Banking mit Schwellenländern jedoch jüngst zum Schwerpunktthema. Offenbar gibt es doch noch Nachholbedarf, oder?

Ich muss Finma-Direktor Mark Branson insofern recht geben, als die Compliance in Schwellenland-Regionen tatsächlich ein Hauptthema der Schweizer Banken sein muss.

Weswegen?

Gerade das Abklären der Herkunft von Vermögen aus aufstrebenden Staaten verlangt den Banken viel ab. Da gibt es aufgrund der Entwicklung in diesen Ländern einige Graubereiche, die es kompromisslos zu durchleuchten und zu dokumentieren gilt. Wir nehmen dieses Thema sehr ernst und haben entsprechende Prozesse aufgesetzt. Allerdings gibt es eben auch Fälle, wo die Bank angelogen und missbraucht wird. Umso wichtiger ist es, lokales Personal einzustellen.

So?

Wir haben etwa in Singapur das bestehende Team um weitere Asiaten ergänzt. Diese sind bestens vernetzt und kennen die Region à fond. Deshalb habe ich die Weisung erlassen, dass alle neuen Offshore-Geschäfte mit asiatischen Kunden von Asien-Chef Febby Avianto in Singapur bewilligt werden müssen. So haben wir nun schon in einigen Fällen Risiken frühzeitig erkannt.

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