Fifa-Skandal: Schaut sich die Finma Julius Bär ganz genau an?

Fifa-Hauptsitz in Zürich, Bild Shutterstock

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Offenbar will die Finanzmarktaufsicht die Rolle von Julius Bär im Fifa-Skandal genauer durchleuchten. Dazu könnte sich die Behörde eines besonderen Instruments bedienen, wie Recherchen von finews.ch zeigen.

Für die Privatbank Julius Bär wird das Thema Fifa zum Dauerbrenner. Nachdem das Zürcher Traditionshaus bereits letztes Jahr im Skandal rund um den Weltfussballverband ins Rampenlicht gezerrt wurde, sorgte das Institut dieser Tage wiederum für Schlagzeilen.

Wie auch finews.ch berichtete, will offenbar ein ehemaliger Kundenberater der Bank Julius Bär mit den amerikanischen Ermittlern zusammenarbeiten. Bisher wurde weder der Privatbank noch anderen in der Affäre genannten Schweizer Instituten – so der UBS und der Credit Suisse – konkret etwas vorgeworfen. Der Verdacht von Geldwäsche und Korruption liegt aber in der Luft.

Plan um Prüfbeauftragte

Wie nun Recherchen von finews.ch in Schweizer Ermittlerkreisen zeigen, hat auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) den Fall Fifa noch nicht zu den Akten gelegt. Vielmehr plant die Behörde offenbar, sich die mutmasslich involvierten Banken nochmals ganz genau anzusehen.

Laut diesen Quellen geht es konkret darum, Prüfbeauftragte in die Privatbank zu entsenden. Damit würde die Finma im Fifa-Skandal eine weiteres Aufsichtsinstrument zum Einsatz bringen.

Julius Bär soll indes nicht als einziges Institut in «Genuss» dieser Massnahme kommen, wie weiter zu vernehmen war. Offenbar könnte die Finma auch bei anderen Instituten, zumal den beiden Schweizer Grossbanken, mit Prüfbeauftragten anklopfen.

Gegenüber finews.ch wollte sich die Behörde dazu nicht äussern. Julius Bär wollte den Fall Fifa auf Anfrage ebenfalls nicht kommentieren.

Geldwäscherei im Fokus

Ein Finma-Sprecher bestätigte jedoch, dass die Finanzmarktaufsicht mit verschiedenen Banken wegen Fragen rund um die Fifa in Kontakt stehe. Insbesondere werde abgeklärt, ob es Bezugspunkte zur Affäre gibt und wie die Banken die Bestimmungen des Schweizerischen Aufsichtsrechts in diesem Kontext umgesetzt haben.

«Es gehört zu den Aufgaben der Finma, in solchen Situationen im Rahmen der Aufsichtstätigkeit abzuklären, wie die Banken die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen – in diesem Fall insbesondere die in den Geldwäschereibestimmungen festgelegten Sorgfaltspflichten – einhielten», so der Sprecher weiter.

Gebräuchliches Werkzeug

Die Entsendung von Prüfbeautragten steht derweil ein gebräuchliches Instrument dar, um etwa internen Prozessen im Umgang mit solchen Pflichten auf den Grund zu gehen. Dazu werden im Bedarfsfall externe Spezialisten beautragt, um auch aufwändige Untersuchungen innert angemessener Frist abzuschliessen.

Finma-Beautragte werden öfters losgeschickt. Laut einer internen Statistik vergab die Behörde dazu in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt 117 Mandate.

Daten an die USA versandt

Im Skandal, bei dessen Aufklärung auch Schweizer Behörden eine bedeutende Rolle spielen, werden derzeit Bankverbindungen in über 40 Ländern untersucht. Die Schweiz, wo die Fifa ihren Hauptsitz hat, spielt dabei eine aktive Rolle. So wurden von hier aus rund 80 Millionen Dollar auf insgesamt 13 Bankkonten gesperrt, wie das Bundesamt für Justiz (BJ) bereits Ende letzten Jahres mitteilte. Ebenso wurden Daten bei zehn verschiedenen Banken in der Schweiz erhoben und Beweismittel an die US-Behörden übermittelt.

Julius Bär wiederum hat beträchtliche Anstrengungen angestellt, um die Affäre intern aufzuarbeiten, wie es in Ermittlerkreisen heisst – und damit auch potente Kanzleien beauftragt. Dies könnte mithin ein Grund sein, warum das Institut nun bei der Finma zuerst «an die Reihe» kommt.

Letzten Februar gab CEO Boris Collardi bekannt, dass das Institut in einer Anklageschrift (Indictment) von US-Behörden gegen Fifa-Funktionäre namentlich erwähnt worden sei. In derselben Anklage wurden zahlreiche andere Institute genannt, darunter die UBS und die CS.

Noch immer kein Schlussstrich

Ebenfalls gab der Bär-Chef damals an, einen Angestellten im Zusammehang mit dem Fifa-Skandal freigstellt zu haben. Laut Kennern des Falls ist dies derselbe Banker, der nun mit den US-Behörden kooperiert.

Julius Bär informiert am Donnerstag, 19. Mai, zum Geschäftsverlauf in den ersten vier Monaten des Jahres.

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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