So wird Fintech vom Feind zum Freund

Robert Freitag, Geschäftsführer Sutor Bank

Im Schweizer Private Banking tut man sich schwer mit der Fintech-Welle. Und manchem Institut droht, von der Entwicklung abgehängt zu werden. Wie es anders geht, zeigt eine kleine Privatbank in Hamburg.

Ungewöhnlich ist die Sutor Bank schon von der Philosophie her: Sie nennt sich «Privatbank für alle». Und das wird umgesetzt: Im Rahmen seiner «demokratisierten Vermögensverwaltung» bietet das Hamburger Traditionshaus fondsbasierte Leistungen bereits ab monatlichen Einzahlungen von 34 Euro an. Kapitalaufbau gibt es ab 50, Vermögensverwaltung ab 100 Euro.

Und die unabhängige und inhabergeführte Bank läuft nicht nur gut, sie gilt gemäss verschiedenen Bankentests auch als eine der besten Vermögensverwalterinnen Deutschlands.

Anders Denken

Andere Denkansätze und ein offener Blick auf zukünftige Trends und Entwicklungen scheinen bei der Sutor mit zur Philosophie zu gehören. Das Haus ist eines der ersten Deutschlands, welches auf ETF-Lösungen gesetzt hat – und ist ein Pionier in der Digitalisierung ihres Geschäftsmodells.

Fintech und die jungen ehrgeizigen Startups, die es darauf angelegt haben, den etablierten Banken Geschäfte abspenstig zu machen, gelten bei Sutor nicht als Feind. Die Bank setzt seit gut zwei Jahren voll auf die Karte Kooperation und hat dabei einen innovativen Weg gewählt.

Eine offene Plattform

Während sich andere Banken in Deutschland und in der Schweiz hauptsächlich auf die Rolle des Investors oder Inkubators konzentrieren, hat Sutor eine eigene Startup-Plattform gebaut.

Kern der Plattform ist eine selbst entwickelte Software, mit der sich die verschiedensten Geschäftsmodelle in den Bereichen Asset Management und Geldanlage entwickeln und realisieren lassen. Inzwischen hat Sutor die Schnittstellen auch zu seinem Core-Banking-System für Fintechs geöffnet.

Bereits die vierte Kooperation

Der Zweck: Fintech-Startups können alle abwicklungs- und bankspezifischen Prozesse Sutor überlassen und sich auf ihre eigene Entwicklung konzentrieren. Damit entfällt für Fintech auch der zähe und teure Bewilligungsprozess bei den Zulassungsbehörden. Drei Fintech-Kooperationen ist Sutor bislang eingegangen, mit fairr.de, Zinspilot und Finreach.

Am Freitag hat Sutor nun ihre vierte Kooperation bekannt gegeben: Die Bank arbeitet neu auch mit dem Berliner Robo-Advisor-Startup Growney zusammen. Die Premiere dabei ist, dass Growney der erste Partner ist, der die Partnerschnittstellen (API) zu der Sutor-Software tatsächlich nutzt.

Growney kann durch die Nutzung der API-Schnittstelle ihre eigenen Anlage-Portfolios anbieten, ohne über eine Banklizenz verfügen zu müssen.

Risiko übernehmen

Sutor ist damit rechtlich und technisch für das Growney-Angebot verantwortlich, führt die Depots und wickelt die Aufträge der Growney-Kunden ab. Die Geschäftsbeziehung geht aber deutlich tiefer: Sutor beteiligt sich über Beratungen an der weiteren Entwicklung der Geschäftsmodelle der Fintech-Startups – und trägt dabei auch unternehmerisches Risiko.

Denn nur im Erfolg eines Fintechs profitiert die Sutor Bank auch von den Erträgen. «Ähnlich wie Venture-Capital-Fonds gehen wir mit ins Startup-Risiko», wird Sutor-Geschäftsführer Robert Freitag in der Mitteilung zitiert.

Die kleine, 1921 gegründete Hamburger Privatbank macht demnach vor, was von vielen Experten und Marktbeobachtern als der Zukunftsweg von Banken und Fintechs beschrieben wird: Jenen der Kooperation, von der beiderlei gemäss ihren spezifischen Bedürfnissen profitieren können.

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

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