UBS: Jürg Zeltners Nummer zwei tritt aus dem Schatten

Paul Raphael

Paul Raphael

Die UBS betreut ab Anfang Juli reiche Europäer und wohlhabend Kunden aus Schwellenländern aus einer Hand, wie auch finews.ch kürzlich berichtete. Die Fäden dieser neuen Wealth-Management-Einheit laufen neu bei Paul Raphael zusammen, der zuvor von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt während sechs Jahren das Private Banking für Schwellenländer bei der grössten Schweizer Bank verantwortete.

Die nun neu fusionierte Einheit bündelt verwaltete Kundengelder von umgerechnet rund 540 Milliarden Franken und zählt über 2'000 Kundenberater. Zum Vergleich: In der Region Asien-Pazifik verwaltet die UBS unter der Leitung von Edmund Koh knapp 300 Milliarden Franken und in der Schweiz 190 Milliarden Franken.

Unter Ausklammerung der von Tom Naratil separat geführten Einheit Wealth Management Americas mit rund 1'000 Milliarden Franken an betreuten Kundengeldern steigt Raphael im Kerngeschäft der UBS zum zweitwichtigsten Mann nach Jürg Zeltner auf, dem globalen Leiter Wealth Management.

Das macht von den Zahlen her Sinn: Raphael verantwortet neu ein Viertel der gesamten UBS-Kundengelder. 

Sowohl Private- als auch Investmentbanker

Doch trotz seiner wichtigen Stellung innerhalb des Bankkonzerns trat Raphael bislang kaum in Erscheinung. Auch gab sich die UBS zu Fragen von finews.ch, die über seinen Lebenslauf hinausgehen, sehr wortkarg. 

Dass Raphael auf die neu geschaffene Position gesetzt worden war – und nicht der Europa-Chef Jakob Stott – kam wohl für viele überraschend. Auf den zweiten Blick ist es aber die logische Folge seines Werdegangs. Denn er verfügt über eine einzigartige Kombination aus Wealth-Management- und Investmentbank-Expertise mit Fokus auf die Schwellenländer.

Und gerade aus diesen Regionen erwartet die UBS künftig starke Neugeldzuflüsse. Denn die Dichte an schwerreichen privaten und institutionellen Kunden nimmt laufend zu. Und da kommt Raphaels Know-how ins Spiel.

Ein Sprachentalent

Bevor der 53-Jährige vor sechs Jahren als Verantwortlicher für die Schwellenländer zur UBS stiess, war er für die Credit Suisse (CS) in Hongkong stationiert, und zwar als Leiter des asiatischen Investmentbanking. Zuvor verantwortete er bei der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch die Region Osteuropa und für die nicht mehr existierende US-Konkurrentin Salomon Brothers das Investmentbanking in Lateinamerika.

Um die Kunden weltweit zu treffen, kommt ihm überdies seine Mehrsprachigkeit zu gute. Der britisch-libanesische Doppelbürger beherrscht die arabische, französische und englische Sprache und spricht fliessend portugiesisch und spanisch, wie es heisst.

Ein steiniger Weg

Dies alles kann Raphael gut bebrauchen, denn seine neue Charge wird nicht einfach: Im ersten Quartal 2016 flossen nur 700 Millionen Franken an Neugeldern aus den Schwellenländern zur UBS. Unter dem Strich verwaltet die UBS mit 150 Milliarden Franken rund 6 Milliarden Franken weniger als noch im Schlussquartal 2015.

In den aufstrebenden Regionen bleibt die Situation angespannt, wie Raphael kürzlich selber in einem Interview mit der Agentur «Bloomberg» zugab. «Viele Investoren in den Emerging-Market sind schockiert über die Markturbulenzen in den letzten Monaten», so Raphael. In der Folge würden die Kunden an der Seitenlinie verharren und kaum Risiken eingehen.

Für Libanon ins Zeug gelegt

Über Raphaels ausserberuflichen Aktivitäten ist bislang nur wenig in die Öffentlichkeit gedrungen. Er lebt in London und machte Anfang 2015 als Wohltäter von sich reden. Damals wurde er in das Board of Trustees der Lebanese International Finance Executives (LIFE) gewählt.

Die 2009 gegründete weltweit tätige Organisation ist eine Vereinigung von 850 libanesisch-stämmigen Finanzexperten, mit dem Ziel, Libanon humanitär und wirtschaftliche weiterzuentwickeln.

Ibqal Khan als Messlatte

Es wird sich zeigen, ob Raphael in seinem Job reüssiert. Sicher wird er mittelfristig an seinem Pendant Iqbal Khan, Leiter des International Wealth Management bei der CS, gemessen werden.

Denn die Geschäftseinheiten der beiden Schweizer Grossbanken sind neu sehr ähnlich aufgestellt. So sind sowohl Khan als auch Raphael für die Betreuung schwerreicher Kunden aus Europa und den Schwellenländer verantwortlich.

 

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