BSI-Skandal: Alarmstimmung in Singapur

Marina Bay, Singapur (Bild: shutterstock.com)

Die Schliessung der Tessiner Bank BSI verursacht bei anderen Finanzinstituten in Singapur höchste Nervosität. Sie fürchten, dasselbe Schicksal zu erleiden – was laut Risikoexperten auch jederzeit möglich ist.

Die Finma zieht bei der Banca Svizzera Italiana (BSI) 143 Jahre nach der Gründung den Stecker. Dieselbe Anordnung erteilte die Singapurer Finanzbehörde (MAS) in Singapur: Die BSI darf fortan nicht mehr geschäften.

Diese Meldung schlug in Singapur ein wie eine Bombe und schreckte die lokale Finanzgemeinde auf, wie nie zuvor. Auch der Singapurer Finanzaufsicht MAS ist dieser Fall äusserst unangenehm, denn er ist ein Sabotageakt am Saubermann-Image, mit dem sich der Stadtstaat als Finanzplatz positioniert hat.

Singapurer Aufsichtsbehörde macht Tempo

Mit der angeordneten Schliessung der BSI-Niederlassung in Singapur will die MAS ein Zeichen setzen und gleichzeitig ein Exempel statuieren: Wer Verordnungen missachtet, der kann einpacken, lautet die Botschaft.

Aufs Tempo drückt die MAS auch hinsichtlich der Untersuchungen gegen sechs ehemalige und teils noch angestellte BSI-Banker – unter ihnen der ehemalige Leiter der BSI Singapur Hanspeter Brunner oder Yak Yew Chee, der frühere Kundenberater mit den Beziehungen zum malaysischen Staatsfonds 1MDB.

Gegen einen der sechs Betroffenen, Yeo Jiawei, hat die Staatsanwaltschaft von Singapur bereits Anklage wegen diversen Vergehen erhoben, wie die MAS am Dienstag mitteilte. Der ehemalige BSI-Finanzplaner wird laut Finanzkreisen bald vor Gericht erscheinen müssen.

Nervosität und Verzweiflung

Die entschiedene Vorgehensweise der MAS schreckt die Vermögensverwalter vor Ort auf. Sie überprüften nun hektisch ihre Kundenliste und suchten nach möglichen Risikokandidaten, sagte ein in Singapur ansässiger Risiko-Spezialist gegenüber dem Branchenportal «FinanceAsia» (Artikel bezahlpflichtig).

Sie müssten befürchten, dass sie dasselbe Schicksal ereilt wie die BSI. Und dies könnte durchaus eintreffen. Was der BSI passiert sei, könne jeder anderer Firma auch passieren, sagte Velisarios Kattoula von Poseidon Research.

Hinzu kommt: Die von «FinanceAsia« zitierten Risikospezialisten attestierten den Banken Überforderung bei der Due-Dilligence-Prüfung. Sie hätten die notwendigen Kontrollen bislang nur halbherzig durchgeführt.

Erhöhtes Risiko bei Zukäufen

Insbesondere bei Finanzinstituten, die in Asien stark über Zukäufe gewachsen sind, besteht ein erhöhte Gefahr, dass sich kritische Kunden oder gar illegale Gelder «einschleichen». Denn bei Übernahmen lassen sich «schwarze Schafe» nie zweifelsfrei ausschliessen. 

In der Vergangenheit haben einige Schweizer Institute asiatische Kundenvermögen aufgekauft. So schluckte die Union Bancaire Privée vor gut einem Jahr die Privatbank Coutts International mit asiatischen Kundengeldern in der Höhe von 12 Milliarden Dollar. Pikant: Auch die Coutts Private Bank hat Geschäfte mit 1MDB getätigt.

Julius Bär hat kürzlich die Integration des Privatbank-Geschäfts der Bank of America Merrill Lynch abgeschlossen. Die Übernahme trug dazu bei, dass mittlerweile die Hälfte aller Kundenvermögen von Julius Bär aus Schwellenländern stammt – vor allem aus Asien, wie auch finews.ch berichtete.

Auch lokale Player wie die DBS mit Sitz in Singapur haben mit Übernahmen auf sich aufmerksam gemacht. So kauft die Singapurer Bank die Société Générale (Private Banking).

Konsolidierung auf Stand-by?

Ob das Übernahmekarussell in gewohnten Tempo weiter dreht, darf aber bezweifelt werden. Denn die Banken werden sich nach dem BSI-Skandal zweimal überlegen, Übernahmen zu tätigen.

 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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