J.P. Morgan: Neuer Dresscode bringt Bankerinnen in die Bredouille

(Bild Shutterstock)

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Der neue Dresscode der amerikanischen Investmentbank J.P. Morgan findet bereits viele Anhänger, bis hinauf zu CEO Jamie Dimon, der mittlerweile fast so häufig ohne wie mit Krawatte zu sehen ist, wie sich jüngst auch in London zeigte.

Allerdings ist es nicht so, dass die Wall Street nun kleidungsmässig zum Silicon Valley mutiert – selbst wenn J.P. Morgan die Ideen für die gelockerten Vorschriften zu einem grossen Teil bei den Fintech-Leuten in Kalifornien abkupferte. Auch unter den neuen Bedingungen kann niemand im Schlapperlook, den er möglicherweise am Wochenende trägt, zur Arbeit erscheinen.

Dresscodes sind und bleiben allerdings auch eine heikle Angelegenheit, wie 2010 die Schweizer Grossbank UBS erfahren musste. Sie löste damals einen medialen Sturm der Entrüstung aus, nachdem sie im Rahmen allgemeiner Verhaltensrichtlinien ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter anderem vorgeschrieben hatte, über Mittag keine Speisen mehr mit Knoblauch zu verzehren sowie bei der Arbeit keine farbige oder sonstwie sichtbare Unterwäsche zu tragen, wie auch finews.ch berichtete.

Wie viel Haut?

J.P. Morgan hat diese Fehler nun nicht wiederholt. Im Gegenteil, der neue Dresscode der US-Bank findet bereits in weiten Teilen der Firma seine Anwendung; insbesondere unter männlichen Angestellten, die statt im klassischen Zweireiher, nun zum Veston ein offenes Hemd oder gar ein Polo-Shirt tragen – solange sie nicht unmittelbar mit Kunden zu tun haben.

Für Frauen hingegen entpuppt sich die neue Situation als eine wahre Gratwanderung; fortan in Caprihosen, Peeptoes und selbst mit Einwilligung des Chefs in Jeans zur Arbeit zu erscheinen geht nach wie vor nicht – und zwar weil viele Frauen der Überzeugung sind, dass sie so falsche Signale aussenden würden – Signale, die ihre Kompetenz und Professionalität in Frage stellen könnten. Wie viel Haut «frau» zeigen soll, ist im Banking ohnehin heikel, zumal dieses Metier bis heute eine Domäne geblieben ist, die von Männern dominiert wird, und wo Frauen an der Spitze nach wie vor eine grosse Ausnahme sind.

Männer kaum betroffen

Vor diesem Hintergrund dürften die Anweisungen im Dresscode von J.P. Morgan, wonach «auffallende, enge, extrem weit geschnittene oder kurze Kleider» verboten sind, vor allem Frauen, aber kaum die Männer betreffen. In anderen Branchen bereits weit verbreitete transparente Blusen sowie tendenziell «kreative» Frisuren – was beispielsweise die UBS in ihrem Dresscode von 2010 ausdrücklich untersagte – bieten ebenfalls einiges an Konfliktpotenzial für Bankerinnen, die mit den neusten Frisuren-Trends wie «ombre», «dip-dye», oder «sombre» mithalten möchten.

Oder wie Christina Binkley, die eigentliche Mode-Instanz an der Wall Street, es unlängst auf den Punkt brachte: «Selbst unter gelockerten Kleidungsvorschriften wird keine Frau mit leuchtend bunten oder mit Blumenmustern-bedruckten Caprihosen zur Arbeit erscheinen. Banking bleibt eine sehr konservative Branche, in der ein sorgsam gepflegtes Erscheinen über alles zählt.»

Weg mit den Flip-Flops

In welche Fettnäpfchen manche Bankchefs mit ihren modischen Direktiven treten können, zeigte sich vergangenes Jahr auch in London, als Barclays-Präsident John McFarlane Flip-Flops aus sämtlichen Büros an der Canary Wharf verbannte – für besonders viel Unmut sorgte diese Ankündigung unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Kreditkarten-Abteilung, die im Gegensatz zu ihren Kollegen in der «Citi» zuvor besonders «entspannten» Kleidungsstil frönen konnten.

In einer Welt, in der Kaderfrauen – von Ministerinnen bis hin zu Meteorologinnen – oftmals nur daran gemessen werden, was sie gerade tragen, heisst es umso mehr auf Nummer Sicher zu gehen. Konkret bedeutet dies, dass Frauen gut daran tun, sich eine stilvolle Garderobe aus Einzelteilen zusammenzustellen, die sich beliebig kombinieren lassen, was letztlich auch die Kleiderwahl morgens vor dem Spiegel ungemein erleichtert. Und ja, das kann durchaus bedeuten, 15 gleiche oder zumindest ähnliche Blusen auf einmal zu kaufen.

Foulards, Broschen und Krawatten

Der viel zitierte UBS-Dresscode von 2010, der seinerzeit für allerhand Schlagzeilen sorgte, weil die Belegschaft unter anderem angehalten wurde, neutrale respektive hautfarbene Unterwäsche zu tragen, wurde recht eigentlich nie eingeführt. Längst hätten die Beschäftigten in den Filialen eine Auswahl an Accessoires wie Foulards, Broschen und Krawatten, um ihr Outfit individuell zu gestalten, wie eine Sprecherin gegenüber finews.ch präzisierte.

Heute kennen weder die UBS noch die Credit Suisse noch einen eigentlichen Dresscode. Die Beschäftigten sind vielmehr dazu angehalten, selber zu entscheiden, was stil- und geschmackvoll ist – oder eben nicht. Natürlich werden Kundenberater(innen) am Zürcher Paradeplatz oder an der Bahnhofstrasse auch künftig in edlem Tuch gewandet sein (müssen).

Mehr denn je eine Gratwanderung

Doch für alle Beschäftigten in den rückwärtigen Bereichen wie im Zürcher Üetlihof der Credit Suisse oder der UBS in Opfikon sind die Kleidervorschriften mittlerweile erheblich lockerer als noch vor wenigen Jahren. Doch gerade damit tun sich vor allem Frauen schwer, weil die Grenze zwischen professioneller Sachlichkeit und modischem Anspruch mehr denn je eine Gratwanderung ist.

«Wir überlassen es jedem Mitarbeitenden selber, wie er sich kleiden will», sagte eine UBS-Sprecherin gegenüber finews.ch, während ihr Pendant bei der Credit Suisse erklärte, der Kleidungsstil beruhe auf «ungeschriebenen Regeln» zwischen der Bank und ihren Beschäftigten.

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