Swiss Private Banking: Die grosse Zäsur ist da

Veränderungen in der Bankenlandschaft (Bild: Shutterstock)

Das Jahr 2015 war ein «annus horribilis» für die Schweizer Privatbanken: Im Branchendurchschnitt sind die Margen auf den verwalteten Vermögen von 88 im Vorjahr auf 77 Basispunkte gesunken, wie die Boston Consulting Group (BCG) anlässlich ihres «Global Wealth 2016» Reports errechnet hat.

Margen klein

Die Gewinnmargen der Banken sanken von 24 Basispunkten im Jahr 2014 auf 18 Basispunkte. Die Schwierigkeiten der Banken spiegelten sich in den vergangenen Jahren in der zunehmenden Konsolidierung.

Transformation beim Onshore-Geschäft angelangt

10 Prozent aller in der Schweiz gebuchten Kundenvermögen hätten in den letzten zwei Jahren ihren Besitzer gewechselt, hielt Matthias Naumann, Senior Partner von BCG, am Dienstag vor den Medien fest.

Seine Prognosen sind recht düster: Die Margen werden in den kommenden Jahren nochmals sinken, und als Folge werde die Bankenlandschaft weiter ausgedünnt. «Nach der Transformation des Offshore-Geschäftes folgt nun die Transformation des Onshore-Geschäftes», so Naumann.

Dass das Jahr 2015 eine Art Zäsur darstellt, hat sicherlich auch externe Gründe: Die Aufhebung der Euro-Untergrenze im Januar 2015 hat im Auslandgeschäft tätige Institute empfindlich getroffen.

Anstieg der Legal- und Compliancekosten

Doch sind es vor allem die unaufhaltsam steigenden Legal- und Compliance-Kosten, welche den Banken zusetzen. Allein 2015 stiegen diese nochmals um knapp 10 Prozent. «Banken werden auch weiterhin deutliche Investitionen in diesen Bereichen tätigen müssen, wenn sie in den Schwellenländern weiter Fuss fassen wollen», so Naumann.

Doch will dies gut überlegt sein: Denn nur mittels Skaleneffekten werden es Banken schaffen, Auslandsmärkte profitabel zu bewirtschaften. Das heisst: Legal- und Compliance-Strukturen müssen so funktionieren, dass sie für mehrere Auslandsmärkte anwendbar sind.

Minimum 3 Milliarden Franken

Naumann macht darum die Prognose, dass der Fokussierungsprozess der Banken auf weniger Auslandsmärkte, weniger Buchungszentren und weniger Kundengruppen sich fortsetzen wird. Rund 3 Milliarden Franken Kundenvermögen seien das Minimum für einen Offshore-Markt.

Im Schweizer Onshore-Markt setzt Naumann diese Marke bei 7 Milliarden Franken. Im Inland wetzen die Banken ihre Klingen für einen Kampf um höhere Marktanteile.

Mehr Marktanteile in stagnierendem Markt

Von Notenstein über Julius Bär, Lombard Odier, Credit Suisse und UBS – die Institute sehen im Heimmarkt noch unausgeschöpftes Potenzial. Obwohl die Zahlen etwas anderes sagen: Der Schweizer Private-Banking-Markt stagniert laut BCG bei rund 1,4 Billionen Franken verwalteten Vermögen und wird bis 2020 auf höchstens 1,6 Billionen wachsen.

Die Folgen eines laut Naumann einsetzenden Schweizer Verdrängungskampfes sind in erster Linie nur für die Bankkunden positiv: Sie werden tiefere Preise sehen und möglicherweise bessere Beratungs- und Serviceangebote. Banken hingegen würden massive Investitionen tätigen müssen – auch in qualifiziertes Personal, um welches erst noch härter gerungen werde. 

Massive Zunahme der Robo-Advisor

Ein guter Teil der Investitionen muss in den Digitalisierungsprozess fliessen. Denn Naumann beobachtet zunehmende Veränderungen im Schweizer Wealth-Management-Geschäft. Robo-Advisor und auch regelbasiertes Anlegen würden die Branche nachhaltig verändern, so Naumann.

Er erwartet in den kommenden Jahren eine massive Zunahme von Robo-Advise-Services, was massgeblich auf die Erlöse der Banken drücken werde. Naumann geht von einem Einnahme-Rückgang von 10 Prozent aus.

«Die Rolle des Kundenberaters wird sich fundamental ändern, und Banken müssen ihr Geschäftsmodell anpassen», so der Berater. Auch hier ist absehbar: Der Gewinner der Transformation ist in erster Linie der Kunde, der zu tieferen Preisen aus abgestuften Beratungsmodellen wird auswählen können.

Weniger Banken

Auch hier werden zu erzielende Skaleneffekte der entscheidende Wettbewerbsfaktor sein. Naumann macht dies an einem Chart deutlich. Dieser zeigt, dass die Cost-Income-Ratios (Kosten-/Ertragsverhältnis) der Banken tendenziell sinken, je mehr Kundengelder sie verwalten.
Banken klein

Der Schluss daraus ist klar: Gelingt es kleineren Instituten nicht, ebenfalls Skaleneffekte zu erzielen, werden sie in existenzielle Nöte geraten. Die Prognose Naumanns: «Die Anzahl Privatbanken in der Schweiz wird nochmals deutlich abnehmen.»

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • 1'000 Börsengänge – und hoffnungslos im Hintertreffen
  • Kahlschlag bei der Commerzbank
  • Deutsche Bank am Abgrund
  • Absturz eines Hedgefonds-Stars
  • 1MDB-Skandal: Nach DiCaprio auch Robert de Niro im Visier
  • Wird die Webseite Ihrer Firma gerade gehackt?
  • Von der Edelboutique zur Schnäppchenbude
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

Selection

Wie sich Angstkultur ausbreitet

Mehrere Tausend Stellen im Schweizer Bankgewerbe sollen verschwinden. Besonders betroffen davon ist das mittlere Kader.

Selection

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Ideen aus fünf Kontinenten für die Bank der Zukunft.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

Fondsmarkt

Die Schweizer Fondbranche kratzt an der Billionen-Grenze. Wie der Branchendienst Swiss Fund Data vermeldete, erreichte das Vermögen der in der Schweiz gehandelten Anlagefonds letzten August rund 914 Milliarden Franken.

EIB

Die Europäische Investitionsbank finanziert die Forschung am Genfer CERN. Dies, indem sie dem Teilchenbeschleuniger eine Kreditfazilität von 250 Millionen Franken leistet. Das Geld wird zum Bau des nächsten CERN-Grossprojekts benötigt, dem High Luminosity Large Hadron Collider.

Finma

Die Eidgenössische Finanzmarkt-Aufsicht Finma nimmt ihre digitale Zustellplattform in Betrieb. Diese ermöglicht es den Beaufsichtigten und Prüfgesellschaften, Jahresberichte und weitere Dokumente elektronisch einzureichen. Mit SuisseID lassen sich die Dokumente zudem elektronisch signieren.

UBS

Mit einer Performance von durchschnittlich 0,5 Prozent schnitten die Pensionskassen im August leicht besser ab als im Monats-Durchschnitt seit Jahresbeginn. Das stellte der «Pensionskassen-Barometer» der Grossbank fest.

weitere News