Herbert Scheidt vs. Pierin Vincenz: Neuauflage der Fehde?

Bild aus früheren Tagen: Pierin Vincenz, Herbert Scheidt (Keystone)

Das Kandidaten-Karussell um die Nachfolge von Patrick Odier als Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) dreht munter weiter. Der «Tages-Anzeiger» lancierte am Donnerstag mit Herbert Scheidt einen neuen Namen. Die «Neue Zürcher Zeitung» doppelte noch am Vormittag nach: Scheidt, der Verwaltungsratspräsident der Bank Vontobel, sei bereits gewählt.

Bestätigen tut auf Anfrage von finews.ch weder die Bankiervereinigung noch die Bank Vontobel. Doch Recherchen haben ergeben, dass eine Wahl Scheidts durchaus mehr als ein Gerücht ist.

Erfüllt die Kriterien

Die Findungskommission um Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner, Martin Scholl, CEO der Zürcher Kantonalbank sowie Yves Mirabaud, Partner der gleichnamigen Privatbank, hat den Vontobel-Präsidenten anhand einer ganzen Anzahl von Kriterien als möglichen Kandidaten herausgefiltert. Und er soll dem Amt nicht abgeneigt sein.

Wie bereits schon kolportiert worden ist, befand sich auch der frühere Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz im engeren Kreis der möglichen Odier-Nachfolger. Und nun wird es vermutlich Scheidt.

An ihnen ist eine Partnerschaft zerbrochen

Das birgt Zündstoff. Denn Vincenz und Scheidt waren sich lange spinnefeind.

An der Unnachgiebigkeit der beiden ist zwischenzeitlich auch die langjährige Partnerschaft zwischen Raiffeisen und Vontobel zerbrochen. Weil Raiffeisen die Notenstein Privatbank einverleibte und auch Grossaktionär beim Derivate-Spezialisten Leonteq wurde, zerrte Vontobel die Genossenschaftsbank vor ein Schiedsgericht, wo der gehässige Streit ausgetragen wurde.

Es geht um die Zukunft des Finanzplatzes

Mit dem Abgang von Vincenz entspannte sich auch das Verhältnis Vontobel-Raiffeisen sehr rasch. Die beiden Banken verlängerten ihre Kooperation und feierten kürzlich auch eine kleine Hochzeit: Vontobel übernimmt die Asset-Management-Tochter Vescore von Raiffeisen, wie auch finews.ch berichtete. 

Nun könnten Scheidt und Vincenz wieder aufeinander prallen. Doch dieses Mal stehen nicht die Geschicke zweier Banken auf dem Spiel, sondern eine Zukunft des Schweizer Finanzplatzes.

Tiefe Graben

Denn unter Odier ist die Bankiervereinigung nicht zu einer Einheit zusammengeschweisst worden, welche gemeinsame Interessen vertritt. In einem völlig veränderten regulatorischen Umfeld sind die Interessenkonflikte der Banken teilweise offen zutage getreten. Der Graben zwischen Grossbanken, Privatbanken und Inlandbanken ist noch tiefer geworden.

Dieser hat auch zum Entscheid geführt, dass erstmals nicht ein Basler oder ein Westschweizer Privatbankier das SBVg-Präsidium übernehmen wird, sondern ein Brückenbauer.

Zuzutrauen ist es beiden

Von ihm werden nicht nur Persönlichkeit und Erfahrung erwartet, sondern auch hervorragende Beziehungen im In- und Ausland sowie Zukunftsvisionen. Und nicht zuletzt, die Energie und auch die zeitlichen Kapazitäten, die Risse in der Bankiervereinigung erstens wieder zu kitten und zweitens die Mitglieder wieder auf eine Linie zu bringen.

Scheidt ist dies zuzutrauen. Der 65-jährige Vontobel-Präsident ist seit 2001 in der Schweiz tätig und hat auch die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen.

Gut vernetzt

Er hat die Bank Vontobel als CEO und auch als Präsident durch die unruhigen Fahrwasser der Finanzkrise geführt und ihr strategisches Profil mit ihren drei Standbeinen Private Banking, Asset Management und Strukturierte Produkte geschärft. Zudem ist er nicht Vertreter eines spezifischen Bankentyps.

Aufgrund seiner zahlreichen Mandate ist er sehr gut vernetzt: Scheidt ist im Verwaltungsrat der Helvetia, der SIX Group, des Nahrungsmittelherstellers Hero. Und er ist Vorstandsmitglied der Vereinigung Schweizerischer Assetmanagement- und Vermögens-Verwaltungsbanken (VAV). Zudem ist er Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Dem Zusammenhalt dienen

Die Frage, welche sich stellt ist: Kommt es mit Scheidt als Bankierspräsident und Vincenz, der in der Auswahl das Nachsehen hatte, zu einem neuerlichen Duell zwischen den beiden Bankern? Dem Zusammenhalt der Bankiervereinigung wäre jedenfalls gedient, wenn sich die beiden hinter die Interessen einer gemeinsamen Finanzplatzpolitik stellen würden.

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Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt.

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