UBS: Hilfe für indische Mädchen – in St. Moritz eingefädelt

Phyllis Kurlander Costanza, UBS Optimus

Phyllis Kurlander Costanza, UBS Optimus

Gutes tun und daran verdienen: Unter diesem Motto versucht die UBS ihre schwerreiche Kundschaft für gute Werke zu begeistern. Dabei zeigte sich die philanthropische UBS Optimus Foundation durchaus kreativ.

Just vor einem Jahr finanzierte die UBS-Stiftung nämlich aus eigenen Mitteln einen so genannten «Development Impact Bond», kurz DIB. Das Finanzinstrument soll die Ausbildung von Mädchen in der strukturschwachen indischen Provinz Rajasthan fördern. Der Clou dabei: Je mehr Schülerinnen ihre Lernziele erreichen, desto höher der Coupon der Anleihe.

Maximal zahlt der Wohltätigkeits-Bond einen Zins von 15 Prozent – ein fast astronomischer Wert im heutigen Tiefzinsumfeld. Das liefert Stoff für Kontroversen, wie finews.ch berichtete.

Keine Zufallsbekanntschaft

Auch deshalb, weil der Zins von einem unerwarteten Partner aufgebracht wird. Es ist die Children’s Investment Fund Foundation (CIFF), hinter der wiederum das Vermögen eines der gefürchtetsten Hedgefonds-Aktivisten steht: Der schwerreiche Brite Christopher «Chris» Hohn, der mit seinem Fonds «The Children's Investment Fund (TCI)» einst den Chef der Deutschen Börse zum Rücktritt zwang.

Die Grossbank UBS und die vom Profispekulanten gegründete Stiftung: ein ungewöhnliches Paar in der Philanthropie. Doch eine Zufallsbekanntschaft ist das nicht, wie weitere Recherchen von finews.ch zeigen.

Gemeinsam Millionen gestiftet

So haben die UBS-Stiftung und die CIFF schon einmal zusammengespannt. Im Jahr 2013 warf die CIFF im Rahmen des Projekts Global Nutrition for Growth Compact ganze 787 Millionen Dollar auf, um gegen die Unterernährung von Kindern anzukämpfen. Mit dabei waren nicht nur die britische und die brasilianische Regierung, wie das Portal «Philanthropy News Digest» berichtete. Sondern auch die UBS Optimus Foundation.

Diese kündigte damals die Zahlung von 15 Millionen Franken an. Mit dem Versprechen, über die nächsten acht Jahre weitere 65 Millionen Franken aufzubringen.

Hinter dem Versprechen stand bei der UBS-Stiftung schon damals Phyllis Kurlander Costanza (Bild oben). Die amerikanische Expertin mit Erfahrung im Gesundheits- und Bildungsbereich sowie im Stiftungsmanagement wechselte 2011 als CEO zu UBS Optimus, wie auch finews.ch berichtete. Zuvor war Costanza als Director of Leverage tätig gewesen – bei der CIFF. Dort sass sie auch acht Jahre im Stiftungsrat.

Eine teure Scheidung

Wie es in Philanthropie-Kreisen heisst, soll Costanza seither eine enge Freundschaft mit Hohns Ex-Frau Jamie Cooper-Hohn (Bild unten) verbinden. Im Jahr 2014 machte die Hedgefonds-Manager-Gattin Schlagzeilen, weil sie die damals teuerste Scheidung Grossbritanniens für sich entschied.

CooperHohn 500

Fast eine halbe Milliarde Franken musste Firmenschreck Hohn überweisen. Dies unter anderem, weil seine Ex-Frau glaubhaft darlegen konnte, dass sie am Aufbau der gemeinsamen Stiftung wesentlichen Anteil gehabt hatte.

Nach der Scheidung stoppten die beiden ihre Zahlungen an die CIFF, wobei sie laut der britischen Zeitung « Independent» dem Werk als Trustees verbunden blieben. Im Jahr 2015 war die Stiftung demnach 4,4 Milliarden Dollar schwer. Und damit ein Partner, den jeder gerne an seiner Seite weiss.

Daran sollte man sich bei UBS Optimus erinnern. Bei den Vorarbeiten zur DIB-Lancierung hatte die Grossbank-Stiftung nämlich ein Problem. Der Partner, der den Zins und die Rückzahlung der Anleihe garantieren sollte, stieg aus. Ersatz musste her.

«Absolut keinen Einfluss»

«Nachdem wir zahlreiche mögliche Kandidaten begutachtet hatten, fiel die Wahl auf die CIFF», berichtete UBS-Optimus-Kommunikationschef Ian Welle-Skitt gegenüber finews.ch. Dies wegen des guten Leistungsausweises der Stiftung, und weil deren Ziele mit jener des UBS-Werks am besten übereinstimmten.

Dass CEO Costanza für die CIFF gearbeitet hatte, habe hingegen «absolut keinen Einfluss» auf den Entscheid gehabt, versicherte Welle-Skitt.

Wie effektiv Costanza im Milieu der schwerreichen Philanthropen zu netzwerken weiss, hatte sich im DIB-Projekt allerdings schon vorher gezeigt.

Geboren wurde die Idee nämlich an einem Netzwerk-Event der Extraklasse: dem UBS Philanthropie Forum, das jährlich im noblen Wintersport-Ort St. Moritz für ausgewählte Kunden der Grossbank ausgerichtet wird. Laut dem Branchen-Portal «Devex Impact» war dort 2013 die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Safeena Husain (Bild unten) als Specherin geladen, die Chefin des indischen Hilfswerks Educate Girls (EG).

Husain 500

Ein Projekt voller Gegensätze

Costanza sei «beeindruckt gewesen» und habe sich sofort für das Bildungsprojekt von Husain begeistert. Wie sehr, das dringt auch in einem Blog-Beitrag von Costanza durch, in dem sie Husain als «bemerkenswerte Frau» bezeichnete.

Hilfe für indische Schülerinnen, im Alpenidyll von St. Moritz eingefädelt und durch das Vermögen eines Profispekulanten garantiert: Das DIB-Projekt ist tatsächlich voller Gegensätze.

Umso zieht das Pioniervorhaben der UBS-Stiftung die Blicke auf sich. In zwei Jahren, nach Fälligkeit der Anleihe, werden Chefin Costanza und ihre Partner an den Resultaten gemessen.

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