Grossbanken: Wer mit wem fusionieren sollte

(Bild: Shutterstock)

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Diverse Banken in Europa haben zu kämpfen – darunter auch die Credit Suisse. Nun bringen Finanzexperten verschiedene Grossfusionen ins Spiel, damit der Sektor wieder fit wird.

Die Finanzindustrie schien auf dem Weg der Besserung. Doch nun muss die Branche einige herbe Rückschläge einstecken. Neben dem Brexit versetzen zuletzt ein drohender Brankencrash in Italien und zunehmende Zweifel an der Heilung der Weltwirtschaft durch die Geldpolitik der Notenbanken die Investoren Angst und Bang.

Die Reaktionen an den Börsen folgten prompt: Die Banktitel wurden abgestraft wie selten zuvor. Die UBS-Aktie notierte auf Mehrjahrestief und die Papiere der Credit Suisse (CS) sackten zeitweise erstmals unter 10 Franken ab, wie auch finews.ch berichtete.

Steckt eine Industrie in solchen Nöten, werden nicht selten Rufe nach einer grossangelegten Konsolidierung laut. Darüber hat ein Cluster an Fusions-Experten, Analysten und Investoren gebrütet und folgende mehr oder minder realistische Fusions-Vorschläge präsentiert, wie die Nachrichtenagentur «Bloomberg» berichtet.

1. Wells Fargo kauft die Credit Suisse

Der amerikanische Finanzdienstleistungs-Riese Wells Fargo gilt als eine der gesündesten Banken weltweit und plant, ins Investmentbanking einzusteigen. Der beste Partner hierfür ist laut den Experten die Credit Suisse (CS).

Wells Fargo käme dadurch zu einer überschaubaren Investmentbank und hätte überdies Zugang zum Wealth Management der Schweizer Grossbank. Die beiden Finanzinstitute haben bereits früher miteinander kooperiert – allerdings mit mässigem Erfolg –, als die Credit Suisse ihr US-Brokerage samt Berater an die Amerikaner verkaufte. 

Ein Zusammenschluss der beiden Institute würde eine Marktkapitalisierung von rund 260 Milliarden Dollar auf die Waage bringen (siehe Tabelle).

Fusionen 500 

Gemäss CS-Konzernchef Tidjane Thiam bleibt eine Fusion ein Wunschtraum. Dieser schloss nämlich vor kurzem eine Zerschlagung der Bank oder eine grössere Übernahme aus.

2. Barclays kauft Deutsche Bank

Barclays-Chef Jes Staley fordert einen europäischen Champion im Investmentbanking, um der Dominanz der Amerikaner etwas entgegenzusetzen. Die beste Kombination ist gemäss den Finanz-Profis ein Zusammenschluss mit der Deutschen Bank.

Es entstünde die grösste Trading-Bank der Welt, wie die Experten ausrechneten. Zudem würde dadurch der Zugang zum EU-Markt für die in London ansässige Barclays gesichert.

3. Santander kauft Deutsche Bank

Damit liessen sich diverse Synergien schaffen. Mehr Retailbanking für die Deutsche Bank und neue Geschäftsfelder im Bereich Investmentbanking und Asset Management für Santander, welche Deutschland als Schlüsselmarkt hat.

Ein solcher Deal hat allerdings schlechte Karten, wie die Experten zugeben. So stiesse er wohl auf Widerstand der deutschen Politiker und Anna Botin, CEO von Santander, habe primär den Kapitalaufbau im Fokus und legte demzufolge Akquisitionspläne vorläufig auf Eis gelegt, hiess es.

4. J.P. Morgan kauft Standard Chartered

Für die neun Mal grössere amerikanische J.P. Morgan wäre es ein leichtes, die britische Standard Chartered mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 25 Milliarden Dollar zu übernehmen.

Mit einer Übernahme liessen sich die Erträge geografisch diversifizieren. Standard Chartered erwirtschaftet die Erträge mehrheitlich in Asien und AFrika, während J.P. Morgan stark auf die USA fokussiert ist.

5. ICBC kauft Standard Chartered

Auch die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), Chinas Branchenprimus, hegt laut Bericht Diversifikations-Pläne. An der Standard Chartered sind die Chinesen bereits beteiligt.

Für eine vollständige Übernahme müsste allerdings Temasek einwilligen. Der Staatsfonds aus Singapur ist der grösste Aktionär von Standard Chartered.

6. Société Générale kauf Unicredit

Zwischen der französischen und der italienischen Grossbank gibt es bereits eine enge Verbindung. Es ist Jean-Pierre Mustier. Dieser wurde vor kurzem zum CEO der Unicredit ernannt. Zuvor war der gebürtige Franzose Investmentbank-Chef bei der Société Générale (SocGen).

Ein Zusammenschluss käme beiden europäischen Grossbanken gelegen. Die Stärke der Unicredit in der Unternehmens-Finanzierung im deutschen und italienischen Markt liesse sich mit den Trading-Expertise von SocGen gut kombinieren, hiess es.

Schwer kalkulierbare Risiken

Fusionen bergen zahlreiche schwer kalkulierbare Risiken. Dies gilt insbesondere im Bankbereich, wo die Gefahr besteht, unentdeckte Risiken einzukaufen.

Oft fördern Fusionen am Ende nicht die erhofften Synergien zutage. Sinngemäss warnt Mark Williams von der Boston University: «Zeige mir eine erfolgreiche Bankfusion und ich zeige dir 20, die scheiterten».

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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