Credit Suisse: Schluss mit Onshore-Private-Banking in Russland

Moskau Geschäftsviertel (Bild: Shutterstock)

Moskau Geschäftsviertel (Bild: Shutterstock)

Die Credit Suisse gibt ihr Onshore-Private-Banking in Russland auf. Das Land scheint nicht die erhofften Erträge geliefert zu haben Die Grossbank ist nicht das einzige Institut, das diesen Schritt vollzieht.

Die Credit Suisse beschloss im vergangenen Mai kein Onshore-Private-Banking mehr in Russland anzubieten, wie das US-Magazin «Forbes» in seiner russischen Ausgabe berichtet. Seither seien die Kunden diskret darüber informiert worden.

Die russische Wirtschaft leidet seit geraumer Zeit unter den vom Westen verhängten Sanktionen sowie auf Grund der stark gesunkenen Rohstoff-Preise. Eine Sprecherin der CS bestätigte gegenüber finews.ch die entsprechenden Informationen und präzisierte, dass die Schweizer Grossbank keine Onshore-Buchungs-Plattform in Russland mehr anbieten wolle.

Russische Antwort auf die Art Basel»

«Die CS überprüft laufend ihre internationalen Geschäfte sowie ihr Produktangebot, um den Kunden auf effiziente Weise die erwünschten Dienstleistungen anzubieten», liess die Bank weiter verlauten. Als Teil solcher Überprüfungen habe die CS beschlossen, zwar weiterhin Beratungsdienstleistungen für Private-Banking-Kunden zu offerieren, aber ohne lokale Buchungs-Plattform.

Ihr Engagement in Russland brachte die CS seit langem auch mit ihrer strategischen Partnerschaft zur Cosmoscow zum Ausdruck, Russlands Antwort auf die internatinale Kunstausstellung «Art Basel»; ausserdem trat die Bank seit 2007 auch als Sponsorin des weltberühmten Bolschoi-Balletts in Erscheinung.

Den jüngsten Einsparungen der CS in Russland ging im vergangenen Februar die überraschende Demission des damaligen Chefs Steven Hellmann voraus, wie auch finews.ch berichtete.

Rückschlag wegen der Russlandkrise

Die Credit Suisse blickt auf eine lange und bewegte Geschichte in Russland zurück. Sie zählte zu den ersten internationalen Banken, die nach dem Ende der Sowjetunion und unter der Ägide von Hans-Jörg Rudloff eine weitreichende Investmentbanking-Präsenz aufbauten, um alsbald im Zuge der diversen Privatisierungsschritte sehr grosse Geschäfte zu tätigen.

Ein Rückschlag folgte Ende der 1990er-Jahre mit dem Ausbruch der Russlandkrise, als auch die CS enorme Abschreibungen vornehmen musste, die zeitweilig sogar das Gesamtergebnis der Bank beeinträchtigten. Dennoch gelang es dem Schweizer Institut sich davon zu erholen, nicht zuletzt auch mit dem Engagement des prominenten J.P.-Morgan-Bankers Fawzi Kyriakos-Saad im Jahr 2006.

Investmentbank als Türöffnerin

Wie andere Grossinstitute nutzte auch die CS ihre Investmentbanking-Aktivitäten, um über sie an die vermögenden Privatkunden (Geschäftsführer, Unternehmer) zu gelangen und diesen individuelle Dienstleistungen in der Vermögensverwaltung anzubieten. Was in der Schweiz sowie in London, wo ebenfalls viele Russen leben, funktionierte, sollte nach der Einschätzung der CS-Verantwortlichen auch in Russland möglich sein und die erhofften Erträge einbringen – doch wie sich nun zeigt, war das offenbar nicht der Fall.

Die meisten sehr wohlhabenden Russen ziehen es vor, ihre Vermögen aus Sicherheitsüberlegungen ins Ausland zu verlagern, so dass sich die meisten internationalen Banken zwischen Moskau und St. Petersburg in der privaten Vermögensverwaltung eher schwer tun.

Banklizenz bleibt

Wie die CS diese Woche verlauten liess, will sie ihre Banklizenz in Russland allerdings behalten und institutionellen Kunden weiterhin Offshore-Banking-Services anbieten. Bereits 2012 verlagerte das Unternehmen aus Kostengründen grosse Teile ihrer Moskauer Investmentbanking-Abteilung nach London; die UBS ihrerseits bucht keine Kunden onshore in Russland.

Die Deutsche Bank sowie der britische Barclays-Konzern haben ihre Investmentbanking-Einheiten entweder schon drastisch heruntergefahren oder gar abgezogen.

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